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PLAEC-21, Reisetagebuch, Antarktische Halbinsel, Südgeorgien und Falklandinseln – Sonnenfinsternis

by Oceanwide Expeditions

Logbuch

Tag 1: Einschiffung – Ushuaia, Argentinien

Einschiffung – Ushuaia, Argentinien
Datum: 23.11.2021
Position: 55°53’S / 067°42’W
Wind: ESE
Wetter: Bewölkt
Lufttemperatur: +9

Nun sind wir schließlich angekommen in Feuerland, am sogenannten Ende der Welt. Nun ja, von Ushuaia aus geht es doch noch weiter nach Süden, ein ganzes Stück. Aber heute schlenderten wir noch durch diese charmante Patagonische Stadt, probierten regionale Küche und besuchten lokale Sehenswürdigkeiten. Ushuaia ist der Ort, an dem die Straßen des argentinischen Feuerlands enden, aber er ist gleichzeitig auch der Ort des Beginns eines einzigartigen Abenteuers.

Als wir im Bus saßen, direkt neben der MV Plancius, konnten wir es kaum fassen ihm so nah zu sein, unserem Zuhause für die nächsten 19 Tage. Martin, der Expeditionsleiter unserer Reise, rief uns in Gruppen auf das Schiff, auf dem wir Aleks, den Hotelmanager und sein Team begrüßten. Es war Zeit unsere Kabine und das Schiff kennenzulernen, welches ein ziemliches Labyrinth ist…

Kurz nachdem wir alle an Bord waren, hörten wir die erste Lautsprecheransage. Wir wurden zur Einführung in die Sicherheit auf dem Schiff in das Restaurant bzw. die Lounge gerufen. In einem Video wurde uns auf unterhaltsame, aber deutliche Art und Weise dargestellt, worauf wir auf dem Schiff für unsere Sicherheit achten müssen. Wir erhielten Einweisungen für den unwahrscheinlichen Fall einer Notlage, sicher ist sicher. Kurz vor Abfahrt folgte noch eine praktische Sicherheitsübung, wir schnappten unsere Rettungswesten und warfen einen Blick auf die Rettungsbote.

Lasst unsere Reise beginnen! Die Plancius verließ langsam den Hafen, begleitet vom Sonnenuntergang und Ushuaias Panorama. Trotz bewölkten Wetters war das Licht wunderschön. Kurz darauf, gegen 20 Uhr, rief uns Aleks in das Schiffsrestaurant für unser erstes gemeinsames Abendessen an Bord. Wir fühlten die Begeisterung in der Luft, enthusiastische Gespräche durchdrangen den Raum, während das Essen serviert wurde. Manche von uns steuerten nach dem Abendessen noch die Lounge an, während andere nach einem langen und lang ersehnten Tag direkt ins Bett fielen.

Die erwartete ruhige Nacht wurde von einer Durchsage von Martin gegen 23 Uhr unterbrochen, der uns erklärte, dass wir sofort aufgrund eines medizinischen Notfalls umkehren müssten. Glücklicherweise stellte sich später heraus, dass für den Passagier keine Lebensgefahr herrschte, jedoch bestand die Notwendigkeit dies so schnell wie möglich im Krankenhaus Ushuaias abzuklären. Wir nahmen unsere Reise sofort wieder auf, um am nächsten Morgen den Beagle Kanal verlassen zu können. Schließlich stand uns noch eine lange Fahrt bis in unser Ziel, die Antarktis, bevor, und unsere Reise hatte gerade erst begonnen.

Tag 2: Auf See in Richtung Antarktis – Drake’s Passage

Auf See in Richtung Antarktis – Drake’s Passage
Datum: 24.11.2021
Position: 55°01.2’S / 066°46.0’W
Wind: NW 3
Wetter: Bewölkt
Lufttemperatur: +9

Nach der kurzen Wende Richtung Ushuaia über Nacht, segelten wir wieder durch den Beagle Kanal, wo wir die Mündung in den offenen Ozean gegen 10 Uhr morgens erreichten. Als wir die geschützten Gewässer des Kanals verließen, nahm der Wind sofort auf bis zu 30 Knoten zu, und Wellen stießen auf unsere Steuerbord-Seite, was die Plancius zu einer starken Neigung und Rollen veranlasste. Unsere Schiffärzte waren laufend damit beschäftigt uns Medikamente zu verschreiben, um uns eine angenehme Überfahrt zu ermöglichen.

Später an diesem Morgen hörten wir einen Vortrag über die IAATO-Regulationen, in dem uns Sarah Details unserer Expedition Richtung Süden erklärte, insbesondere unsere Pflichten und Vorsichtsmaßnahmen, um die Unberührtheit der Antarktis zu schützen und zu bewahren.

Nach dem Mittagessen und einem wohl verdienten Mittagsschlaf, präsentierten Pippa und Sarah Vorträge über Wale, in denen sie verschieden Arten beschrieben und erklärten, wie wir sie auf unserer Reise unterscheiden können. Fortan waren unsere Augen auf den Ozean gerichtet, in der Hoffnung einen Blas oder gar einen Walrücken zu erspähen.

Am Abend stellte uns Martin die Pläne für den darauffolgenden Tag vor und Eduardo erklärte uns das 1000-jährige Ozean-Förderband sowie die Konvergenz des südlichen Ozeans, an der die eiskalten antarktischen Gewässer auf wärmere nördliche Ozeane treffen, dabei Nährstoffe an die Meeresoberfläche bringen von denen zahlreiche Meeressäuger und -vögel zehren.

Während wir am Ende des Abends weiter Richtung Süden segelten, begleiteten einige Graumantel-Rußalbatrosse das Schiff, elegant durch Wind und über Wellen gleitend. Und dann, wie von Zauberhand, erschien ein Wanderalbatros und gesellte sich zu dem Schauspiel. Mit über drei Metern Flügelspannweite gilt er als kein Geringerer als der größte Meeresvogel der Welt.

Nach einem köstlichen Abendessen zogen sich einige der Passagiere in ihre Kabinen zurück, immer noch von der Schiffsbewegung gepeinigt. Andere tapfere Seelen machten sich auf den Weg in die Bar, um mit einem Getränk auf den ersten überstandenen Tag in der Drake Passage anzustoßen. Am nächsten Tag, dies war uns bewusst, würde noch ein geschäftiger Tag werden, um uns auf unsere ersten Anlandungen in der Antarktis vorzubereiten.

Tag 3: Auf See in Richtung Antarktis – Drake’s Passage

Auf See in Richtung Antarktis – Drake’s Passage
Datum: 25.11.2021
Position: 59°32.8’S / 64°02.9’W
Wind: W 4
Wetter: Bewölkt
Lufttemperatur: 0

Wir verbrachten unseren dritten Tag auf dem letzten Abschnitt der Drake Passage in Richtung Antarktis. Diese unter erfahrenen Seemännern vereinfacht „Drake“ genannte Meeresenge kann tückisch sein und lies manche unserer Passagiere und der Mannschaft seekrank werden. Dennoch fühlten sich im Laufe unseres dritten Tages wesentlich mehr Gäste wesentlich besser und erschienen auf den Decks, um zu beweisen, wie gut sie bereits der stürmischen See und den Schwankungen des Schiffs gewappnet sind.

Aufgrund des ansteigenden südlichen Breitengrades, auf dem wir nach Süden segeln, geht die Sonne jeden Tag ein bisschen früher auf. Die Aktivitäten an Bord beginnen nach einem sanften Morgengruß unseres Expeditionsleiters Martin über das Lautsprechersystem. Das Frühstück wurde serviert und der weitere Tagesplan bestand darin, Aufgaben zu erledigen, um uns unseren Aufenthalt in der Antarktis zu ermöglichen. Das Expeditionsteam händigte uns Gummistiefel aus, welche wir während unserer Anlandungen in der Antarktis tragen würden. Direkt im Anschluss assistierten die Guides uns bei der Ausführung des Biosicherheits-Protokolls. Das bedeutete die Reinigung aller Taschen und der Außenkleidung, die wir beabsichtigten, an Land zu tragen. Mit dieser Maßnahme stellen wir sicher keine exotischen Arten in dieses einzigartige Ökosystem einzubringen. Mit einem kleinen Akt können wir so helfen, die Antarktis unberührt und sauber zu bewahren.

Nach dem Beenden der Biosicherheits-Vorkehrungen konnten wir unser Mittagessen im Schiffsrestaurant genießen. Am Nachmittag wurden unter Leitung unserer Schiffsärzte Helga und Tom Antigen-COVID-test für alle unsere Gäste und die Crew durchgeführt. Wir erhielten die Ergebnisse kurz darauf, zu unserer Erleichterung wurden wir alle negativ getestet. Dies bestätigte uns nochmals, dass alle unsere Sicherheitsvorkehrungen vor und während der Reise erfolgreich waren.

Plötzlich erklang eine aufgeregte und freudige Stimme über die Lautsprecheransage: Ein Pod Orcas direkt neben dem Schiff! Prompt entschlossen sich unser Kapitän und der Expeditions-Leiter Martin dazu, die Plancius zu wenden und die Tiere ein wenig zu begleiten, was uns einen nahen, wundervollen Blick auf diese beeindruckenden Meeressäuger ermöglichte. Man sollte erwähnen, dass dies eine ganz einzigartige und besondere Begegnung war, da Orcas in der Drake-Passage nur sehr selten zu finden sind. Neben der Orca-Familie konnten wir auch noch einige Buckel- und Finnwale sowie eine Vielzahl an Seevögeln sichten, darunter Graumantel-Rußalbatrosse, Riesensturmvögel sowie einige kleinerer Sturmvogelarten - die Herzen unserer Ornithologen und Meeressäuger-Fans an Bord höher schlugen höher.

Während wir am Ende des Nachmittags das südliche Ende der Drake Passage durchquerten, stellte uns Martin, der Expeditionsleiter, eine Einführung zur Nutzung der Zodiac-Schlauchboote vor. Diese enthielt weitere, enorm wichtige Informationen, um die Sicherheit unserer Exkursionen zu gewährleisten.

