• Home
  • Trip-Logs
  • PLA27-18, logbuch, Falklandinseln, Südgeorgien, Antarktische Halbinsel

PLA27-18, logbuch, Falklandinseln, Südgeorgien, Antarktische Halbinsel

by Oceanwide Expeditions

Logbuch

Tag 1: Einschiffung in Ushuaia, Argentinien

Einschiffung in Ushuaia, Argentinien
Datum: 19.01.2018
Position: 042°45’S / 065°01’W

Bei strahlendem Sonnenschein verlieh das Team der Plancius heute dem Schiff den letzten Schliff in Tierra del Fuego, dem Ende der Welt. Nach einer etwas zeitaufwendigen Zollprozedur waren aber sowohl Passagiere als auch das Gepäck knapp nach 17 Uhr an Bord: es konnte losgehen in Richtung Süden! Ein Abenteuer, das jeder mal erlebt haben sollte. Ushuaia ( 55.tsd. Einwohner) selbst erfuhr in den letzten Jahren einen üppigen Aufschwung durch den zollfreien Hafen und blühenden Tourismus.

Während der Sommermonate ist es in Ushuaia, troz der südlichen exponierten Lage, meist relativ mild, und bei ebensolchem Wetter legten wir ab. In diesem Moment geht für viele von uns, die wir an Bord kamen, ein Traum in Erfüllung und ein jeder spürt die einmalige, sich auf dem Schiff breit machende Begeisterung. Fast einem Fieber gleich: schon das Polarfieber? So wurde die Plancius unser zu Hause für die kommenden 19 Tage.

Nachdem wir vom Expeditionsteam auf das Schiff geleitet wurden, nahmen uns Sebastian und Bobby, die beiden Hotelmanager, sogleich in Empfang und unsere phillippinische Crew zeigte uns den Weg zu unseren Kabinen. Alles nahm seinen Lauf.
Nach dem Zustieg gab es noch jede Menge einführende Informationen über das Leben an Bord. Ausserdem absolvierten wir die notwendige Seenotrettungsübung, durch die uns Jaanus leitete. Während wir den Beagle Kanal Richtung Osten entlang fuhren, um dann auf offener See Richtung Falklandinseln nach Nord-Osten zu drehen, begleiteten uns jede Menge Schwarzbrauen-Albatrosse. Bevor es dann zum kräftigenden Abendessen ging, wurden wir nochmals in die Lounge des Schiffes gebeten, wo uns Andrew und Sebastian noch viele Informationen zum Schiff vermittelten und uns auch das Expeditionsteam vorgestellt wurde, welches uns die kommenden Tage an Land bringen sollte, viele Präsentationen zeigen und uns rundum gut und sicher versorgen würde. Eine bunte Mischung aller Nationalitäten und Professionen, die uns eines der besten Reiseerlebnisse überhaupt erst ermöglichen sollte. Zu guter Letzt stellte sich dann auch unser Kapitän Alexey Nazarov inklusive seiner Crew vor. Anschliessend hieß es, sich an die Bewegung des Schiffes zu gewöhnen und auf eigene Erkundungstour zu gehen.

Vor uns lagen zwei Tage auf hoher See, bevor wir die Falklandinseln erreichten: jede Menge Zeit, uns mit der spektakulären Flora und Fauna der Gegend vertraut zu machen, und gleichzeitig auch nach Meeresvögeln und Walen Ausschau zu halten.

Tag 2: Unterwegs zu den Falklandinseln

Unterwegs zu den Falklandinseln
Datum: 20.01.2018
Position: 054°15’ S / 064°17’ W
Wind: W 4/5
Wetter: Klar
Lufttemperatur: +9

Der Tag fing mit der sanften Stimme unseres Expeditionsleiters Andrew an, der uns weckte und zugleich die ersten Informationen zu Wetter und Temperaturen zukommen ließ. Wir sahen klaren Himmel und spürten leichten Wind und, nun ja, auch ein bisschen Bewegung in der See. Während des Frühstücks entdeckten einige, dass ihre „Seebeine“ doch (noch) nicht so seefeste waren wie gedacht. Schiffsarzt Hans stand jedoch bereit – als Holländer hatte er natürlich die besten Tabletten und Pflaster gegen Seekrankheit.

Nach dem Frühstück begaben sich die meisten von uns an Deck und genossen die Sonne und die Seevögel, die sich in großer Zahl um das Schiff tümmelten, während wir uns auf dem Weg zu den Falklandinseln befanden. Der häufigste Vogel war der Riesensturmvogel, aber auch Schwarzbrauenalbatrosse und sogar Königsalbatrosse waren vertreten. Naturgemäß folgen die Vögel den Schiffen in Erwartung auf Futter, das durch den Auftrieb an die Oberfläche gebracht wird. Ebenso werden die Aufwinde, die um das Schiff herum entstehen, durch die eleganten Gleiter genutzt. Normalerweise sind die großen Fischerboote von hunderten Seevögeln umgeben, da dort die potentielle Beute wartet.

Um 09.30 Uhr wurden wir zur verpflichtenden Sicherheitseinweisung gerufen, welche den täglichen Landungen mit den Zodiacs gewidmet war. Es wurde uns der Ein- und Ausstieg in die kleinen, sehr robusten und schnellen Gummiboote erklärt, so dass jeder sicher von A nach B gelangen sollte. Gegen 15.00 Uhr gab es dann für jeden ein Paar Gummistiefel im entsprechenden Stiefelraum der Plancius und somit waren wir ausgestattet und bereit für unsere ersten Landungen.

Um 12.30 Uhr gab es dann Mittagessen. Es waren, trotz etwas stärkerer Schiffsbewegungen, doch deutlich mehr Menschen im Restaurant zu sehen als noch am Morgen. Langsam fand die Eingewöhnung statt. Anschliessend liessen wir es uns auf Deck wieder gut gehen.

Später am Nachmittag hielt Ali dann einen zweiteiligen Vortag über die Falkland Inseln, auf denen sie selbst gut 15 Jahre gelebt und gearbeitet hat. Wir bekamen einen Einblick in das Leben als ‚wandernder’ Lehrer, der abgelegene Farmen besucht und dort vor Ort die Kinder unterrichtet. Ebenso zeigte uns Ali die modernen Entwicklungen im Tourismus der Falklandinseln auf.

Die Zeit verging schnell und es war schon fast Abend. Manche nahmen bereits ein Getränk an der Bar. Andere saßen draußen an Deck und beobachteten Sei-Wale und Stundenglasdelphine, die zum Teil sehr nah ans Schiff herankamen und auf der Bugwelle der Plancius ritten. Um 18.30 Uhr fand unser Tagesrückblick statt, in dem Andrew uns informierte über die Pläne des kommenden Tages. Ali zeigte uns in einer kurzen Vorstellung mit einer Schnur und entsprechenden Markierungen, was wir an sich schon gesehen hatten, aber dennoch kaum eine Vorstellung von hatten. Die Spannweite der hier vorkommenden Vogelarten waren beeindruckend. Entspannt und glücklich mit unserem ersten Landungstag begaben wir uns dann zum Abendessen.

Tag 3: Die Inseln Carcass und Saunders

Die Inseln Carcass und Saunders
Datum: 21.01.2018
Position: 051°18’ S / 060°33’ W
Wind: NNW 6/7
Wetter: Teils wolkig
Lufttemperatur: +11

Viele von uns waren schon früh auf den Beinen, um Zeugen zu sein von Kapitän Alexeys Manövrieren der Passage von ‚Wolly Gut‘, einer Engstelle zwischen kleineren Inseln auf unserem Weg nach Carcass Island. Es war ein sonniger Morgen, allerdings mit einem starken und unberechenbaren Wind, welcher um die Küste der Insel wehte. Während wir ankamen wurden schon die ersten Eselspinguine gesichtet, in einer kleineren Kolonie, ebenso wie Commersons Delphine. Welch ein Start in den Tag! Doch an Land von Carcass Island sollte es dann noch besser werden.