Die Aktivitäten an Bord endeten mit unserem täglichen Recap, geführt von Martin, der uns die Pläne für Exkursionen auf den Südshetlandinseln vorstellte. Danach präsentierte uns Sarah interessante Fakten über Orcas, um unser Wissen über diese Meeressäuger auf den neusten Stand zu bringen. Darauf folgte noch die Anpreisung des sogenannten Eisberg-Wettbewerbs von Laura, der Glaziologin und George, unserem Fotographen. Bei diesem spannenden Ratespiel ging es darum zu schätzen, wann wir den allerersten Eisberg unserer Reise erblicken würden. Als Preis winkten Ruhm, Ehre sowie eine Flasche Sekt.

Tag 4: Elephant Point/Pendulum Cove

Elephant Point/Pendulum Cove
Datum: 26.11.2021
Position: 62°41.2’S / 60°49.3’W
Wind: NE 5
Wetter: Bewölkt
Lufttemperatur: +6

Unser erster Tag in Antarktika! Wow!

Hat es wirklich begonnen, sind wir tatsächlich in der Antarktis? It was really starting, were we actually in Antarctica? Die Wassertemperatur sank plötzlich auf 0°C, was bedeutet, dass wir die Antarktische Konvergenz überschritten und die nährstoffreichen Gewässer Antarktikas erreicht haben. Ein Blick auf die Landkarte unserer Kabinen-Fernseher zeigte uns die Südshetlandinseln an, welche am nördlichen Ende der Antarktischen Halbinsel gelegen sind. Wir konnten einen ruhigen Morgen genießen während das Expeditionsteam bereits gegen 7:30 Uhr von Bord ging, um unsere erste Anlandung vorzubereiten. Heute Morgen besuchten wir Elephant Point. Dies sind zwei aneinander liegende Buchten auf der Livingston Insel.

Wir erreichten den Strand und waren beeindruckt von der Schönheit dieses Ortes - Ein wunderschöner Strand, bestehend aus Geröll unterschiedlicher Größe und umgeben von höheren Klippen. Die Klippen waren von vielen bunten Flechten und Moosen in unterschiedlichen Grüntönen bewachsen. Unglaublich, nie hätten wir so viel Vegetation auf dem weißen Kontinent erwartet. Der Strand selbst war voll, und ich meine vollgepackt, mit Südlichen See-Elefanten aller möglichen Größen. Das Expeditionsteam erklärte uns die verschiedenen Altersgruppen, und wie stark die Geschlechter dieser Robbenart in Größe variieren. Trotzdem, die Lieblinge vieler waren die See-Elefanten-Jungtiere mit ihren großen Augen. Dennoch, so klein waren die Tiere auch nicht mehr, gerade erst 3-5 Wochen alt, wogen viele von ihnen schon mehr als wir selbst. Dennoch, der Blick dieser süßen runden Augen, die uns aufmerksam folgten, ließen unsere Herzen schmelzen. Und wenn man schon hin und weg ist, dann man auch darüber hinwegsehen, welche seltsamen Geräusche diesen Tierchen aus allen Körperöffnungen entweichen…

Allein die zauberhaften See-Elefanten machten diesen Ort atemberaubend, aber dann, während wir den Strand entlang schlenderten, sahen wir tatsächlich auch noch unseren allerersten Pinguin, der große Aufregung unter uns auslöste. Die Zeit flog nur so dahin, wir hatten kaum Gelegenheit, die nistenden Riesensturmvögel, Dominikanermöwen oder gar die Überreste verstorbener Vögel und Robben genauer zu betrachten. Es war uns möglich den Beginn und das Ende des Lebens dieser Tiere so nah aneinander zu erleben. Wir saugten jeden Augenblick dieses sonnigen Morgens auf, und konnten es kaum glauben an welchem fantastischen Ort wir gelandet sind.

Danach kamen wir beim Mittagessen und einer kurzen Ruhepause wieder zu Kräften. Die Annäherung an Deception Island ist wahrscheinlich einer der Höhepunkt jeder Antarktis-Reise. Die Deception-Insel ist ein aktiver Vulkan, der bei einem heftigen Ausbruch zusammengebrach, woraufhin sich sein innerer Krater mit Meereswasser füllte. In der immer noch aktiven Vulkancaldera befindet sich eine schmale Lücke, durch die Schiffe passieren können, bekannt als „Neptuns Blasebalg“. Wir machten uns also auf dem Weg in das innere eines aktiven Vulkans, wie verrückt ist das denn?!

Wieder machte sich das Expeditionsteam auf, um unsere Anlandung vorzubereiten, wir folgten kurz danach. Wir wurden auf einem mystischen Strand abgesetzt, überall um uns herum Nebel. Eigentlich kann man es kaum Nebel nennen, sondern tatsächlich Dampf, der durch die Aktivität des Vulkans gebildet wird. Direkt unter der Sandoberfläche, konnten wir die geothermale Aktivität fühlen und gleichzeitig unsere Hände aufwärmen. Wir genossen eine kleine Wanderung entlang des Strandes, direkt neben einigen Pinguinen. Dann fing es an zu schneien. Nun verstanden wir was das Expeditionsteam meinten, als sie von ständig wechselndem Wetter sprachen. Der Wind nahm zu und die Schneeflocken wurden stetig größer. Da wir das Abenteuer lieben, hielt uns das nicht davon ab weiter zu laufen. Wir konnten die Überreste einer alten chilenischen Forschungsstation betrachten, die seit der letzten Serie von Vulkanausbrüchen um 1967 verlassen ist. Bevor wir komplett durchnässt waren, stiegen wir in eins der Zodiac-Boote, auf schnellstem Weg zurück zum Schiff. Wir hatten Zeit uns bei einer Tasse Tee aufzuwärmen, bevor wir zum Abendessen gerufen wurden. Später erklärte Martin uns noch alle wichtigen Informationen für den morgigen Tag, wir konnten kaum es kaum erwarten, was er für uns bereithalten würde.

Tag 5: Neko Harbour

Neko Harbour
Datum: 27.11.2021
Position: 64°48.5’S / 62°39.6’W
Wind: NNE 6
Wetter: Bewölkt/Schnee
Lufttemperatur: +2

Starke Winde hielten uns davon ab, unsere morgendliche Anlandung durchführen zu können. Dennoch, nach einem weiteren hervorragenden Mittagessen an Bord, war es uns möglich am Nachmittag das erste Mal den Antarktischen Kontinent zu betreten. Die Anlandestelle war Neko Harbour, am südöstlichen Ende der Andvord Bucht. Dies war ein berauschender Moment für alle von uns, die lange davon geträumt hatten, den 7. Kontinent zu besuchen!

Während seiner 1897-99 Expedition von dem Belgier Adrien de Gerlache entdeckt, wurde die Anvord schon früh von Walfängern besetzt. Die Bucht ist, wie die Landkarte Italiens, wie ein Stiefel geformt, und Neko Harbour befindet sich quasi in der Nähe der Zehen. Diese Lage gewährt Schutz vor den starken Winden außerhalbes der Bucht, und in unserem Fall der Möglichkeit an diesem Nachmittag hier anzulanden. Dabei bekamen wir einen Eindruck der Variabilität des antarktischen Wetters – von heiterem Sonnenschein über wolkenverhangenem Himmel bis hin zu Schneegestöber.

Wir befanden uns 1160 km von Ushuaia entfernt, und es war leicht nachzuvollziehen, weshalb dieser Ort günstig für die ersten Walfangaktivitäten war. Isoliert von starkem Wellengang und Strömungen, erleichterte der Hafen die Arbeit eines Walfangschiffs „Neko“ am Anfang des 20. Jahrhunderts. Wir waren umgeben von unglaublicher Landschaft – hoch aufragenden Berggipfeln, stark zerklüfteten Gletschern, welche regelmäßig rumorten und neue Eisberge in die Bucht kalbten.

Wie bereits an dem dampfenden schwarzen Sandstrand in Pendulum Cove, wurden wir von Eselspinguinen begrüßt. Außerdem nisten hier auch Raub- und Dominikanermöwen. Die Anlandung an diesem Steinstrand war etwas herausfordernder, aber alle Mühe wert. Besonders auf ihre Kosten kamen alle, die gerne wandern und fotografieren. Knapp über uns flogen hin und wieder Antarktisseeschwalben, Riesensturmvögel und Kormorane.

Sicherlich ist es unmöglich unseren Einfluss auf die Tierwelt komplett zu vermeiden, aber wir befolgten die Richtlinien der IAATO und unserer Guides und konnten so unseren Einfluss minimieren, um keinen bleibenden Schaden zu hinterlassen.

Im Jahre 1949 wurde hier von der argentinischen Marine in Neko Harbor die Captain Fleiss Refuge Station und ein Pinguinobservatorium (Refugio Neko) errichtet. Felipe Fleiss war ein Offizier der Korvette Uruguay, welche Otto Nordenskjold’s Crew während ihrer Schwedischen Antarktisexpedition aus dem Eis rettete. Im Jahr 2010 wurde Refugio Neko stark beschädigt und daraufhin entfernt. Überreste des Fundaments bestehen heute noch und sind von Moosen bewachsen.

Nach einem sehr erfolgreichen Nachmittag und voller überwältigender Eindrücke, ging es auf den Zodiacs zurück aufs Schiff, wo wir bei warmen Getränken erholten, und unsere liebsten Fotografien und Momente austauschten. Auch heute beendeten wir den Tag mit einem Recap von Martin, um uns von den morgigen Plänen zu berichten, gefolgt von einem warmen Abendessen. Ein weiterer wunderschöner Tag in der Antarktis!