Die Plancius ankerte am wetslichen Ende von Carcass und kurz danach schon begab sich ein Zodiac, besetzt mit dem Expeditionsteam auf Erkundung. Es sollte überprüft werden, wie die Landungsbedingungen sein könnten. Schnell war klar, dass eine Landung an der angedachten Stelle kaum möglich sein sollte. Dafür waren Wellen und Wind zu stark, außer man riskierte das Kentern des Bootes. So entschied sich das Team zu einer Landung an einem Steg ganz in der Nähe der Siedlung. Kurz danach waren alle an Land und viele begaben sich mit Ali auf einen ausgedehnten Spaziergang entlang der Küste, wo vor allem auch die besonderen Vogelfreunde voll auf ihre Kosten kommen sollten. Eine Besonderheit stellte der Falkland Zaunkönig dar, der hier ein endemischer Vogel ist und sich von kleinen Larven ernährt, welche am gestrandeten und getrockneten Seetang haften. Ferner gab es Nachtreiher mit Jungtieren zu sehen, ebenso wie den Magellanischen Austernfischer und den schwarzen Austernfischer. Die Vielfalt umfasste auch den Caracara, der sich vor nichts und niemandem zu fürchten scheint, ferner Kelpgänse mit Jungtieren, Falkland Amsel und die flugunfähige Dampfschifente. An Land herrschten fast tropische Verhältnisse. Daher war eine kleine Pause bei wundervollem Wetter, Kaffee und Selbstgebackenem in der Siedlung sehr willkommen.

Zurück auf der Plancius, wurde umgehend der Anker gelichtet und wir begaben uns in Richtung unseres zweiten Tageszieles: die Insel Saunders. Jedoch kamen wir zunächst nicht weit, dann wurde das Schiff langsamer und drehte bei. Der Grund war eine grosse Gruppe Sei-Wale, die uns wie aus dem Nichts plötzlich zu umzingeln schien. Sei-Wale sind die drittgrössten Lebewesen der Welt, und dementsprechend beeindruckend verlief die Begegnung. Kapitän Alexey hatte uns dies durch sein schnelles Handeln und Beidrehen ermöglicht.

Unsere Landung auf Saunders verlief dann auch viel ruhiger als noch am Morgen. Die Bedingungen waren sehr gut! Ein breiter Sandstrand, gespickt mit Eselspinguinen, sollte unsere Landezone sein. Der schmale Strandabschnitt verbindet zwei Inselteile von Saunders und ist die Heimat vieler Eselspinguine, Königspinguine und Skuas, jeweils alle Arten mit ihren Jungtieren. Wir wanderten ein Stück einen steilen Hang hinauf, welcher wiederum von Magellan-Pinguinen bewohnt wurde, um dann an einen felsigen Bereich zu gelangen, der über und über von Felsenpinguinen besiedelt war. Diese Pinguinart ist auf felsige Gebiete angewiesen, die zum Teil 30m und mehr über dem Wasser liegen, ein jeweils langer Weg für die im Wasser jagenden Vögel. Wenige hundert Meter weiter befand sich dann eine ansehnliche Kolonie von Schwarzbrauenalbatrossen. Auch hier waren alle Nester mit Jungtieren besetzt. Ein gutes Jahr für die Albatrosse. Weiterhin gab es Königsscharben und Delphinmöwen zu sehen.

Letztlich mussten wir uns dann aber doch wieder auf den Rückweg machen, um unser Taxi, die Zodiacs, noch rechtzeitig zu erreichen. Abends trafen wir uns alle wieder zu unserem Tagesrückblick mit dem Expeditionsteam in der Lounge. Anschliessend gab es nur noch eines zu tun: das leckere Abendessen auf der Plancius zu uns zu nehmen und uns auf die Ankunft in Stanley am nächsten Tag zu freuen.

Tag 4: Stanley, Falkland Inseln

Stanley, Falkland Inseln
Datum: 22.01.2018
Position: 051°41’ S / 057°51’ W
Wind: Var 1
Wetter: Klar
Lufttemperatur: +14

Bereits als Andrew am Morgen seinen alltäglichen Weckruf erklingen ließ, befanden wir uns auf der Einfahrt zu Port William, welcher unserem Ziel, Stanley, ein wenig vorgelagert war. Ein markanter Punkt, den wir dabei sahen, war der kleine schwarz-weiße Leuchtturm von Kap Pembroke. Die langen, fast weißen Sandstrände entlang der Zufahrt sehen wundervoll aus, sind jedoch seit dem Falkland-Krieg 1982 bis heute stark vermint. Bei bestem Wetter passierten wir ‚The Narrows‘, die enge Zufahrt zum Hafen von Stanley, wo uns bereits die bunten Hausdächer leuchtend begrüssten.

Kurz nach dem Frühstück wurden die Zodiacs zu Wasser gebracht und wir landeten trockenen Fusses am Anleger von Stanley, bereit, den malerischen Ort zu erkunden. Viele machten sich direkt auf den Weg zum Museum, um sich dort einen Einblick in die bewegte Geschichte der Falklandinseln zu ermöglichen, während andere dem verlockenden Ruf von Kaffee, Kuchen und Internet nicht widerstehen konnten. Wie man sich auch immer entschied, so war es ein Erlebnis, durch Stanleys Straßen zu streifen. Die Hauptstraße und auch viele der Nebenstraßen im alten Ortsteil luden zum Verweilen ein. Viele Souvenir-Geschäfte und auch das kleine Postamt wurden genutzt, um kleinere Einkäufe zu erledigen und Postkarten um die ganze Welt zu versenden. Dann war es auch schon wieder Zeit, sich auf den Weg zur Anlegestelle zu machen und zur Plancius zurückzukehren. Denn es hieß nun, sich auf den weiteren Weg zu machen in Richtung Süd-Georgien.

Um 14.30 Uhr hielt Bob einen Vortrag über das Leben vieler Seevogel-Arten. Es war ein interessanter Einblick in das schwierige Leben dieser Tiere und den Bedingungen, an die sie sich angepasst haben. In diesen Regionen wachsen Vögel langsam und können sehr alt werden. Das ist unter anderem auch Grund dafür, dass sie sehr lange Zeiträume benötigen, um zu lernen, wie sie navigieren und somit ihre Nahrungsquellen finden, aber auch die geeigneten Nistplätze und Brutreviere. Wir lernten auch: es gibt entweder gute Segler oder gute Taucher. So beispielsweise die Albatrosse und Pinguine. Beides gleichzeitig geht jedoch nicht.

Bei unserem täglichen Rückblick gab uns das Expeditionsteam nochmal einen schönen Eindruck von unserer Zeit auf den Falklandinseln und einen Ausblick darauf, was uns die kommenden Tage noch erwarten würde. Weiterhin ergänzte Marion Bobs Erzählungen bezüglich des Seetangs/Seegrases und vermittelte uns somit viel Neues. Seetangwälder sind in der Biomasseproduktion vergleichbar mit den großen Regenwäldern der Tropen. Ali zeigte uns viele neue Entwicklungen aus dem Schutz und Erhalt der Albatrossbestände auf, für welche sich die Falklandinseln stark engagieren. Die Bestände erholen sich und die Entwicklung ist positiv.

So gingen zwei phantastische Tage auf den Falkland Inseln zu Ende, mit viel Sonne, wenig Wind und einer Vielzahl von Tieren, ebenso unseren ersten Erfahrungen von nassen und trockenden Zodiac-Landungen.

Nächster Halt: Südgeorgien.

Tag 5: Seetag Richtung Süd Georgien

Seetag Richtung Süd Georgien
Datum: 23.01.2018
Position: 052°23’S / 051°50’W
Wind: E 5
Wetter: Bewölkt
Lufttemperatur: +9

Andrew weckte uns um 7:45 Uhr morgens auf – eine großzügigere Zeit, die uns erlaubte, etwas auszuschlafen für diejenigen, die vielleicht noch mit den Nachwirkungen von Reisen und Seekrankheitsmedikamenten zu kämpfen hatten. Wir frühstückten und verbrachten dann unseren Tag auf hoher See damit, Albatrosse zu beobachten, die neben unserem Schiff akrobatisch-aussehende Flugmanöver durchzuführen, was vielen von uns fantastische Fotos bescherte.
Nach dem Frühstück wurde eine ARGO-Boje ausgesetzt von Deck 3. An einem vorherbestimmten Ort, an dem das Wasser mindestens 2000m tief war, ging die Boje über Bord, um Wassertemperatur und Salzhaltigkeit des Ozeans zu messen. Diese Daten werden dann per Satellit in eine internationale Datenbank eingespeist.