Tag 6: Brown Station / Stony Point

Brown Station / Stony Point
Datum: 28.11.2021
Position: 64°53.2’S / 62°52.9’W
Wind: ESE 2
Wetter: Bewölkt
Lufttemperatur: +6

An diesem Morgen erwachten wir in der atemberaubenden Paradise Bay – der Paradies-Bucht. Während wir frühstückten, versuchte das Expeditionsteam, am nördlichen Ende der Bucht anzulanden, an dem sich die argentinische Forschungsstation Base Brown befindet. Da die Station unbesetzt war, hieß es: Schnee Schaufeln. Trotz vollen Körpereinsatzes stellte es sich heraus, dass es dem Team nicht möglich war, die Anlandestelle vom über zwei Meter hohem Schnee zu befreien, der sich hier während des Winters aufgetürmt hatte. Stattdessen entschied Martin, alle Zodiacs ins Wasser zu lassen, um eine mehrstündige Fahrt in den Schlauchbooten um die Eisberge der Paradies-Bucht zu machen.

Wir bewunderten Eisberge in unterschiedlichsten Formen und Farben sowie die von Gletschern umsäumten Buchten und genossen zwischendurch einen Moment antarktischer Ruhe. Es ging weiter, nah vorbei an der argentinischen Brown-Station, umringt von Eselspinguinen. Gleich um die Ecke nisten an den steilen Klippen auch antarktische Kormorane. Weiter ging es, immer auf der Suche nach neuen Überraschungen, und so fanden wir eine weibliche Weddel-Robbe, die auf einer Eisscholle döste. Im Hintergrund ragten weitere Gletscher anmutig aus dem spiegelglatten Wasser. Die Stunden vergingen wie im Flug, so machten wir uns wieder auf den Weg Richtung Plancius. Unser Schiff war inzwischen versteckt zwischen unzähligen Eisbergen, aber der Geruch nach dem köstlichen Lamm-Curry unseres Küchenchefs leitete uns den Weg.

Am Nachmittag segelten wir zu dem gegenüber liegendem Punkt der Bucht nach Stony Point, wo wir ein weiteres Mal den antarktischen Kontinent betraten. Hier machten wir unsere erste Schneeschuh-Exkursion und wir fühlten uns ein wenig wackelig auf unseren Füßen. Die Schneedecke war mehrere Meter mächtig, und viele von uns schlitterten und wankten über den Schnee, stets damit beschäftigt, die Balance zu halten. Der Weg hoch auf den Gipfel von Stony Point war die Mühe wert, wir hatten einen atemberaubenden Blick auf die immensen Gletscher um uns herum.

Am Ende der Anlandung rief uns Martin zurück zum Strand für den klassischen ‚polar plunge‘, einen Sprung in das eiskalte antarktische Wasser. Sobald das Signal von Martin erklang, entkleideten sich die mutigsten unserer Passagiere und liefen in Richtung Meer, bei einer Wassertemperatur von nur kurz über 0°C. Dabei ist „laufen“ vielleicht nicht das richtige Wort…viele von ihnen ähnelten Pinguinen, die über den Steinstrand stolperten. Die meisten von uns hielten es nur wenige Sekunden aus, die Zehen fühlten sich an als würden sie gefrieren. Andere trotzten den Naturgewalten und tauchten komplett unter, ins eiskalte Nass. So berauschend dieses Erlebnis auch war, brachte uns das Expeditionsteam doch wieder schnell aufs Schiff, um uns bei einer warmen Dusche zu akklimatisieren.

Der Tag endete mit einem kurzen abendlichen Recap und einem weiteren köstlichen Mahl. Während wir schon in unseren Kabinen ruhten, brachte der Kapitän uns immer weiter nach Süden, immer näher in Richtung des Lemaire Kanals.

Tag 7: Peterman Island/ Port Charcot

Peterman Island/ Port Charcot
Datum: 29.11.2021
Position: 65°11.1’S / 64°08.2’W
Wind: SE 2
Wetter: teilweise bewölkt
Lufttemperatur: +8

Unser Tag startete frühmorgens mit einer Lautsprecheransage unseres Expeditionsleiters, der uns den baldigen Beginn der Durchfahrt des berühmten Lemaire-Kanals ankündigte. Die Verlockung war groß, in unseren gemütlichen Betten liegen zu bleiben, dennoch rafften wir uns auf und machten uns auf den Weg auf die Außendecks, um die wunderschöne Landschaft zu bewundern. Gegen 7 Uhr starteten wir unsere Fahrt durch die Meerenge, unter hervorragenden Wetterbedingungen – blauer Himmel, komfortable Temperaturen und dazu wehte eine leichte Brise. Von Norden kommend konnten wir auf unserer Backbordseite die sogenannten Uma Peaks bestaunen, bis auf 700m steil aufsteigende Zwillingsgipfel. Auf der Steuerbordseite ragten die Cléry-Gipfel auf 600m über den Meeresspiegel heraus. Da wir uns noch früh in der Saison befanden, befürchteten wir, dass uns Eisberge die Durchfahrt durch den schmalen Kanal versperren würden. Tatsächlich war das Glück aber wieder auf unserer Seite und wir konnten den kompletten Kanal oder Hindernisse durchsegeln. Wir passierten den engsten Punkt der Wasserstraße, direkt daneben ragten die Wandel-Gipfel beeindruckende 980 m in die Höhe. Nach einer fantastischen Fahrt erreichten wir gegen 8 Uhr morgens das südliche Ende des Kanals.

Die Durchfahrt des Lemaire-Kanals markierte den Beginn des allerersten Tages mit wirklich sonnigem Wetter. Direkt im Anschluss an die Passage wurde das Frühstück serviert und bald darauf startete das Expeditionsteam mit den Zodiacs, um die Landung auf Peterman Island vorzubereiten. Der Anlandestelle auf der Peterman Insel heißt Port Circumcision und wurde am 01. Januar 1909 von einer Expedition unter der Leitung von Jean- Batist Charcot entdeckt. Die kleine Bucht diente dem Schiff Pourquoi-Pas? daraufhin als Basis seiner Überwinterung. Wir unternahmen hier eine geteilte Aktivität, bei der ein Teil unserer Gruppe die Esels- und Adelie-Pinguinkolonien auf den oberen Hügeln der Insel besuchte, und die restlichen Passagiere die Insel bei einer Zodiacfahrt vom Wasser aus betrachtete. Nach der Hälfte des Vormittags tauschten sich beide Gruppen aus, sodass wir alle die Möglichkeit hatten, die Tierwelt der Insel sowie die verschiedensten Eisberge rundherum zu genießen. Die Krönung der Zodiac-Tour waren die unterschiedlichen Robbenarten, die wir auf Eisschollen entdeckten, sowie die zahlreichen Antarktis-kormorane, die über uns hinweg flogen.

Mittags ging es zum Mittagessen zurück zum Schiff und gleich danach mussten wir noch einen COVID-Test machen, um sicherzustellen, dass alle an Bord gesund waren. Unter der Leitung unserer beiden Schiffsärzte fielen alle Tests negativ aus und wir konnten mit unserem Nachmittagsprogramm fortfahren. Dabei ließen wir unsere Zodiacs wieder zu Wasser, um eine ausgedehnte Kreuzfahrt durch einem großen Eisbergfriedhof zu unternehmen. Unter strahlendem Sonnenschein begannen die Touren mit zahlreichen erstaunlichen Eisbergen, in allen möglichen Blautönen. Nur wenige Minuten nach Beginn der Fahrt entdeckte Pippas Zodiac eine Gruppe von Zwergwalen beim Fressen, umgeben von Gruppen von Eselspinguinen, die so ziemlich dasselbe taten. Eine Bootsgruppe nach der anderen steuerte von Pippa geleitet zum Spektakel und so hatten wir alle das Glück, eine spannende Begegnung mit diesen schönen Meeressäugern zu bekommen. Kurz darauf, tief versteckt zwischen kleinen Eisschollen, fanden wir auch unseren ersten Seeleoparden. Dies war definitiv einer der Höhepunkt dieser Zodiacfahrt, ebenso wie die spektakulären Eisformen, die uns während der gesamten Fahrt umgaben.

Als wir zu unserem Schiff zurückkehrten, stand uns der traditionelle Grillabend bevor, bei der wir das feine Essen von Khabir und seinen Mitarbeitern auf dem Außendeck genossen. Während des Essens umgaben uns wunderschöne Landschaften der antarktischen Kanäle, durch die die Plancius segelte. Der Tag endete damit, dass unser Schiff noch einmal durch den Lemaire-Kanal fuhr. Während wir nach Norden segelten, hatten alle auf den Decks die Möglichkeit, einen wunderschönen antarktischen Sonnenuntergang zu beobachten.

Tag 8: Orne Island

Orne Island
Datum: 30.11.2021
Position: 64°39.5S / 60°38.8’W
Wind: N 5
Wetter: Bewölkt
Lufttemperatur: +6

Wir waren gespannt, welches Highlight uns nach dem herausragenden gestrigen Tag erwarten würde. Der Morgen begann mit Sonnenschein, wenn es auch etwas windiger war als am Vortag. Es war ein früher Start für das Expeditionsteam, das sich aufmachte, den Landeplatz vorzubereiten. Da dieser nicht einfach zu erreichen war, verzögerte sich unsere Anlandung leicht. Geduldig warteten wir auf dem Schiff und schon bald holten uns die ersten Zodiacs an der Gangway ab. Auch heute konnten wir eine geteilte Anlandung und hatten so alle die Gelegenheit, Orne Island zu betreten und etwas Zeit im Zodiac zu verbringen, um nach Meeressäugern zu suchen.

Die Landung war nicht einfach, da wir über Felsen und Schnee klettern mussten. Aber wir schaffen das, wir sind Entdecker! Auch hier benutzten wir die Schneeschuhe, die es uns ermöglichten, die Insel selbst im weichen, tiefen Schnee zu erkunden. Glücklicherweise waren wir mittlerweile darin geübt, sie schnell anzuziehen. Immer dem markierten Weg folgend, wanderten langsam den kleinen Hügel hinauf. Auf dem Weg zum Aussichtspunkt sahen wir verschiedene kleine Pinguingruppen. Esels- und Zügelpinguine teilen sich diese kleine Insel und wir verstanden sofort, warum – der Ausblick war einfach atemberaubend! Ein fast komplette 360-Grad-Aussicht, steile Berge bedeckt von blau-weißen Gletschern, die Wolken über den Berggipfeln bildeten beinahe linsenförmige Formen und natürlich Eisberge überall im umgebenden Ozean. Es war der perfekte Augenblick, um tief durchzuatmen und die Schönheit der Landschaft zu genießen...okay, mit einigen Unterbrechungen durch die sich paarenden Pinguine, die lustige Geräusche machten. Auch die Zodiac-Kreuzfahrt war atemberaubend, noch einmal konnten wir einen der Top-Raubtiere des Südpolarmeeres beobachten, den Seeleoparden.