Um 10 Uhr morgens hielt Hans einen Vortrag über Wale und Delfine des Südlichen Ozeans. Er fokussierte darauf, warum so viele der Walarten so selten sind, und warum wir nicht viel wissen über die Spezies. Im zweiten Teil des Vortrages dann präsentierte er uns die Arten, die wir möglicherweise zu sehen bekommen werden, und ließ uns anhand von Fotografien erraten, welche Wal- oder Delfinart abgebildet war.

Den ganzen Tag über war Plancius umringt von Südlichen Königsalbatrossen und Wanderalbatrossen. Die Fotografie-Enthusiasten unter uns hatten zahlreiche Möglichkeiten, gute Bilder zu schießen.
Nach dem Mittagessen präsentierte erst Bob einen Vortrag über Robben in der antarktischen Region, insbesondere über ihr Verhalten und Fortpflanzungsmuster.

Ali erzählte uns daran anschließend um 16:30 Uhr von ihren Einblicken aus Südgeorgien, wo sie neun Monate verbracht hatte. Sie nahm uns mit auf eine Reise über die historische Entwicklung der Walfangstation Grytviken bis hin zur derzeitigen Nutzung als Fischerei. Spektakuläre Fotos und spannende Anekdoten führten dazu, dass unsere Vorfreude auf diese schönen Inseln, die auch Sir David Attenborough zu seinen Top 3 Favoriten zählte, noch anstieg.

Bei unserer Abendrückschau erklärte uns Andrew die Pläne für den morgigen Tag. Da Südgeorgien ein sehr fragiles, empfindliches Gebiet ist, sogar Teil eines der grössten Meeres-Naturschutzgebiete der Welt, gelten bestimmte stringente Richtlinien, an die wir uns halten müssen. Dies bezieht das sorgfältige Staubsaugen von Rucksäcken und Kleidung, insbesondere Klettverschlüsse, mit ein. Andrew forderte uns weiterhin auf, Lichterzeugung zu vermeiden, da wir über Nacht in das Naturschutzgebiet eintreten, in dem viele Vögel brüten, die von Lichtern angezogen werden. Auch der Kapitän wird die Schiffsbeleuchtung dimmen, um zu vermeiden, dass Vögel sich auf unser Deck verirren.

Im Laufe des Abends wurde der Wind stärker und die Temperatur sank, als die Plancius die Antarktische Konvergenz überquerte. Dies führte dazu, dass unser Kapitän die Außendecks abschloss. Wir rollten in unseren Kajüten sicher und warm in eine bewegte Nacht! Wir stellten die Uhren eine Stunde vor, um auf der selben Zeitebene zu sein wie Südgeorgien. Wir kommen der Antarktis näher und näher...

Tag 6: Unterwegs nach Südgeorgien

Unterwegs nach Südgeorgien
Datum: 24.01.2018
Position: 053°13’ S / 044°38’ W
Wind: SW 4
Wetter: Bewölkt
Lufttemperatur: +5

In der Nacht war es etwas schaukelig, aber dafür, dass wir auf offener See waren, war es gar nicht so schlecht. Nach dem Frühstück gab es eine Einweisung von Andrew in das umweltgerechte Verhalten in Südgeorgien und der Antarktis. IAATO, die internationale Vereiningung der Antarktischen Tourveranstalter, hat Regeln aufgestellt, die das einzigartige Ökosytem der Antarktis und Südgeorgiens schützen sollen, vor dem Eintrag fremder Organismen und vor dem gedankenlosen Verhalten der Besucher.

Nach dem Vortrag war es an der Zeit die Theorie in die Praxis umzusetzen und so trafen wir uns in der Lounge zur „Staubsauger-Party“und reinigten all unsere Jacken, Regenhosen, Rucksäcke und Kamerataschen mit Staubsaugern. Dies dauerte eine ganze Weile und deswegen ging es nach dem Mittagessen gleich weiter.

Wer nicht saugte, der hatte Gelegenheit, auf dem Deck zu entspannen. Etwas später am Nachmittag, gegen 15 Uhr, tauchte dann Shag Rock am Horizont auf – vier spitze Felsen, mit Guano bedeckt, die einige von uns stark an Toblerone erinnerten (es war zwischen den Mahlzeiten!). Unser Kapitän verlangsamte das Schiff, was das Rollen und Schaukeln verstärkte, damit wir Fotos machen konnten. Durch diese willkommene Unterbrechung verzögerte sich unser Nachmittagsprogramm, so dass einer der geplanten Vorträge auf einen anderen Tag verschoben werden musste. Marion hielt einen Vortrag über Pinguine, welche Arten wir auf unserer Reise zu sehen hoffen, wie man sie unterscheidet und wie hervorragend sie an das Leben im Wasser angepasst sind. Besonders spannend waren hier thermische Fotos zum Wärmeverlust in Pinguinen.

In der abendlichen Rückschau lernten wir, was für morgen auf dem Programm stand, und schauten ein kurzes, informatives Video von der südgeorgischen Regierung über richtiges Verhalten auf den Inseln in Bezug auf die Unwelt.

Tag 7: Salisbury Plain und Prion Island, Südgeorgien

Salisbury Plain und Prion Island, Südgeorgien
Datum: 25.01.2018
Position: 054°03’ S / 037°19’ W
Wind: Ruhig
Wetter: Teils wolkig
Lufttemperatur: +4

Nach einer recht sanften Nacht des Segelns konnten frühmorgendliche Besucher der Brücke und der Observation Lounge viele Pelzrobben und Vögel bewundern. Weit konnte man nicht schauen mit Nebel und niedrigen Wolken, so dass wir Südgeorgien erst sahen, als wir die Bay of Isles befuhren. Allerdings wussten wir, dass wir südgeorgisches Gebiet erreicht hatten, da sich das Wildleben rund ums Schiff dramatisch erhöhte! Ab und an tauchten Königspinguine um unser Schiff herum, und die Hunderte von Pelzrobben gaben uns einen Geschmack auf Südgeorgien...

Andrew weckte uns wie gewöhnlich um 7:00 Uhr, aber zu der Zeit waren die meisten Leute bereits auf, in froher Erwartung auf Südgeorgien. Der Speisesaal füllte sich rasch, und die Spannung auf Salisbury Plains und Prion Island stieg. Als die Zodiacs herabgelassen wurden, fuhren wir zu unserem ersten Abenteuer – die Landungssstelle war vom Expeditionsteam bereits gesichert worden, mit einer Strecke abgesteckt, die die Pelzrobbenharems vermied, in denen aggressive Männchen, energetische Weibchen und die niedlichen schwarzen Robbenbabies sich tummelten. Als Ali den Weg zur Königspinguinkolonie am hinteren Ende des Strandes leitete, gab es nur ab und zu eine Robbe, die einen Angriff bluffte und mit Klatschen und gegenseitigem Drohgebären in Schach gehalten werden konnte.
Diese Kolonie ist die zweitgrößte in Südgeorgien mit einer geschätzten Bevölkerung von 80.000 Tieren. Wir konnten die kleinen flauschigen, dick aussehenden Jungtiere im braunen Pelz bewundern, außerdem die sich mausernden Vögel, die nur noch Büschel des braunen Pelzes hatten, und auch die brütenden Tiere, die eine Ausbuchtung zu ihren Füßen aufwiesen, in denen sich das Ei befindet.

Wir bahnten uns einen Weg durch den Schlamm am Rande des Grases und wurden von den braunen Jungtieren neugierig in Augenschein genommen. Hofften sie auf Fressen von den bunten Besuchern? Von uns bekamen sie es jedenfalls nicht, aber sie posierten dennoch für unzählige Fotos für uns.

In der Nähe der Kolonie sahen wir einen weißen Südlichen Riesensturmvogel und normale Nord-und Südsturmvögel. Zusammen mit den Skuas räumen diese Vögel die Kolonien auf – sie fressen alles, was tot, sterbend, oder verrottend ist. Als wir durchs Gras marschierten, konnten wir den Südgeorgien-Pieper sehen – den südlichsten Singvogel der Welt! Diese Vögel gibt es hier dank des erfolges des Ratten-Ausrottungsprogramms... genau wie die südgeorgische Spießente, die endemische Ente, der es jetzt hervorragend geht auf den Inseln.