Gerade noch rechtzeitig, als sich der Wind verstärkte, wurden wir von der Insel abgeholt und zurück zum Schiff für ein weiteres fabelhaftes Mittagessen gebracht. Martin rief uns um 14 Uhr in die Lounge, um uns auf den neusten Stand der Pläne zu bringen. Leider würde es uns durch den Wetterumschwung nicht möglich sein, unsere geplante Nachmittagslandung durchzuführen. Stattdessen würden wir weiter nach Norden segeln, um etwas Zeit zu haben, den Antarctic Sound sowie den nördlichen Teil des Weddellmeeres zu erkunden. Dies bescherte uns einen schönen entspannten Nachmittag auf dem Schiff. Wir hatten Zeit, uns über die Abenteuer der letzten Tage zu unterhalten und die ersten fünftausend Fotos, die wir bisher gemacht hatten, zu sortieren. Als wir die Halbinsel entlangfuhren, entdeckte Sarah einige Buckelwale. Erstaunlich, das Tierleben war überall um uns herum.

Der Nachmittag verging schnell, nachdem wir in die Bar zu Getränken zum halben Preis geladen wurden. Damit war der Tag bereits zu Ende und das Expeditionsteam präsentierte das tägliche Recap in der Lounge. Eduardo sprach über die Berge des Lemaire-Kanals, Laura über die verschiedenen Eis-Arten, die wir in der Umgebung gesehen hatten, und Sarah lehrte uns über die Kameras in den Pinguin-Kolonien und wie wir die Wissenschaft unterstützen könnten, indem wir von zu Hause Pinguine auf unseren Computerbildschirmen zählen. Direkt im Anschluss wurden wir in das Restaurant gerufen, wo uns das Hotelteam wieder gut verpflegte. Mit vollem Bauch und neuen Erinnerungen machten wir uns auf den Weg in unsere Kabinen. Ein weiterer traumhafter Tag auf der Antarktischen Halbinsel.

Tag 9: Weddell-See Exploration

Weddell-See Exploration
Datum: 01.12.2021
Position: 63°36.1’S / 055°51.9’W
Wind: NNW 6
Wetter: Klar
Lufttemperatur: +3

Die einzige verlässliche Konstante in der Antarktis sind Veränderungen; und Wettersysteme ändern regelmäßig unsere Pläne.

Obwohl die Wetter-Prognose ermutigend klang, war der heutige Tag voller Überraschungen in jeder möglichen Hinsicht. Schon während des Frühstücks wurde klar, dass sich unser geplanter Besuch auf der Paulet-Insel ändern würde. Der Wind war zu stark, Schaumkronen auf dem Meer füllten die Bucht wie grasende Schafe, wie die Matrosen sagen würden, und ein geeigneter und sicherer Landeplatz war nicht vorhanden. Stattdessen segelten wir mit dem Schiff langsam um die Paulet-Insel, bevor wir in südöstlicher Richtung an Seymour Island vorbeifuhren. Laura und Steffi erklärten uns über die Lautsprecher geologische Besonderheiten sowie einige geschichtliche Daten Nordenskjolds Expedition, die 3 Jahre auf der Insel feststeckte. Nach dieser kleinen Präsentation machte Martin uns neugierig auf eine ganz besondere Art der Pinguinbeobachtung, indem er uns darauf aufmerksam machte, dass wir uns in der Nähe der nördlichsten Kaiserpinguinkolonie auf der nahegelegenen Snow Hill Insel befanden.

In angenehmer See glitt die Plancius anmutig dahin, wie auch unsere treuesten Schiffskameraden, die flinken Kapsturmvögel, die mühelos zwischen den Wellenkämmen vor unserem Bug segelten. Wir fuhren vorbei an großen eisfreien Gebieten, und hofften die seltenen Kaiserpinguine schwimmend im Wasser zu erspähen.

Unter strahlend blauem Himmel betraten wir das Weddellmeer zu unserem bisher außergewöhnlichsten Leckerbissen und nautischen Meisterstück. Obwohl wir auf unserer Reise bereits unzähligen Eisbergen unterschiedlichster Form, Farbe und Größe begegnet waren, sorgte Kapitän Levakovv für die größte Überraschung des Tages. Um 16 Uhr unter klaren Himmel begeisterte er uns alle, indem er zwischen stadtgroßen Tafeleisbergen umher steuerte, bis der Bug von Plancius den Rand des fest gepackten Meereises berührte. Dies war ein spiritueller Moment für viele von uns, die Gedanken an heroische Entdecker wie Shackleton lenkend, die, als sie diesen Ort erreichten, sich furchtlos nach vorn wagten, um jedem Schicksal zu begegnen, das sie erwartete. Das Panorama vor uns war atemberaubend, und wir genossen es; wilde Fantasien mit abstrakten Formen und Schatten, die sich endlos bis zum Horizont ausbreiten.

Wir feierten unser Glück, beobachteten die erstaunlichen Flugleistungen der eleganten Schneesturmvögel und machten uns bereit für die Abreise, als die Schiffsmotoren zum Leben erwachten. Plötzlich, zu unserer großen Freude, entdeckten wir doch noch Kaiserpinguine am Rand und der Ferne des Meereises. Selbst das Expeditionsteam konnten ihr Glück nicht fassen, wie, diese erstaunlichen Seevögel beobachten zu können. Dies ist eine extrem seltene Sichtung auf Antarktisreisen und wir konnten die Kameras hören, die versuchten, die weit entfernten Tiere einzufangen. Die meisten von uns konnten zwei Kaiserpinguine mit Ferngläsern erkennen, indem sie Martins genauen Angaben folgten. Schließlich, nach dieser aufregenden Sichtung, küsste Plancius die Antarktis zum Abschied und begann, zu unserem nächsten Ziel, den Süd-Orkneyinseln, und der lang ersehnten Sonnenfinsternis zu navigieren.

König Neptun forderte einen Preis für all unser Glück und überraschte uns mit hohen Wellen und starkem Wind, als wir zwischen Eisbergen davonsegelten. Wie jeden Abend versammelten wir uns in der Lounge zu einem weiteren Recap. Martin erklärte den Plan für die nächsten Tage und das erwartete Wetter am Morgen der Sonnenfinsternis. Steffi erzählte uns eine lebendige Geschichte der Prüfungen und Wirrungen der Besatzung Otto Nordenskjolds schwedischer Antarktisexpedition und ihrer bemerkenswerten Rettung, gefolgt von Laura, die erklärte, warum wir diese riesigen Tafeleisberge im Weddellmeer sehen konnten.

Zum Abschluss des Abends bereitete uns die Küche noch ihre eigene Überraschung zu – „gebackene Antarktis“, gebackenes Speiseeis! Das Hotelteam hatte während des Nachmittags außerdem Zeit genommen, das gesamte Schiff und unsere Kabinentüren weihnachtlich zu schmücken. So weit entfernt von zu Hause, kamen wir in melancholische Stimmung.

Tag 10: Seetag zu den Südorkneyinseln

Seetag zu den Südorkneyinseln
Datum: 02.12.2021
Position: 62°49.7’S / 051°01.8’W
Wind: NW 7
Wetter: Bewoelkt
Lufttemperatur: +4

Heute Morgen sind wir auf hoher See aufgewacht, nachdem wir die windgepeitschten Eisströme des Weddellmeeres in Richtung der zerklüfteten Berge der Südorkneyinseln verlassen hatten. Der Wellengang erschütterte das Schiff, von einer Seite zur anderen wankend, und machte das Frühstück zu einer herausfordernden Angelegenheit. Doch oben an Deck konnten wir Albatrosse und Sturmvögel sehen, die anmutig über die wogenden Wellen glitten.

Nach dem Frühstück hielt Eduardo seinen Vortrag über Astronomie und erklärte die einzigartigen planetarischen Umstände, die zu unserer bevorstehenden Sonnenfinsternis am frühen 4. Dezember führen würden. Er erzählte Geschichten über seine früheren Sonnenfinsternis-Sichtungen, beschrieb die Einzigartigkeit des Ereignisses, wie man es auf sichere Art und Weise beobachten kann und wie planten, die Sonnenfinsternis von Bord der Plancius aus zu genießen. Die Erwartungen wuchsen schnell, das Event, auf das viele von uns gewartet hatten, war nur noch zwei Tage entfernt.

Nach dem Mittagessen hielt Sarah eine Präsentation über Pinguine, beschrieb ihre Brutzyklen und erklärte deren bemerkenswerten biologischen Eigenschaften, die es den charmanten Seevögeln ermöglichen, im tiefsten Süden zu überleben. Am späten Nachmittag hörten wir dann Lauras Präsentation über die Geologie der Antarktis, die Entstehung des Kontinents und dessen einzigartigen geologischen Formationen.

Als ein weiterer Tag auf hoher See zu Ende ging, genossen wir ein Abendessen im Restaurant und einen Drink an der Bar, bereiteten uns auf die bevorstehende Sonnenfinsternis vor und freuten uns darauf, am folgenden Morgen die Südorkneyinseln am Horizont auftauchen zu sehen.

Tag 11: Südorkney-Inseln/Seetag in Richtung Südgeorgien

Südorkney-Inseln/Seetag in Richtung Südgeorgien
Datum: 03.12.2021
Position: 56°58,1’S / 27,9° 27,9’W
Wind: W 8
Wetter: Regen
Lufttemperatur: 0

Nach einer holprigen Nacht, in der die Plancius durch das Südpolarmeer wackelte und rollte, erreichten wir am Morgen die südlichen Orkney-Inseln. Durch den Schutz von Coronation und Laurin Islands konnten wir erleichtert eine Abnahme des Rollens vernehmen. Dazu kam noch überraschend die Sonne heraus, was an diesem abgeschiedenen Ort ziemlich selten ist. Fern von allem und mitten im Ozean gelegen, obwohl nicht ganz menschenleer – wir konnten einen Blick auf die argentinische Forschungsstation „Orcadas del Sur“ werfen. Dies ist die älteste Forschungsstation der Antarktis und wird vom argentinischen Militär unterstützt. Die Station sammelt seit 1904 Wetterdaten und ist Basis das ganze Jahr über besetzt.

Nachdem wir die sonnige Aussicht über die Südorkney-Inseln genossen hatten, machten wir uns wieder auf den Weg aufs offene Meer, um den glücklichen „Spot“ zu finden, den Ort, an dem die Chancen am höchsten stehen würden, die Sonnenfinsternis ohne Wolken und Schneesturm bewundern zu können. Wir waren immer noch optimistisch. Den Rest des Tages beschäftigte uns das Expeditionsteam. Wir erhielten unsere zweite obligatorische Biosicherheits-Erklärung, die vor dem Betreten Südgeorgiens notwendig war. Wir wussten, was zu tun war, um das Einbringen nicht-einheimischer Spezies in diese fragile Umgebung zu vermeiden. Später folgte Georges Vortrag, in dem er uns viele Informationen über den geopolitischen Status des antarktischen Kontinents gab. Er erklärte, auf welche Weise bestimmte Länder an der Geschichte Antarktikas involviert waren, inwiefern dies heutzutage Auswirkungen auf den Kontinent hat und wie der Antarktisvertrag sein fragile Ökosystem schützt.

Nach einem weiteren köstlichen Mittagessen gab uns Eduardo die Gelegenheit, „einen Astronomen zu befragen“. Wir konnten so viele Fragen stellen, wie wir wollten, über die Sterne, den Weltraum und die Astronomie. Dies war spannend und sehr hilfreich, da wir auf den magischen Morgen der Sonnenfinsternis zusteuerten.

Vor dem Abendessen luden uns Martin und sein Expeditionsteam zu unserem regelmäßig täglichen Treffen in die Lounge ein, bei dem wir alle notwendigen Informationen für die am nächsten Morgen stattfindende Sonnenfinsternis erhielten. Die Ärzte mahnten uns, was wir bei der Sonnenfinsternis NICHT tun sollten, Eduardo erklärte uns, was wir tun sollten und George gab uns letzte Einweisungen, um während der Sonnenfinsternis richtig und sorgsam mit unseren Kameras umzugehen. Mit unserer Sonnenfinsternis-Schutzbrille in der Hand fühlten wir uns gut vorbereitet. Jetzt blieb nur noch zu hoffen, dass sich die Wolkendecke auflösen würde, um die Chance zu bekommen, dieses fantastische Ereignis zu erleben. Aufgeregt gingen wir früh ins Bett; es würde eine kurze Nacht werden!

Tag 12: Sonnenfinsternis/Seetag Richtung Südgeorgien

Sonnenfinsternis/Seetag Richtung Südgeorgien
Datum: 04.12.2021
Position: 57°24.3’S / 039°36.6’W
Wind: NW 8
Wetter: Bewölkt
Lufttemperatur: +5

Einer der am meisten erwarteten Tage der Reise war endlich da, der Tag der Sonnenfinsternis!

Der Grund, warum wir das Weddellmeer vor zwei Tagen verlassen hatten, war, dass wir heute früh ein außergewöhnliches Ereignis erwarteten. Es war eine geometrische und astronomische Koinzidenz zwischen Sonne, Mond und Erde, die sich am Himmel ausrichteten. Zur Freude der Erdbewohner wird diese Ausrichtung für einen Moment einen Schatten erzeugen, der dunkel genug ist, um den Tag zur Nacht werden zu lassen. Der Ort, um dieses Ereignis bestmöglich bewundern zu können, wurde u.a. bedingt von Wetterprognose, Meeres- und Eisbedingungen, und nach präzisen Berechnungen steuerten wir nun auf diesen bestimmten Ort in der schottischen See zu: 58°0' S/43°25'W. Wir erreichten ihn kurz nach Sonnenaufgang, um 3 Uhr morgens lokaler Schiffszeit. Wenige Minuten später wurde der Weckruf getätigt, der uns alle einlud, sich dem Expeditionsteam in der Lounge anzuschließen. Leider waren die Wetterbedingungen schlecht und die Sicht war sehr eingeschränkt. Glücklicherweise hatten wir keinen Nebel, aber der Himmel war komplett mit Wolken verhangen, weshalb wir den Ablauf der Sonnenfinsternis nicht verfolgen konnten. Trotzdem waren wir uns sicher, die Dunkelheit der Totalität erleben zu können. Die Sonnenfinsternis begann kurz nach dem Weckruf. Der erste Kontakt, das ist der Moment, in dem der Rand des Mondes den Rand der Sonne berührt, fand um 3:16 Uhr morgens statt. Zur gleichen Zeit startete Eduardo eine Live-Animation der Sonnenfinsternis sowie elektronische Musik, um eine Atmosphäre zu erzeugen, die den Planetarien auf der ganzen Welt nahekam.

Im Laufe der Zeit begann der Mond die Sonnenscheibe zu bedecken. Gegen 4.04 Uhr war die gesamte Oberfläche der Sonne bedeckt. Kurz zuvor war bereits der von Westen her auf uns zukommende Schatten des Mondes zu beobachten, als ein tiefdunkles Band sich dem Schiff näherte. Dieser Schatten näherte sich der Plancius immer mehr, und schließlich wurde der Tag für 1 Minute und einige Sekunden zur Nacht und wir genossen die Totalität. Trotz der Wolken waren wir Zeugen dieser plötzlichen Dunkelheit, die Navigationslichter des Schiffes leuchteten am bedeckten Himmel. So schnell wie sie kam, verschwand sie auch wieder und wir sahen wieder deutlich die Klarheit des Tages und die fernen Wolken.

Obwohl wir den Fortschritt der Sonnenfinsternis nicht gesehen hatten, hatte das Ereignis uns alle in Ehrfurcht zurückgelassen. Zum Teil freudige Begeisterung, zum Teil bedachte Stille machte sich unter den Gesichtern breit. Ein paar Gäste warteten mit einer Gruppe des Teams bis zum Ende der Sonnenfinsternis, gegen 04:55 Uhr kam es zum letzten Kontakt… Die Sonnenfinsternis war vorbei. An diesem Morgen waren keine Aktivitäten geplant und wir gingen wieder zurück ins Bett, um die verpassten Stunden Schlaf nachzuholen.

Unsere Nachmittagsaktivitäten begannen mit einem obligatorischen Video über Südgeorgien, das alle Besucher Südgeorgiens über die Regeln und die notwenige Sorgfalt während ihrer Visite an Land zu beachten haben. Aufgrund der überwältigen Masse an Tieren, die auf diesen Inseln leben, gilt es hier, besonders aufmerksam zu sein. Der Präsentation folgten unsere Biosicherheits-Vorbereitungen für unsere bevorstehende Ankunft in Südgeorgien. Die Lounge verwandelte sich in eine große Staubsaugerparty mit den Mitarbeitern des Expeditionsteams, die als "Inspektoren" fungierten und die Sauberkeit von Taschen, Außenkleidung, Stiefeln und Klettverschlüssen überprüften. Dieses Verfahren war wichtig, um sicher zu stellen, keine gebietsfremden Pflanzenarten, Samen oder anderes organisches Material in dieses einzigartige Ökosystem einzuführen. Nach dieser Aktivität hatten wir eine wohlverdiente Happy Hour an der Bar und lauschten dem täglichen Recap. Die Stimmung war hoch und alle unsere Gäste hatten große Erwartungen an unser nächstes Ziel, Südgeorgien!

Am Abend hatten wir eine herausragende Präsentation, die das Expeditionsteam als Überraschung für uns vorbereitet hatte. Zum Abschluss eines ganz der Astronomie gewidmeten Tages konnten wir dank der Großzügigkeit einer Gruppe von Gästen, die wir an Bord hatten, einen Vortrag über die Abenteuer eines ehemaligen ESA/NASA-Astronauten, Prof. Claude Nicollier, genießen. In dieser Präsentation ging es um seine Arbeit während seiner Missionen in die Erdumlaufbahn während des Space Shuttle-Programms. Prof. Claude hatte das Privileg, vier Missionen zu fliegen und insgesamt etwa 43 Tage im Weltraum zu verbringen. Zwei seiner Missionen waren besonders erwähnenswert - STS-61 und STS-103 zielten darauf ab, das Hubble-Weltraumteleskop zu reparieren. Dieses Teleskop ist eine der fortschrittlichsten Maschinen, die jemals in eine Umlaufbahn gebracht wurde, und wurde dazu verwendet, unglaubliche Bilder der entferntesten Objekte des Universums aufzunehmen. Seiner Präsentation ging eine kurze Einführung von Eduardo voraus, und es war keine Überraschung, dass wir ein volles Haus hatten!

Tag 13: St Andrews Bay/Cooper Bay

St Andrews Bay/Cooper Bay
Datum: 05.12.2021
Position: 54°26.2’S / 036°10.4’W
Wind: NNE 2
Wetter: Bewölkt
Lufttemperatur: +12

Wir erwachten am Morgen mit dem wunderschönen Anblick der Insel Südgeorgien, begleitet von blauem Himmel und Sonnenschein. Der Kapitän und sein Team auf der Brücke navigierten die Plancius zu unserem morgendlichen Ziel, der St. Andrew's Bay. Die als das Juwel Südgeorgiens bekannte Bucht beherbergt über zweihunderttausend Königspinguine sowie mehrere Tausend Südliche See-Elefanten und Antarktische Seebären. Die Bedingungen waren perfekt und alle waren sehr gespannt auf unsere erste Landung in Südgeorgien, besonders nach vier Tagen auf See, seit wir die Antarktis verlassen hatten.