Während des Mittagessens fuhr uns der Kapitän durch die Bay of Isles zu Prion Island, wo wir den Nachmittag verbringen wollten. In mehreren Gruppen gingen wir auf eine Zodiac-Cruise und konnten danach Kaffee und Kuchen zurück an Bord genießen. An Land erwarteten uns Pelzrobben und Eselspinguine – eine geräuschvolle Kulisse mit dem gelegentlichen Kampf, der zwischen männlichen Robben ausbrach. Wir erklommen den Holzweg bis zur Aussichtsplattform ganz oben, wobei wir mehrere Robbenexemplare von unserem Weg vertreiben mussten. Oben konnten wir Albatrossnester und ihre flauschigen Bewohner bewundern. Viel zu schnell ging es zurück zum Schiff, wo es vor dem Abendessen einen kurzen Rückblick gab, was uns am nächsten Tag in Südgeorgien erwarten würde.

Tag 8: Shackleton-Spaziergang, Stromness und Grytviken, Südgeorgien

Shackleton-Spaziergang, Stromness und Grytviken, Südgeorgien
Datum: 26.01.2018
Position: 054°05’ S / 036°43’ W
Wind: SSW 4/5
Wetter: Teils wolkig
Lufttemperatur: +6

Die mutigen Leute, die sich trotz Andrews Warnungen dafür entschlossen hatten, den Shackleton-Trail zu gehen, wurden um 6:15 Uhr morgens geweckt. Nach einem schnellen Frühstück in der Lounge wurden sie per Zodiac in Fortuna Bay abgesetzt, um in die Fußstapfen von Shackleton und zwei seiner Männer, Tom Crean und Frank Worsley, zu treten – diese hatten nach ihrem unglaublichen Trip in der James Caird von Elephant Island nach Südgeorgien die Insel überquert. Der Rest unserer Gruppe konnte bis 7:15 Uhr ausschlafen, um anschließend in Stromness von Bord zu gehen.

Der Spaziergang brachte die Shackleton-Wanderer erst durch das Tussack-Gras über dem Strand, dann auf typisches Südgeorgien-Kieselgelände. Die dünnen Plattenfragmente haben sich in atemberaubende Muster geordnet über Jahrtausende von Gefrier-Tau-Zyklen, und die Sonne betonte die verschiedenen Farbschichten, viele von ihnen ein Rostrot durch die Eisenoxide, die freigelegt wurden. Wir schafften es schließlich über den Pass und wurden von einer umfangreichen Aussicht hinunter nach Stromness Bucht belohnt, wo wir unser Schiff ankommen sehen konnten. Der Weg bis zu Wasserfall hinunter war steil und steinig, aber im Verglecih zu Shackletons Gruppe, die diesen Weg mit Eisäxten machen musste, hatten wir es sehr einfach!

Für diejenigen von uns, die nicht mit auf diesen Spaziergang gekommen waren: Wir gingen in Stromness an Land. Das Wetter spielte wieder einmal mit, und die riesigen Öltanks an Land konnten schon aus der Distanz gut gesehen werden. Einmal gelandet, konnte man sich entscheiden, ob man Stromness (geschlossen wegen Asbestosgefahr) und den Strand erkunden oder sich zum Shackleton-Wasserfall begeben wollte, wo die erste Wandergruppe sich nach ihrer Überquerung des Bergsattels ebenfalls einfinden würde.

Das Tal zum Wasserfall war weit und flach, an mehreren Stellen von kleineren Strömen Wasser durchschnitten, und wir konnten Seeschwalben beim Nesten beobachten. Wir sahen auch den Südgeorgischen Pieper. Der Wasserfall selbst war eine schönes Ziel, flankiert von üppigen Teppichen von Moosen und Flechten.

Unten am Strand waren viele Leute zufrieden, sich hinzusetzen und die Pelzrobben zu beobachten, wie sie ihre Schwimmkenntnisse ausbauten. Schließlich waren alle Passagiere zum Strand zurückgekehrt, und wir fuhren zurück zum Schiff, um rechtzeitig in Grytviken anzukommen.

Als wir in die östliche Cumberland Bucht hineinsegelten, konnten wir den höchsten Gipfel, Mount Paget, in der Distanz sehen und die pyramidenförmige Gestalt vom Sugarloaf Mountain rechts davon. Als wir in Richtung des inneren Hafens fuhren, wurde der Wind stärker, und der Kapitän machte die Entscheidung, etwas weiter weg zu ankern. Vor uns konnten wir die Walfangstation von Grytviken sehen mit der Kirche im Hintergrund und die rostenden Walölsilos näher zur Küste hin. Die moderneren Gebäude des British Antarctic Surveys befanden sich näher zu unserer Position des Schiffes. Ali fuhr an Land, um die Regierungsbeamtin und ein paar Angestellte abzuholen, die eine Präsentation über die Umweltschutzstrategie und die Rattenausrottungsmaßnahmen gab, die seit ein paar Jahren lief. Die erste Phase dieses Projektes ist abgeschlossen, nun kommt die Überprüfung – wenn die Insel rattenfrei ist, wird es in den nächsten Jahren 100 Millionen Vögel mehr geben, die auf Südgeorgien brüten.

Als wir schließlich an Land gingen, wurden wir von Ali begrüßt, die uns zum Friedhof hinaufleitete, an prustenden und schnaufenden Seeelefanten vorbei. Am Friedhof bekamen wir einen Schluck Whiskey, um auf Sir Ernest Shackleton zu toasten, der hier an Bord der Quest in 1922 gestorben war. Seine Frau Emily beantragte, dass er bei den Walfängern und Robbenfängern begraben werde, die hier liegen. Andrea erzählte uns von seiner heldenhaften Reise und beendete ihre Ansprache mit den Worten von Sir Raymond Priestley, antarktischem Entdecker und Geologe:

„Für wissenschaftliche Entdeckungen, nimm Scott; für Schnelligkeit und Effizienz, nimm Amundsen, aber wenn eine Katastrophe passiert und alle Hoffnung geschwunden ist, sink auf die Knie und bete um Shackleton.“

Nach diesen Worten tranken oder schütteten wir den Whiskey auf Shackletons Grab – der Boss! Nach dieser Tradition suchten wir unseren Weg zurück durch die Seeelefanten und Pelzrobben zu unserer Führung mit Charlotte. Ein paar von uns erkundeten die Ruinen, inklusive die schöne Kirche, wo wir die Glocken läuteten, während andere die Pelzrobben fotografierten. Das Wetter erschuf eine sehr entspannte Atmosphäre – ein paar Leute saßen in der Sonne und hörten den Robben zu, während andere Postkarten schrieben und das Museum erkundeten. Am frühen Abend war es Zeit, aufs Schiff zurückzukehren.

Dort erwartete uns ein wunderbares Grillfest auf dem Hinterdeck, für uns alle und unsere Gäste aus Grytviken. Nach dem Grillen folgten Musik und Tanz. Was ein wunderbarer Tag hier in Südgeorgien!

Tag 9: Godthul und St Andrew’s Bay, Südgeorgien

Godthul und St Andrew’s Bay, Südgeorgien
Datum: 27.01.2018
Position: 054°17’ S / 036°17’ W
Wind: N 6
Wetter: Regen
Lufttemperatur: +8

Der Tag begann mit Spaziergängen und Zodiactouren in Godthul (auf Norwegisch heißt das „gute Bucht“). Drei Gruppen wurden gebildet: eine wanderte hinauf auf die Spitze von Godthul, eine wanderte einen etwas kürzeren Bogen, und eine ging auf eine Zodiactour um die Bucht herum. Die erste Gruppe erreichte die Spitze des Hügels und genoss die spektakuläre Aussicht. Die Mittelstreckenspaziergänger erreichten den Inland-See und genossen die Eselspinguin-Kolonien, die sich um die Hügel in Godthul ausbreiten. In einer der Kolonien wurde ein weißes Eselspinguinchen gesichtet! Die Zodiac-Cruiser wurden von einem Seeleoparden besucht, der in der Nähe der Boote seine Runden drehte.

Nach einem schönen Morgen wendete Plancius sich St Andrews Bay zu, während wir an Bord unser Mittagessen genossen. Als wir schließlich in St Andrews Bay ankamen, war klar, dass wegen des Windes keine Landung möglich sein würde, so dass der Kapitän stattdessen weiter gen Süden, zum Drygalski Fjord, fuhr. Im Drygalski Fjord segelte die Plancius bis zum Ende des Fjords, vorbei an steilen Klippen unnd Gletschern. Wir an Bord hatten eine frühe Nacht, da ein sehr früher Start am nächsten Tag geplant war – währenddessen fuhr die Plancius still in die Nacht hinein.