Wir wurden mit den Zodiacs an Land gebracht, und als wir den Strand betraten, wurden wir von Gruppen neugieriger Königspinguine begrüßt, die aus dem Meer kamen und durch den Hindernisparcours der See-Elefanten am Strand navigierten. Das Expeditionsteam hatte uns einen Weg entlang des Strandes und in die Gletscherebene markiert, um den Gletscherschmelzwasserfluss zu erreichen, wo wir die jungen See-Elefanten beim Ausruhen und Spielen im Wasser beobachten konnten. Jenseits der Gletschermoränen konnten wir die gigantische Königspinguinkolonie sehen, die die Landschaft unter den hoch aufragenden Bergen und hängenden Gletschern dominierte. Einige von uns gingen den Fluss entlang zu einem wunderschönen Blick auf den Gletscher, während andere sich Zeit nahmen und all die unglaublichen Interaktionen der Tiere beobachteten, die um uns herum geschahen. Wir beendeten diesen fantastischen Morgen mit einer kurzen Fahrt in den Schlauchbooten entlang der Küste, bevor wir zurück zur Plancius gebracht wurden. Dadurch erhielten wir noch eine andere Perspektive auf diese majestätische Landschaft, Ausblicke auf die enorme Kolonie sowie die riesigen See-Elefanten, die am Uferrand ruhten.

Zurück auf der Plancius wurde uns ein weiteres köstliches Mittagessen von unserem Küchen- und Restaurantteam serviert. Martin informierte uns über unsere Pläne für den Nachmittag: Angesichts der schönen Bedingungen segelten wir zurück nach Südosten, um Goldschopf-Pinguine in der Cooper Bay zu finden.

Als wir nach Süden segelten, wurde uns bewusst, wie nährstoffreich die Gewässer Südgeorgiens sind, als wir in der Ferne einen Blauwal beim Fressen zwischen tauchenden Sturmvögeln erspähen konnten. In Cooper Bay angekommen, machten wir uns auf den Weg in die Zodiacs. Auch hier waren die Bedingungen perfekt, die Tour wurde von sanftem Sonnenlicht und ruhiger See begleitet. Während wir die Bucht durchkreuzten, begegnen wir zahlreichen Antarktischen Seebären, die durch das Wasser schnellten und zwischen dem Seetang schwammen. Wir erreichten einen Felsvorsprung mit mehreren kleinen Pinguinen mit langen, gelben Federn über den Augen – dem Goldschopf-Pinguin. Sie hüpften in und aus dem Wasser, während sie sich auf den Weg zu ihrer Kolonie hoch oben auf den Hängen machten. Wir fuhren weiter an dem Ufer der Cooper Bay entlang und fanden mehrere kleine Strände, die mit Seebären bedeckt waren; Hier konnten wir erstmals viele Weibchen mit neugeborenen Jungtieren entdecken, die sich ständig gegenseitig riefen. Viele Spitzschwanzenten und Riesenpieper (Pippits) wurden zwischen den Felsen, im Seetang und im Tussacgras an den oberen Hängen gesichtet. An einem der Strände konnten wir sogar einen ruhenden Seeleoparden finden. Als die Sonne hinter den Bergen unterging und die ersten Regentropfen fielen, machten wir uns auf den Rückweg zur Plancius, um uns wieder aufzuwärmen und unser Abendessen zu uns nehmen.

Nach dem Abendessen stand uns noch ein Ereignis bevor, der Kapitän segelte die Plancius in das Drygalski Fjord, ein schmales, langgestrecktes Fjordsystem an der Südspitze Südgeorgiens, und wir fanden uns umringt von zahlreichen, beeindruckenden Gletschern und steilen Bergketten. Da starke Winde und Regen über die Gletscher prasselten, dimmten wir die Lichter in der Lounge, wo die meisten von uns die Aussichten genossen.

Ein fantastischer erster Tag auf Südgeorgien. Als wir zu Bett gingen, freuten wir uns auf weitere Abenteuer, die für den nächsten Morgen geplant waren.

Tag 14: Grytviken/Stromness

Grytviken/Stromness
Datum: 06.12.2021
Position: 54°76.9’S / 036°30.1’W
Wind: NE 4
Wetter: Teilweise bewoelkt
Lufttemperatur: +12

Strahlender Sonnenschein, blauer Himmel und vereinzelte Schönwetterwolken begrüßten uns, als wir die Cumberland Bucht betraten; wir passierten auch Südgeorgiens beeindruckendes Patrouillenschiff Protector. Der Besuch Grytvikens, der berühmtesten Walfangstation der antarktischen Gewässer, war für viele von uns eine überwältigende Erfahrung. Wir erkundeten dieses Industriezentrum, welches im letzten Jahrhundert für die Plünderung seiner Gewässer verantwortlich war. Heute konnten wir hautnah die Natur- und Menschheitsgeschichte der Antarktis erleben. Wir bestaunten die Überreste des Walfangs, der kommerziellen Ausbeutung dieses rauen, aber sensiblen Ökosystems, staunten über die mittlerweile erreichte Erholung der Tierwelt ebenso wie über die Widerstandsfähigkeit Ernest Shackletons und vieler anderer, die diese bemerkenswerte Umgebung herausgefordert haben. Bevor wir in Grytviken von Bord gingen, wurden wir von zwei höflichen und uniformierten Beamten der King George Station begrüßt und inspiziert, die uns an die Sensibilität des Ökosystems der Insel und die Notwendigkeit erinnerten, uns vor der Einfuhr gebietsfremder Arten zu schützen.

Wir begannen die Landung, indem wir den männlichen Seebären auswichen, die ihre Reviere am Strand verteidigten, und hielten an, um einen seltenen und liebenswerten blonden Robbenwelpen zu bewundern, bevor wir Grytvikens abgelegenem Friedhof erreichten, um mit einem Whiskey auf Shackletons Grabstätte anzustoßen. Von dem höher gelegenen Friedhof war die Aussicht auf die Bucht herausragend: Steile, gletscherbedeckte Klippen, die die scharfen Gipfel der Allardyce Bergkette bedecken. Das Meer um Plancius hatte die gleiche türkisfarbene Wärme des karibischen Wassers, das sich zu einem kobaltblau verdunkelte, wenn Wolkenschatten über unser Schiff strichen. Auf dem Weg zum Museum und zur Post konnten wir die nach über 50 Jahren noch erhaltenden, verrostete Gebäude der Walfangstation bewundern. Während wir zwischen den Gebäuden spazieren, fanden wir einige Seebären, Seeelefanten und kleine Gruppen von Königspinguine, selbst die Südgeorgien-Riesenpieper, eine Erfolgsgeschichte des Umweltschutzes Südgeorgiens.

Nach einem weiteren köstlichen Mittagessen ging es weiter in Richtung Stromness Bay. Mit der Erwartung, einen Teil von Shackletons Reise zurückzuverfolgen, beabsichtigten wir, am Strand neben der Walfangstation von Stromness zu landen. Eine mächtige Ansammlung Antarktischer Seebären hatte jedoch andere Absichten. Zahlreiche Harems, die von aggressiven Männchen dominiert wurden und Territorien entlang der Küste verteidigten. Dies war der Grund, die Anlandung abzusagen und stattdessen eine lebhafte Zodiac-Fahrt durch die Bucht zu unternehmen. Zwischen Kelp-Algen immer am Ufer entlang, wurden wir von neugierigen Seebären im Wasser begleitet und wichen zahlreichen Riesen-Sturmvögeln aus. Die spontane Ausfahrt wurde zu einem reizvollen Zwischenspiel für jedes Auge und jeden Geist, dass alle Interessen befriedigte. Vogelbeobachter machten neue Beobachtungen, Geschichts- und Fotografie-Enthusiasten dokumentierten die traurige Geschichte der Überreste der Walfangstation und machten unvergessliche Aufnahmen.

Als die Sonne unterging und der Wind aufstieg, kehrten wir zum Schiff zurück. Wir hatten geplant, den Tag bei einem weiteren BBQ auf dem Außendeck ausklingen zu lassen. Der katabatische Wind hatte jedoch eine andere Idee… die meisten von uns beendeten unser Abendessen in der warmen Gemütlichkeit des Speisesaals. Gerade als wir Südgeorgien verließen, hatten wir die Chance, eine winzige Mondsichel in Verbindung mit der Venus am Horizont zu sehen, ein wunderschöner Anblick und eine Einladung, auch die Sterne zu beobachten. In dieser Nacht hatten wir die Gelegenheit, das Kreuz des Südens, eine der markantesten Konstellationen des südlichen Himmels, sowie alle hellsten Sterne am Himmel zu sehen, nämlich Sirius, Canopus, Alpha und Beta Centauri, Achernar. Das war ein toller Abschluss der Nacht und wir gingen zu Bett und träumten von Südgeorgien und all seiner Tierwelt!

Tag 15: Seetag in Richtung der Falkland Inseln

Seetag in Richtung der Falkland Inseln
Datum: 07.12.2021
Position: 53°38.2’S / 036°30.1’W
Wind: N 7/8
Wetter: Bewölkt
Lufttemperatur: +4

Nach unseren Abenteuern in Südgeorgien waren alle etwas müde, daher gab es an diesem Tag keinen Weckruf, sodass wir etwas ausschlafen und später in den Tag starten konnten. Mit der Abfahrt von Südgeorgien verließen wir auch den Schutz der Insel, und bereits am späten Vorabend begannen wir den starken Wind und die schwere, Dünung des offenen Ozeans zu spüren. Der Morgen war für viele der Passagiere und selbst die Crew schwierig, da das Schiff aufgrund des Seegangs und des Gegenwinds stark schwankte. Wir konnten nur langsam unserem nächsten Ziel, den Falklandinseln, entgegensteuern, und segelten entlang des Nordrandes des Scotia Meeres. Nichtsdestotrotz konnten wir einige Buckelwale sichten, und gar herausragender war die Sichtung von zahlreichen Finnwalen. Da wir dem Zeitplan etwas voraus waren, nahm sich der Kapitän die Zeit, das Schiff umzudrehen und begleitete die wunderschönen Meeresbewohner für einige Minuten aus nächster Nähe, bevor wir weiter in Richtung Falkland steuerten.