Tag 10: Gold Harbour und Cooper Bay, Südgeorgien

Gold Harbour und Cooper Bay, Südgeorgien
Datum: 28.01.2018
Position: 054°43’ S / 035°44’ W
Wind: N 6
Wetter: Teils wolkig
Lufttemperatur: +6

Nachdem wir noch den Wind von gestern in den Knochen spürten, wurden viele von uns in der Nacht erneut wach, um zu sehen, ob es denn mit unserer Landung am frühen Morgen in Gold Harbour klappen könnte. Das Schiff kreuzte einen Teil der Nacht außerhalb der Bucht, um dann um 04.00 Uhr am Morgen eine Landung zu versuchen.

Um 03.20 Uhr meldete sich sich Andrew mit seinem Weckruf und der Information, dass ein Boot mit dem Expeditionsteam gesendet würde, um die Bedingungen vor Ort zu prüfen. Wir waren guter Dinge! Es dämmerte gerade erst, als Ali das Expeditionsteam an Land brachte und der Doc an der Gangway grünes Licht bekam, um die anderen Zodiacs mit den Gästen zu beladen.

Als wir der Küste näher kamen, konnten wir schon die Pinguinkolonie riechen und den dramatischen Rückgang des Bertrab-Gletschers sehen, der über einer steilen Felskante in der Höhe hing. Die Sonne zeichnete nun einen pink-orangefarbenen Glanz am Horizont. Es sah nach einem sehr guten Tag aus. Als wir dann an Land waren, wurden wir von unzähligen Königspinguinen umringt und ebenso viele junge Seelefanten übten sich in spielerischem Kampf für spätere Zeiten. Es war ein überwältigender Anblick wilder Schönheit. Als es heller wurde, konnten wir die gesamte Pinguin-Kolonie entlang des Strandes erkennen. Ali steckte einen Pfad mit den roten Flaggen ab und umging viele der Pinguingruppen, um Störungen der Tiere möglichst zu vermeiden. Im weiteren Verlauf umrundeten wir dann auch ein Nest von Riesensturmvögeln, aus dem uns ein Jungtier ansah. Wir bewegten uns alle in der Geschwindigkeit der Pinguine und nahmen die Wunder dieses Morgens in uns auf. Als die Sonne dann aufging, tauchte sie die Gipfel des Salvesen Rückens in violettes Licht. Die Kolonie, mit Ihren gut 30.000 Brutpaaren, erschien immer größer. Auch die Plancius erstrahlte jetzt in goldenem Licht – ein Paradies für alle Fotografen.

Am Rand der Tussac Wiesen lagen sich häutende See-Elefanten und schlafende Pelzrobben, gepaart mit geschäftig umherlaufenden Eselspinguinen. Unser Weg führte uns letztlich zum größten Teil der Kolonie von Königspinguinen. Dort befanden sich viele tausend Vögel auf ihren Nestern und brüteten die Eier aus. Drumherum standen einige sich mausernde Jungpinguine, die mit den morgendlichen Besuchern am Strand nicht so richtig etwas anzufangen wussten.

Wir hatten viel Zeit und konnten Fotos machen oder auch nur einfach stehen bleiben und die Szenerie genießen, die uns Gold Harbour an diesem Morgen bot. Dennoch mussten wir viel zu früh schon zurück. Doch wartete auf der Plancius schon das Frühstück, für welches wir dann doch mehr als bereit waren.

Als wir zurück auf dem Schiff waren, segelten wir in Richtung Cooper Bay, wo wir hofften, eine Zodiac-Bootstour machen zu können und eine Kolonie von Macaroni Pinguinen (Goldschopfpinguine) aus der Nähe sehen zu können. Als wir uns dem Zielgebiet näherten, herrschten schon 30 Knoten Wind. Der Kapitän lenkte das Schiff weiter in die Bucht, um besseren Windschutz zu haben. Allerdings nahm der Wind weiterhin zu, als der Anker ins Wasser ging. Ali begab sich zu den Zodiacs, um zu sehen, wie die Bedingungen an der Gangway waren und ob ein sicherer Zustieg überhaupt möglich wäre. Das Gummiboot schwankte schon am Haken gefärlich und der Kapitän und Andrew entschieden, dass es zu gefährlich sei, für Passagiere und Crew gleichermaßen. Nachdem die Bootstour abgesagt war, wurde der Anker eingeholt und wir verließen die Bucht. Es gab aber noch einen weiteren Plan (den gibt es ja immer inn der Antarktis) und so fuhren wir in Richtung Drygalski Fjord zurück. Dort starteten wir dann in der Larsson Bucht tatsächlich unsere Bootstour. Auch hier war zunächst starker Wind. Aber als wir in den Fjord einfuhren, wurde es plötzlich windstill. Was für ein Wechsel...

Der Kapitän ließ den Anker zu Wasser, an der einzigen halbwegs flachen Stelle des Fjordes. Bevor zu viel Zeit verstrich, wurden auch schon die schwarzen Gummiboote zu Wasser gelassen. Bei der weiteren Zufahrt in die Bucht konnten einige der Boote einen kurzen Blick eines sich im Wasser befindlichen Macaroni Pinguins erhaschen. Kurz aber gut! Tiefer im Fjord waren wir dann von steilen Felswänden umgeben. Das Wasser spiegelte die Szenerie wunderbar wider. Für einige Zeit verstummten dann die Motoren der Boote und wir konnten die absolute Stille genießen. Auf unserem Rückweg erspähte Ali dann noch einige Weddell Robben, die am felsigen Strand des Fjordes schliefen. An Land auf Gestein sind die Tiere gut getarnt und nur schwer erkennbar, jedoch konnten wir die jeweils sehr individuelle Zeichnung und die Narben von Angriffen gut erkennen. Es handelt sich hierbei um die einzige Kolonie außerhalb der Antarktis, mit gut 25 Jungtieren in jedem Jahr. Denn normalerweise sind Weddell Robben auf Eis angewiesen, wo sie dann im Oktober auch die Jungtiere zur Welt bringen. Nachdem die erste Gruppe schließlich zum Schiff zurückfuhr, wurde mit der zweiten Gruppe entsprechend getauscht: so konnten alle die Stille der Larsson Bucht erleben. Wieder zurück auf dem Schiff war es fast schon Zeit für das Mittagessen. Dabei fühlte es sich durch den enorm frühen Start schon fast wie Abend an. Viele legten sich nach dem Essen ein wenig hin, bevor wir dann die spannende Geschichte von Howard Platt hörten, der in den 1970er Jahren drei Winter in Süd-Georgien verbrachte. Er betrat den Vortragsraum in seiner alten Ausrüstung, die ihm damals von der britischen Forschungseinrichtung zur Verfügung gestellt wurde. Ein überaus humorvoller Vortrag über Abenteuer im Schnee, alten Pyramiden-Zelten und wie damals in der Station die Wintersonnenwende gefeiert wurde. Eine inzwischen nun über 40 Jahre zurückliegende Lebensgeschichte!

Während des üblichen Tagesrückblickes informierte uns Andrew über die Pläne für den kommenden Tag und Ali berichtete noch kurz über ihren Winter in Süd-Georgien, als sie 1997 in King Edward Point überwinterte. Es gab einige Parallellen zwischen ihr und Howard, wenngleich die Bedingungen gut 20 Jahre später doch recht unterschiedlich waren. Bob gab dann noch einen über die Wahl der weiblichen Pinguine und ihrer Männer zum Besten. Dann gab es Abendessen und die meisten von uns gingen früh zu Bett, um die Zeitumstellung für eine Extrastunde Schlaf zu nutzten.

Tag 11: Auf Hoher See Richtung Südorkneyinseln

Auf Hoher See Richtung Südorkneyinseln
Datum: 29.01.2018
Position: 057°57’ S / 040°07’ W
Wind: ESE 6
Wetter: Verhangen
Lufttemperatur: +4

Wir hatten einen gemütlichen Start in den Tag, da die Uhren um eine Stunde seit Südgeorgien zurück gestellt wurden. Und wie mit jeder Ankunft in der Antarktis gab es auch dieses Mal wieder die Pflicht, unsere Klamotten und Rucksäcke von allem zu reinigen, was nicht in die Antarktis gelangen sollte. Dies geschah schon am Vormittag und mit wenig Aufwand, da wir das Prozedere ja nun schon kannten.