Stürmisch und kalt ist die Scotia-See, das Wassergebiet zwischen Feuerland, Südgeorgien, den Südlichen Sandwichinseln, den Südlichen Orkneyinseln und der Antarktischen Halbinsel. Für viele gilt er als einer der wildesten Orte der Erde. Dieses Meer wurde nach der Scotia benannt, dem Expeditionsschiff, das in diesen Gewässern von der schottischen Antarktis-Expedition (1902-1904) unter dem Kommando von William S. Bruce eingesetzt wurde. Trotz der rauen Bedingungen finden sich auf den umgebenen Inseln Vegetation aus flach wachsenden Blütenpflanzen, Moosen, Flechten und Algen, während Seevögel, Pinguine und Robben in den umliegenden Gewässern gute Nahrungsgründe finden. Die Inseln der Scotia See bieten auch Nist- und Brutplätze zahlreicher Tierarten, darunter vier Albatros-Arten, sechs Pinguinarten und einer unglaublichen Anzahl von See-Elefanten und antarktischen Seebären.

Im Laufe des Tages hatten wir Gelegenheit, verschiedenen Vorträgen zu folgen. Eduardo erzählte über das Leben und die Expeditionen von Ernest Shackleton, Steffi über die unglaublichen Seevögel, denen wir auf unserer Reise begegnet waren und am Ende des Tages folgte ein Vortrag über die Geschichte und das Ausmaß des Walfangs in Südgeorgien von Pippa.

Als wir uns von Südgeorgien entfernten, wurden immer mehr Vögel rund um das Schiff gesichtet. Im Laufe des Tages hatten wir die Gelegenheit, einige Antarktische Sturmvögel (Pachyptila desolata) zu sehen. Die Flügelspannweite dieser Vögel beträgt etwa 20 cm, wodurch er zu den kleinsten Seevögeln gehört, die wir auf unserer Reise beobachten konnten. Diese Vögel brüten in großen Mengen auf den Inseln der Scotia-See, darunter u.a. Südgeorgien, den Südshetlandinseln, den Südlichen Sandwichinseln und den Südorkneyinseln. Andere heute gesichtete Arten waren Kapsturmvögel (Daption Capense), Buntfußsturmschwalben (Oceanites Oceanicus) sowie der Riesensturmvogel (Macronectes giganteus). Am späten Nachmittag hatten wir selbst noch die Gelegenheit, einen gigantischen Wander-Albatros zu beobachten, der um das Schiff flog. Es umkreiste uns, als wünschte er uns eine gute Reise.

Tag 16: Seetag in Richtung der Falklandinseln

Seetag in Richtung der Falklandinseln
Datum: 08.12.2021
Position: 53°14.8’S / 046°10.0W
Wind: SW 8
Wetter: Bewölkt
Lufttemperatur: +6

Letzte Nacht haben wir die Zeit zurück auf Falkland-Zeit geändert und eine Stunde Schlaf gewonnen. Für viele von uns war das notwendig, da es nicht immer einfach ist, sich bei der Schiffsbewegung gut auszuruhen. An diesem zweiten Seetag in Richtung der Falklandinseln schüttelte uns das Meer wieder durch, vor allem durch die hohe Windgeschwindigkeit und den starken Wellengang. Auch wenn die meisten von uns bereits gut an diese Bedingungen angepasst waren, konnte es dennoch eine Herausforderung sein, sich während der Präsentationen an Bord zu konzentrieren und die Augen offen zu halten, egal wie interessant sie auch gewesen sein mögen. Die Kaffeemaschine lief im Hintergrund weiter, während wir bei den Vorträgen von Steffi, Pippa und Sarah über Krill, Ozeanakustik und Buckelwale lernten.

Eine weitere gute Möglichkeit, sich an einem Seetag zu beschäftigen, ist es, frische Luft zu schnappen und auf den Außendecks nach Seevögeln und Walen zu suchen. Dies war witterungsbedingt nur an den Seiten der Brücke möglich. Einige von uns schlossen sich der begeisterten Vogelbeobachtergruppe an, die verschiedene Arten von Seevögeln erspähte, darunter sogar den größten von allen, den Wanderalbatros mit einer Flügelspannweite von bis zu 3,5 m! Es ist schwer vorstellbar, wie riesig diese Kreaturen sind, während sie neben dem Schiff elegant über die Wellen gleiten und selten mit den Flügeln schlagen. Um uns ihre Größe zu veranschaulichen, demonstrierte unser Expeditionsleiter Martin die Flügelspannweite der auf unserer Reise häufig gesichteten Seevögel mit Hilfe eines Seils in einer großartigen Präsentation während unseres täglichen Recaps. Ehrfürchtiges Raunen ging durch die Reihen der Lounge, als die Länge des Seils bei den größeren Albatrosarten unglaubliche Ausmaße annahm.

Am Abend nahm die Wellenhöhe ab und wir konnten auf entspannte Art und Weise ein leckeres Abendessen genießen. Das Expeditionsteam schien an diesem Abend besonders aufgeregt und beschäftigt zu sein und alles für ein besonderes Ereignis vorzubereiten, das nach dem Abendessen stattfinden würde. Dieser Abend war gewidmet, um Geld für den South Georgia Heritage Trust (SGHT) zu sammeln, eine erstaunliche und hingebungsvolle Organisation, die sich um die schöne und einzigartige Tierwelt der Inseln Südgeorgiens kümmert. Nach vielen Jahren der Bemühungen gelang es dem SGHT erst vor drei Jahren, die nicht-einheimischen Ratten auf den Inseln auszurotten, die eine starke Bedrohung für die seltenen, auf Südgeorgien nistenden Seevogelarten darstellten. Dies ist nur ein Beispiel für die großartige Arbeit, die die Organisation leistet, und Grund genug, uns zu dafür zu begeistern, so viel wie möglich zu helfen. Das Expeditionsteam organisierte eine Versteigerung, um Geld für den SGHT zu sammeln und unterhielt uns dabei mit einer Überraschung nach der anderen. Wir wurden nicht nur mit einem Glas Sekt begrüßt, sondern auch von dem in schickem Polyester gekleideten George unterhalten, der sich als geborener Auktionator entpuppte. Dabei war George in guter Gesellschaft von seinen Assistenten, einem überdimensionalen Pinguin und einem sehr verwirrten Eisbären, die die exklusiven Artikel präsentierten und unsere Sektgläser auffüllten. Nach einer Nacht voller Gelächter schliefen wir ein, mit etwas weniger Geld in der Tasche, aber voller Freude, weil wir wussten, dass wir dazu beitragen konnten, Südgeorgien so schön und atemberaubend zu erhalten, wie wir es während unseres Besuchs vorfanden.

Tag 17: Seetag in Richtung der Falkland Inseln

Seetag in Richtung der Falkland Inseln
Datum: 09.12.2021
Position: 52°16.0’S / 052°57.1’S
Wind: NNW 6
Wetter: Bedeckt
Lufttemperatur: +7

Ein weiterer Morgen auf See, an dem wir von Steffi geweckt wurden, die uns zum Frühstück einlud. Es sah so aus, als hätte sich auf der Plancius ein Schiffsroutine etabliert. Nach dem Frühstück kamen wir in der Lounge zusammen, oder auf dem Außendeck bzw. der Brücke, um die frische Morgenluft zu genießen. Das Meer hatte sich in der Nacht beruhigt und rollte nicht mehr, sodass es recht angenehm wurde. Nur wenige Vögel flogen um das Schiff herum und die Sonne versuchte, die Wolkendecke zu durchdringen. Während wir die Tausenden von Fotos, die wir während der Reise gemacht hatten, weiter sortierten, lud George uns in die Lounge ein, um am Fotowettbewerb teilzunehmen. Wir durften Fotos in drei Kategorien einreichen: (1) Landschaft, (2) Tierwelt und (3) Neuheit.

Gegen 10.30 Uhr lud Steffi die deutsche Gruppe ein, sich in der Lounge zu ihrem Vortrag über die Anpassung der Tiere an das kalte Klima der Antarktis zu treffen und erklärte uns, warum Pinguine keine Socken tragen. Im Laufe des Morgens dachten wir über die letzten zwei Wochen nach; wie viel wir während dieser Reise gesehen haben und wie lange es schon her ist, dass wir auf der antarktischen Halbinsel waren und Eisberge und Eselspinguine bewundern. Wie jeden Tag wurden wir in den Speisesaal zu einem wohlverdienten Mittagsbuffet eingeladen.

Der Nachmittag verging und einige von uns gingen aufs Außendeck, um den ersten Sonnenstrahl der letzten Tage zu genießen. Die Vogelbeobachter waren bereits im Einsatz und versuchten, einige besondere Seevögel zu entdecken. Belohnt wurden wir mit der Sichtung zweier Wanderalbatrosse, dem König der Lüfte. Gegen 15 Uhr lud Laura uns in die Lounge zu einem Vortrag über die Auswirkungen des Klimawandels auf das Eis der Pole ein. Sie zeigte, dass die Wirkung nicht so direkt war, wie wir es uns vorstellen konnten. Die Antarktis steht unter großem Stress und ihr fragiles Gleichgewicht ist bedroht. Im Laufe des Nachmittags konnten wir außerdem die verschiedenen Fotos bestaunen, die für Fotowettbewerb eingereicht wurden und stimmten für unsere Favoriten ab.