Es war auch ein besonders guter Tag für Wal-Sichtungen. Nachdem sich südliche Bottlenose Wale nur kurz zeigten, hatten wir aber einige schöne Begegnungen mit Finnwalen, die dicht an der Oberfläche blieben und dort auf Nahrungssuche waren. Kapitän Alexey verlangsamte das Schiff auf ein Minimum und als die Wale ihre Nahrung zu sich genommen hatten, kamen sie sehr nah an die Plancius heran. Dies ermöglichte es uns, das flache Profil der Tiere wahrzunehmen und die scharf gebogene Rückenfinne zu erkennen. Sogar die asymmetrische Färbung der Unterkiefer war gut zu sehen, welche für Finnwale so charakteristisch ist. In dieser kurzen Zeit wurden 10 bis 14 Tiere gesichtet, wobei sich nicht alle gleichzeitig an der Oberfläche aufhielten. Später wurde dann noch eine weitere Gruppe gesichtet, jedoch in weiterer Entfernung v om Schiff.

Auch der Nachmittag verlief geschäftig. Andrew hielt einen detaillierten und sehr interessanten Vortrag über die geologische Geschichte Süd-Georgiens und den Ursprüngen in Gondwana, bis hin zu den heutigen Besonderheiten der unterschiedlichen Gesteinsformationen des Drygalski-Fjordes und der umgebenden gefalteten Sedimentgesteine.

Weniger tiefgreifend, dafür aber nicht weniger amüsant, war die Happy Hour in der Bar. Und da wir diese gerne in Anspruch nahmen und die Stimmung besonders gut war, gab es dann auch noch eine Auktion, deren Erlöse dem Süd-Georgien Kulturverein zu Gute kommen sollten. Das Hauptprojekt der Rattenvernichtung in Süd-Georgien ist zwar derzeit abgeschlossen. Es wird jedoch weiterhin ein enormer Aufwand betrieben, die Ergebnisse zu verifizieren. Alles in allem kamen dann auch stattliche 1100€ für die Unterstützung zusammen. Vielen Dank an alle, die teilgenommen und fleißig mitgeboten haben!

Tag 12: Orcadas Station, Südorkneyinseln

Orcadas Station, Südorkneyinseln
Datum: 30.01.2018
Position: 060°44’ S / 044°43’ W
Wind: N 6
Wetter: Schneeschauer
Lufttemperatur: +2

Noch vor dem Weckruf um 07.00 Uhr waren die Ersten draußen, um zu sehen, wie die Süd-Orkney Inseln aussehen könnten. Düstere Berge, mit Schnee bedeckt, deren Gipfel in den Wolken verschwinden. Ebenso waren viele gestrandete Eisberge zu sehen. Während des Frühstücks kam die Orcadas Station in Sicht: orangefarbene Gebäude in der Entfernung. Leider nahm zu dieser Zeit der Wind bereits wieder zu und der Anker der Plancius konnte das Schiff nur schwerlich halten. Keine guten Bedingungen für eine Bootstour den Strand entlang, wo schon Hunderte von männlichen Pelzrobben auf uns warteten. Wir wurden dann an der Station herzlich willkommen geheißen und teilten uns wieder in zwei Gruppen auf; die erste Gruppe konnte die Station besuchen, während die Zweite den ersten Teil des Spielfilms über Shackeltons Endurance Expedition ansah.

Nach einer von starken Wellen geprägten Überfahrt, betraten wir dann die Insel. Dort begrüßten uns die Stationsmitglieder. Die Bullen der Pelzrobben beobachteten uns und waren sich unserer Gegenwart zwar gewahr, störten sich aber in keinster Weise an uns. Ganz anders als unsere Begegnungen mit den noch jungen Tieren in Süd-Georgien! Die Mitglieder der Station berichteten uns, dass die Robben erst vor wenigen Tagen angekommen waren und dass sie in aller Regel gut einen Monat bleiben, um sich auszuruhen. Zwischen all den Robben konnten wir auch einige Zügelpinguine und junge Adélie Pinguine sehen.

Die Crew zeigte uns die gesamte Station und auch das liebevoll eingerichtete kleine Museum der ältesten, dauerhaft besetzten Station der Antarktis. Die gegenüberliegende
Seite der Bucht war aufgrund des Nordwindes voller Eis. Ein toller Anblick! Die Station wurde 1904 erbaut und ist seither permanent besetzt. In den Sommermonaten werden Studien zur Klimatologie, Geologie und Biologie der Meeresbewohner durchgeführt. Nachdem uns alles gezeigt wurde, wurden wir zu Kaffee und Kuchen in die Sozialräume der Station eingeladen. Es gab sogar die Möglichkeit, einen stationseigenen Stempel in den Reisepass stempeln zu lassen. Ebenso konnten Postkarten und kleinere Andenken gekauft werden. Also wir dann Lebewohl zu unseren freundlichen Gastgebern sagen mussten, verbesserte sich das Wetter merklich und wir genossen die Ausblicke auf einige Eisberge auf unserem Weg weiter Richtung Süden.

Am Nachmittag dann hielt Andrea Ihren Vortrag über den Antarktis Vertrag, welche Inhalte hierzu gehören und welche geopolitischen Auswirkungen das Vertragswerk hat. Daniel gab uns derweil einige hilfreiche Tips zum Thema Naturfotografie.

Das Programm schloss den Tag gewohnheitsgemäß mit dem Tagesrückblick von Andrew und seinem Team. Bob erzählte uns dann noch einiges Informatives über den Lebenszyklus von Eisalgen, und Ali gab uns einen kurzen Vortrag über das Verhalten der männlichen Pelzrobben, die wir heute gesehen hatten.

Tag 13: Unterwegs zur antarktischen Halbinsel

Unterwegs zur antarktischen Halbinsel
Datum: 31.01.2018
Position: 061°56’ S / 051°23’ W
Wind: SSE 6
Wetter: Nebel
Lufttemperatur: 0

Der Tag startete wie gehabt mit Andrews Gutenmorgen-Weckruf vor dem Frühstück. Wir hatten einen ruhigen Tag auf See, mit zwei Vorträgen und starken Winden draußen. Am Morgen gab Marion einen Vortrag über Plankton und seine Rolle im Meeresökosystem. Nach dem Mittagessen sahen wir den zweiten Teil des Shackleton-Filmes.

Am Nachmittag begegneten der Plancius die ersten schwimmenden Tafeleisberge und Eisschollen! Auf diesen Schollen ruhten sich mehrere Robben und Pinguine aus. Wir sahen auch mehrere Finnwale und die ersten Buckelwale.

Bob gab einen Vortrag am Ende des Nachmittags über das Tierleben in den Weltozeanen. Als der Abend begann, war die Plancius bereits nahe an der Antarktischen Halbinsel. Mit einem spektakulären Sonnenuntergang lächelte die Antarktis der Plancius und ihren Passagieren zu.

Tag 14: Antarktische Meerenge und Brown Bluff, Antarktis

Antarktische Meerenge und Brown Bluff, Antarktis
Datum: 01.02.2018
Position: 063°36’ S / 056°28’ W
Wind: SW 7
Wetter: Schnee
Lufttemperatur: +1

Viele von uns waren früh aufgestanden und hatten uns auf Deck begeben (um 3 Uhr morgens!), in der Hoffnung auf einen fantastischen antarktischen Sonnenaufgang, aber wir wurden nur von Wind, Nebel und wenig Sichtweite begrüßt. Ein Kontrast zum Abend zuvor! Ein paar von uns gingen daraufhin zurück zu Bett, während andere in der Lounge blieben und die Atmosphäre des frühen Morgens genossen, bis Andrew uns offiziell weckte.

Das tat er um 7 Uhr, und zu dem Zeitpunkt waren die Bedingungen schon etwas besser, obwohl der starke Wind immer noch durch die antarktische Meerenge wehte. Der Kapitän versuchte durch die Fridtjoff-Meerenge zwischen den Andersson- und Johannsen Inseln zu segeln, aber am Ende der Meerenge warteten Seeeis und Eisberge auf ihn, durch die es keinen Weg gab. Wir segelten zurück nach Norden, um um die Inseln herumzufahren und zu sehen, was wir auf der anderen Seite lag. Unterwegs sahen wir die Ausstöße von Orcas, die allerdings recht schnell schwammen und schwer ausmachbar waren in der windgepeitschten See und den Wellen.

Wir kamen an tollen Eisbergen vorbei – auf vielen von ihnen konnten wir Adelie-Pinguine sehen. Wir alle genossen den Anblick: sie schlitterten und glitten auf ihren Bäuchen, um dem großen blauen Schiff zu entkommen, das vorbeisegelte. Wir sahen auch einige Robben, die auf dem Eis lagen. Die meisten von ihnen waren Weddellrobben, aber wir erspähten auch einen Seeleoparden, der sich träge auf dem Eis ausgestreckt hatte.

Nach einem unerfolgreichen Versuch, die Plancius neben einem großen Eisberg zu parken – der Wind war zu stark, um das Schiff in Position zu halten - segelten wir gen Norden, um unser Nachmittagsziel, Brown Bluff, zu erreichen. Zum Glück hatten die Winde nachgelassen, und als wir unsere Ankerposition erreichten, bot der antarktische Kontinent genug Schutz, um uns eine Landung zu ermöglichen. Das Einsteigen an der Gangway war ein bißchen bewegt und feucht-fröhlich, aber als wir uns der Landungsstelle näherten, konnten wir schon das Landungsteam sehen, das zusammen mit einer Anzahl von Eselspinguinen und Adeliepinguinen auf uns wartete.

Das beeindruckende braune Steilufer, das diesem Ort seinen Namen gibt, ist der Nachlass eines Untwerwasservulkans. Eine Anzahl von großen, windgemeißelten Felsen stellte die Szene dramatisch heraus. Als wir uns an Land begaben, betraten wir offiziell den siebten, eisigen Kontinent! Die Adelie-Pinguine hießen uns angebracht willkommen. Wir konnten einen Spaziergang entlang des Wassers machen in Richtung der Kolonie, aber es war ein langsames Vorankommen mit vielen Stops, um zu stehen und zu sitzen und die Pinguine zu beobachten, die beschäftigt ihren Weg machten. Sie hatten offensichtlich ihren bevorzugten Schwimmstrand und waren sehr entschlossen, wo genau sie versuchen würden, ins Wasser zu kommen! Sie versammelten sich in großen Gruppen am Rande des Wassers, und nach vielen Rufen gab es einen Wettlauf und man stürzte sich endlich ins Wasser...

In der Brütkolonie am Ende des Strandes, welche wir riechen konnten, bevor wir sie sahen, konnten wir stehen und die Pinguine beobachten, während sie ihre hungrigen Jungen fütterten. Viele der Jungen lagen hauptsächlich in der Sonne, darauf wartend, dass ihre Eltern mit dem Futter zurückkamen. Diejenigen, deren Eltern bereits zurückgekommen waren, boten uns einen faszinierenden Anblick, als sie ihre Eltern durch die Kolonie und hinunter zum Strand jagten, heißhungrig nach Essen, bevor die Eltern wieder verschwinden würden.

Die von uns, die ein bisschen mehr Wanderlust in den Füßen hatten, kehrten zum Anlegeplatz zurück und wanderten daran vorbei, um die Kurve am Strand entlang, bevor es einen rutschigen Steilhang hinaufging, um den Anfang des Gletschers und andere interessante geologische Features zu sehen. Es war recht windig oben auf dem Gletscher, insbesondere verglichen mit dem sonnigen, friedlichen Strand zu unseren Füßen, aber das trug nur zum authentischen antarktischen Gefühl bei. Die Aussicht war spektakulär, mit riesigen Eisbergen, die die Plancius fast wie einen Zwerg aussehen ließ.

Zurück am Strand hatten sich zwei Weddell-Robben auf den Schnee gehievt und waren es zufrieden, friedlich dort zu liegen und fotografiert zu werden. Bei der Anlegestelle hatten wir noch genügend Zeit, durch die Landschaft zu spazieren und einen guten Felsen zu finden, um zu sitzen und die Pinguinparade zu beobachten, die an uns vorüberzog. Was für ein wunderbarer Nachmittag!

Zurück an Bord gab es den allabendlichen Rückblick, bei dem Bob uns genau erklärte, warum die Pinguinjungen ihre Eltern jagen. Andrew erklärte uns die physikalischen Grundlagen von Pinguinstuhlgang....wissenschaftlich, wissenschaftlich! (Oder?)

Nach dem Abendessen segelten wir in den Nebel, und die Antarktis war einmal mehr unter einem Wetterschleier verschwunden. Wir hatten Glück gehabt, heute so viel gesehen zu haben!

Tag 15: Mikkelsen Hafen und Portal Point, Antarktis

Mikkelsen Hafen und Portal Point, Antarktis
Datum: 02.02.2018
Position: 063°54’ S / 060°46’ W
Wind: NE 5/6
Wetter: Schnee
Lufttemperatur: +1

Wir erwachten zu einer sehr schnee-befallenen Plancius: die Decks waren rutschig wie ein Eisring! Ein graue See umgab uns, unter dunkelgrauen Wolken und Schneeflocken, die um uns herumsegelten und ohne eine Spur ins Wasser versanken. Unsere Zodiacs sahen ähnlich aus und waren nett anzuschauen. Sobald die Motoren angedreht waren, schmolz der Schnee, und wir fuhren zu unserer ersten Landung. D’Hainaut Insel, in der Mitte des Mikkelsen Hafens am südlichen Ende der Trinity Island. Das Expeditionsteam war auf den Felsen gelandet in der Nähe eines alten argentinischen Schuppens, und sowohl das Landungsteam als auch die Zodiacfahrer halfen uns, sicher an Land zu kommen. Eselspinguine erwarteten uns, versuchten aber auch gleichzeitig, etwas Schutz vor den Elementen zu finden – den Jungtieren gelang das unter ihren Eltern, waren aber schon zu groß, waren aber schon zu groß. Die Tiere, deren Eltern noch nicht aus der See zurückgekommen waren, drückten sich aneinander. Sogar erwachsene Tiere zitterten – es war wirklich ein wahrhaftig antarktischer Morgen!

Diese Insel ist klein, und wir konnten zwei Routen durch die Insel betreten, die unser Team mit Fahnen markiert hatten. Wir umgingen vorsichtig kleinere Eselspinguinkolonien und die herumliegenden Pelzrobben. Am entfernteren Ende unseres steinigen Landungsplatzes lag ein Wasserboot-Wrack. Wasserboote transportieren aus Schnee gewonnenes Wasser hinaus zu Walfangstationen. Seine gebleichten Holzrippen ragten zwischen Walknochen hervor – ein malerischer und symbolträchtiger Anblick!

Trotz des Regens und Schnees, oder vielleicht gerade deswegen, erschien uns die Umgebung als dramatisch. Im Laufe des Morgens verbesserte sich die Sicht – der Schnee stoppte, und die Berge der antarktischen Halbinsel wurden sichtbar. Wir hatten es uns erhofft.

Von hier aus waren es etwa vier Stunden Fahrt zu unserem nächsten Ziel: Portal Point, eine weitere Festlandsdestination in der Charlottenbucht. Auf dem Weg dorthin hatten wir das Glück, Buckelwale bein Fressen zu beobachten, die teilweise sehr nah an unser Schiff herankamen. Mitarbeiter auf den Decks versprachen uns mehr Wale, und im Laufe des Tages sollten sie Recht behalten.

Portal Point ist eine kleine Landungsstelle, in eine dramatische Umgebung aus Klippen und Schneefeldern gesetzt. Vor der Küste lagen malerische Eisberge in den verschiedensten Formen und unterschiedlichsten etappen von Verfall und Tauen. Das Expeditionsteam hatte eine Zodiacrundfahrt mit der Hälfte der Passagiere geplant, während die andere Hälfte zuerst an Land ging, bevor getauscht wurde. Die Rundfahrer fuhren hinaus in die Bucht und konnten die majestätischen Bögen und Höhlen sehen (aber mit genügend Sicherheitsabstand!). Krabbenfresserrobben sonnten sich auf Treibeis, aber es sollte noch besser kommen: der Kapitän hatte fressende Buckelwale gesichtet. Wir konnten diese faszinierenden Tiere aus unmittelbarer Nähe betrachten, und drifteten mit ausgestelltem Motor zwischen ihnen herum.