Der Tag endete mit unserem Tagesrückblick und den Plänen für morgen. Wir waren aufgeregt, weil wir für einen Morgen in Stanley das Schiff verlassen konnten. Selbst wenn es ein sehr früher Morgen war und ein Weckruf für 5:15 Uhr geplant war, wussten wir, dass wir uns ein paar Stunden lang die Beine vertreten können, bevor wir wieder auf See zurückkehren. Nach dem Abendessen stimmten wir für unsere Lieblingsfotos jeder Kategorie des Fotowettbewerbs ab. Die Top 3 wurden auf den Bildschirmen angezeigt und wir feuerten unseren Favoriten an. Dies war der perfekte Abschluss dieses ruhigen Seetages und wir gingen früh zu Bett, vorbereitet auf einen frühen Start am nächsten Morgen.

Tag 18: Stanley/ Seetag in Richtung Ushuaia

Stanley/ Seetag in Richtung Ushuaia
Datum: 10.12.2021
Position: 51°44.3’S / 057°35.2’W
Wind: SSE 4
Wetter: teilweise bewölkt
Lufttemperatur: +11

Frühmorgens lief die Plancius in den Hafen Stanleys ein und Martin weckte uns direkt im Anschluss um 5:15Uhr, direkt gefolgt davon nahmen wir unser Frühstück ein. Trotz der gar so frühen Morgenstunden konnten die meisten von uns es nicht erwarten, vom Schiff zu gehen und den netten und sehr britisch anmutenden Ort Stanley zu erkunden. Um 6:30 Uhr holten uns die ersten Zodiacs ab und brachten uns in die Kleinstadt. Man sagt, niemand ist britischer als ein Auswanderer, und Stanley ist ein perfektes Beispiel dafür. Es schien so als wäre die ganze heimische Gemeinde strahlend, freundlich, höflich, und vor allem, allen Passagieren unseres Schiffes wohlgesonnen.

Anders als für unsere vorherigen Anlandungen, bei dem wir mit hoher Wahrscheinlichkeit nasse Hosen bekamen, war unsere Ankunft in Stanley ganz anders. In komfortablen Bussen, begleitet von einheimischen Touristenführern, wurden die meisten von uns zu unserem ersten Programmpunkt an diesem Morgen gebracht, der so genannten Gypsy Cove. Wir wurden wieder von strahlendem Sonnenschein empfangen, dazu einer leichten Brise und angenehmen Temperaturen. Laut den Einheimischen (und der Wettervorhersage der lokalen „Pinguin“-Zeitung) wäre dieses tolle Wetter der Anfang der wärmeren Sommermonate auf den Inseln. Viele bemerkten die Ähnlichkeit der Buchten mit den Stränden der westlichen schottischen Inseln, aber die eselsähnlichen Rufe der hier nistenden Magellan-Pinguin ließen keine Zweifel daran, dass wir uns in den südlichen Breiten aufhielten. Wir verbrachten den Morgen damit, mithilfe der Guides die in verschiedensten Farben blühende Vegetation zu identifizieren sowie die verschiedenen Gänsearten mit ihren liebenswerten Küken sowie die nistenden Kormorane und Nachtreiher zu bestaunen und zu fotografieren. An den feinen weißen Sandstränden konnten wir ein erstaunliches Sortiment an Muscheln bewundern, was uns an tropische Strände erinnerte.

Die letzten Stunden schlenderten wir durch Stanley, beschäftigt mit Last-Minute-Weihnachtseinkäufen, E-mails und Anrufen nach Hause und dem Besuch des lokalen Museums. Ein perfekter Abschluss dieses kurzen Besuchs der charmanten Kleinstadt. Als wir uns wieder auf dem Schiff befanden, steuerte die Plancius Richtung Westen, wieder begleitet von zahlreichen Seevögeln. Einige von uns begaben sich auf die Außendecks und erspähten noch den Leuchtturm von Cape Pembroke. Bis zum Beagle Kanal auf unserem Weg fehlten uns noch 400 Seemeilen, uns dieser Leuchtturm würde bis dahin das letzte Zeichen der Zivilisation sein.

Die Sonne schien ununterbrochen, weshalb wir nach einemköstlichen Mittagessen den Nachmittag und die frühen Abendstunden auf den Außendecks verbrachten, Sonne tankten und auf der Suche nach Walen und Seevögeln waren. Das Wetter war so schön, dass wir das Quiz, welches wir nachmittags geplant hatten, absagten, um die angenehme Zeit draußen zu verbringen. Am Abend gab es wie gewohnt unser tägliches Recap, bei dem David auf unterhaltsame Weise mithilfe eines Videos den Lebensweg einer Plastiktüte präsentierte und Sarah uns die farbenfrohen Pflanzenarten erklärte, die wir am heutigen morgen in und um Stanley begutachtet hatten. Gegen 22:30Uhr, lud uns Eduardo noch ein, mit ihm Sterne zu beobachten um von dem Sternenhimmel, den wir an diesem Abend über unseren Köpfen sahen, zu lernen. Was für eine fantastische Art, einen weiteren Tag voller neuer Erfahrungen abzuschließen!

Tag 19: Seetag in Richtung Ushuaia

Seetag in Richtung Ushuaia
Datum: 11.12.2021
Position: 53°53.2’S / 062°37.5’W
Wind: E 2
Wetter: Nebel
Lufttemperatur: +9

Unser letzter voller Tag auf See begann mit einem reichhaltigen Frühstück und noch einmal, strahlendem Sonnenschein. Als wir in der Lounge auf den bevorstehenden ersten Vortrag des Tages warteten, erspähten die Offiziere auf der Brücke einige Delfine am Horizont. Aufgeregt schnappten wir unsere Jacken und Kameras und begaben uns auf die Außendecks, um diese graziösen Meeressäuger zu bewundern. Kurz nach der Ansage von der Brücke wurden wir mit Stundenglas- und Peales-Delfinen belohnt, die mit den Wellen am Bug des Schiffes schwammen. Der Kapitän entschied sich spontan, das Schiff umzudrehen, um mehr Zeit in der Nähe der Delfine verbringen zu können. Während wir uns langsam den Wasserspritzern am Horizont näherten, wurde auch das Expeditionsteam immer aufgeregter, und bald darauf wussten wir, weshalb; Etwa 30 Pilotwale näherten sich dem Schiff. Als hätten wir nicht schon genug Glück gehabt, begleiteten uns die Pilotwale für mehrere Minuten und konnten diese unglaublichen Tiere für aus nächster Nähe betrachten, bevor wir unsere Reise nach Ushuaia fortsetzten.

Direkt im Anschluss, gegen 10:30 Uhr, lud Eduardo uns in die Lounge ein zu einem mehrteiligen Vortrag über die Möglichkeiten und Hoffnungen des Umweltschutzes unserer Erde. Eduardo präsentierte die Geschichte des Klimawandels und den Stand unserer Welt in diesem Moment, vom geologischen Standpunkt. Darauf folgte Martin, der über Umweltschutzprogramme sprach sowie uns seine Sicht erläuterte, wie wir unser Verhalten ändern könnten, um einen echten Einfluss zu erreichen. Auch wenn Martin der Meinung ist, dass Politik bei Gesprächen über Umweltschutz ausgelassen werden sollte, schilderte George einen ganz anderen Ansatz und erläuterte uns, wie wir die Politik als Werkzeug nutzen könnten, die Umwelt unseres Planeten zu retten, Umweltschutzgebiete zu schaffen, sowie es bereits in der Antarktis möglich wurde. Den Vorträgen folgte eine angeregte und informative Diskussion, und noch während des Mittagessens führten wir angeregte Gespräche darüber, wie wir unseren ökologischen Fußabdruck reduzieren könnten.

Dem letzten Mittagessen an Bord folgte der administrative Teil des Tages. Zuerst wurden wir von Aleks darum gebeten, unsere Schiffsrechnungen zu begleichen, gefolgt von dem nicht ganz so spaßigen COVID-Test, zumindest dem letzten dieser Reise! Danach wurden wir dazu aufgerufen, unsere Leihausrüstung und Gummistiefel, die wir schon so liebgewonnen hatten, abzugeben. Nachdem wir noch die ein oder anderen Seevögel und Delfine von den Außendecks erblicken konnten, wurden wir ein letztes Mal in die Lounge zum Recap gerufen. Nach einigen Informationen zum berühmten Kap Hoorn von Eduardo und Sarah, die in Erinnerung an die morgendliche Pilotwalsichtung schwelgte, folgte Martin mit einer schönen Zusammenfassung der Reise und, als krönenden Abschluss einem liebevoll zusammengestellten Video der Fotos unserer Reise von unserem Fotographen George. Es fühlte sich dann wirklich wie das Ende unserer Reise, als wir Ingrids Stimme das letzte Mal über den Lautsprecher hörten, die uns zum Abendessen einlud.

Wir zelebrierten eine herausragende Reise voller Überraschungen, Entdeckungen und wundervollen Erinnerungen. Der Lärmpegel im Restaurant war lauter als normalerweise, während wir die Erfahrungen der vergangenen Tage und Wochen austauschten. Wir verbrachten unseren letzten Abend in der Lounge, und stießen mit dem Expeditionsteam auf ein letztes Getränk an. Es würde seltsam sein, in den folgenden Tagen aufzuwachen, und diese mittlerweile familiären Gesichter nicht mehr zu sehen. Dennoch, nach einem Tag voller „letzter“ Male, gingen wir mit einem Lächeln im Gesicht und dem Kopf voller schöner Erinnerungen zu Bett!

Tag 20: Ausschiffung in Ushuaia

Ausschiffung in Ushuaia
Datum: 12.12.2021

Die komplette Distanz die wir auf unserer Reise zurueckgelegt haben: 3790 Seemeilen
Suedlichster Punkt: 65°05’S / 064°01’W
Im Namen aller Mitarbeiter des Schiffs danken wir Ihnen, dass Sie mit uns gereist sind, wir wuenschen Ihnen eine sichere Heimreise!

Details

Tripcode: PLAEC-21
Daten: 23 Nov - 12 Dez, 2021
Dauer: 19 Nächte
Schiff: MS Plancius
Einschiffung: Ushuaia
Ausschiffung: Ushuaia

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Aboard MS Plancius

Das eisverstärkte Schiff Plancius ist ein ideales Schiff für polare Expeditionsfahrten in die Arktis und Antarktis.

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