Zurück in Portal Point hatten wir einen Spaziergang um den Gipfel genossen, mit wunderbarem Ausblick auf Charlottenbucht, der mit abnehmenden Wolken sogar noch besser wurde. Es war toll, einfach nur zu stehen und die Landschaft in sich aufzunehmen. Am Ende dieser Landung hatten sich etwa ein Dutzend mutiger Passagiere dafür entschieden, den Polar Plunge zu wagen – ein beherztes Waten ins Wasser hinein und wieder heraus! Niemand sprang in letzter Minute ab – die Schwimmer wurden vom Ufer aus angefeuert, taten ein paar kräftige Schwimmzüge und zitterten sich dann ihren Weg in die von Plancius bereitgestellten Handtücher. Gut gemacht an alle antarktischen Eisbadenden! Zurueck an Bord wartete Bobbi mit heißer Schokolade mit einem Schuss Rum auf uns.

Zurück an Bord machten wir unseren Weg weiter nach Süden. Der Rest des Abend wurde mit einer Kreuzfahrt durch Wilhelmina Bucht verbracht. Schnee gab es schon seit geraumer Zeit nicht mehr, und die Sicht war exzellent. In diesen ruhigen Konditionen hatten wir erstklassiges Walsicht-Glück und erspähten alle paar Minuten einen Wal. Es war schwierig, genau zu sagen, wie viele unterschiedliche Tiere wir gefunden hatten – jedenfalls genug, um alle zufriedenzustellen und einem aufregenden Tag ein gutes Ende zu geben. Um 21 Uhr fanden wir uns durch ein großes Feld von schneebedeckten Eisbrocken segelnd, was eine magische Erfahrung war und sogar noch besser gemacht wurde, als wir zwei Buckelwale beim Schlafen an der Wasseroberfläche beobachten konnten. Was ein großartiges Ende für einen tollen Tag!

Tag 16: Cuverville Island, Paradise Harbour, Antarktis

Cuverville Island, Paradise Harbour, Antarktis
Datum: 03.02.2018
Position: 064°40’ S / 062°37’ W
Wind: Var 1
Wetter: Bewölkt
Lufttemperatur: +1

Nach dem beschaulichen Abendessen einiger Buckelwale am Vorabend standen einige von uns früh auf, gegen 05.30 Uhr, in der Hoffnung, nochmals Wale sehen zu können. Wir befanden uns zu dieser Zeit auf dem Weg in die Gerlach-Straße. Als dann der morgendliche Weckruf ertönte, wurden auch Buckelwale gesichtet. Diese erzeugten ein Netz aus Luftblasen, in dem sich der Krill als Schwarm zusammenfindet und den Buckelwalen somit eine einfache Nahrungsaufnahme erlaubt. Die Wale tauchten still und leise auf, um dann eine Art Show zu beginnen und Ihr Schwimmen zu synchronisieren und dabei oft ihre Fluke zeigten. Es war etwas wolkig und windig an diesem Tag, aber ab und zu blickten die Berge in der Ferne durch die Wolken. Nicht ganz der blaue Himmel, den wir uns erhofft hatten, aber dennoch sehr antarktisch. Als wir während der Frühstückszeit dann Cuverville Island erreichten, ließ der Wind nach und wir bereiteten uns darauf vor, die größte Kolonie von Eselspinguinen der antarktischen Halbinsel zu besuchen. Hier brüten gut 4000 Paare.

Der Ritt auf den Zodiacs führte uns bis zur Küste durch einen bizarren Garten großer Eisberge, mit enormen Gletscherfronten im Hintergrund. Eine beeindruckende Szenerie. Am Strand wurden wir vom Expeditionsteam, Pinguinen und einigen Pelzrobben in Empfang genommen. Das Team hatte uns bereits einen Weg zur Kolonie vorbereitet und so konnten wir uns dann im Anschluss frei bewegen. In der Kolonie konnten wir ganz unterschiedliche Verhaltensweisen und die verschieden großen Jungtiere beobachten. Einige Paare waren immer noch emsig damit befasst, ihr Nest weiter aufzubauen und dafür kleinere Steine zu sammeln. Möglicherweise handelte es sich um junge Paare, die noch keine Bruterfahrung hatten und daher im Jahr zu spät begonnen hatten. Es gab einige kleinere, die noch unter den Eltern warm gehalten wurden und einige größere, die aber immer noch im Daunenkleid eingepackt waren. Alle warteten aber gleichermaßen auf Futter. Viele der Jungtiere waren ziemlich mit Schmutz bedeckt, während nur einige der Altvögel, die gerade aus dem Wasser kamen, in frischem Weiß erstrahlten. Zwischendrin befanden sich dann auch viele alte Pinguine, die gerade mit ihrer jährlichen Mauser begonnen hatten. Alles war voller Federn! Die Mauser ist ein wichtiger Prozess für die Pinguine, die immer nach der Brut stattfindet. Dabei wird auf einen Schlag das gesamte Federkleid erneuert, was dazu führt, dass die Pinguine gut zwei bis drei Wochen an das Land gebunden sind. Die Federn müssen wachsen und danach neu mit Fett imprägniert werden, damit das Federkleid wieder wasserabstoßend ist. Von Zeit zu Zeit kreisen einige Skuas über der Kolonie, was die Pinguine in regelrechte Panik versetzt und die Jungtiere in alle Richtungen auseinander treibt.

Ali sah in einiger Entfernung zwei See-Leoparden im Wasser, welche vor den Pinguinkolonien auf und ab patroullierten, immer in der Hoffnung, einen der Pinguine als Nahrung fangen zu können. Doch hatten sie an diesem Morgen keinen Erfolg. Es gab auch die Möglichkeit, ein kleines Stück entlang einer Bergflanke aufzusteigen und von dort oben eine phantastische Sicht über die Bucht zu genießen. Das Wetter klarte zusehends auf. Dort oben gab es einige Nester der Skuas zu sehen und flauschige Küken suchten hinter den Steinen Schutz, bis die Eltern mit Futter zurückkehrten. Wir staunten auch nicht schlecht über die Klettertauglichkeit der Eselspinguine. Welch weite Wege diese Tiere doch auf sich nehmen! Doch warteten die Jungtiere in den hoch gelegenen Kolonien ebenfalls auf Futter.

Als wir auf dem Schiff zurück waren, genossen wir die beeindruckende Durchfahrt des Errera Kanals. Wir kamen extrem dicht an großen Eisbergen vorbei, als wir uns unserem Ziel für den Nachmittag näherten: Paradise Harbour. Auf dem Weg dorthin passierten wir die chilenische Station Gonzales Videla, wo zu dieser Zeit ein Schiff des Militärs vor Anker lag und offensichtlich einen Besuch machte oder die Station mit neuen Lebensmitteln für den Sommer versorgte.

Nach kurzer Zeit befanden wir uns dann in sehr ruhigem Gewässer. Bevor wir zu lange warteten, gingen wir bei der Station Almirante Brown an Land. Wie gestern schon wurde die Gruppe zweigeteilt. Die erste Gruppe ging in der Nähe der Station an Land. Die zweite Gruppe begab sich in der Skontorp Bucht auf Zodiac-Bootstour. Die kleine Almirante Station besteht aus nur wenigen kleinen Gebäuden und einen Wegweiser, der die Entfernungen und Richtungen verschiedener Orte auf der Welt anzeigte. Auch der Nordpol gehörte dazu.

Hinter der Station hatte das Expeditionsteam bereits einen sicheren Pfad einen Hügel hinauf angelegt. Gut 50m hoch war der Aufstieg auf den kleinen Berg. Der Schnee war zwar schon relativ weich, aber der Aufstieg lohnte sich sehr. Die Aussicht war spektakulär und man sah die gesamte Bucht, in der die Plancius vor Anker lag und viele Eisberge in spiegelglattem Wasser. Einige von uns hatten auch Ihren Spaß dabei, den Abstieg nicht abzusteigen, sondern sich in den Schnee zu setzen und auf dem Hosenboden abzufahren.

Während der Bootstour in Skontorp Cove war es absolut windstill. Die dramatisch wirkende Landschaft spiegelte sich in der Bucht wider. Am Ende der Bucht befindet sich der sogenannte Lawinengletscher – wir alle hatten einen wunderbaren Ausblick auf das extrem blaue Eis des Gletschers. In der Bucht trieben Eisberge aller Größen und Formen. Auf den flachen Eisschollen konnten wir dann viele Krabbenfresser-Robben beobachten und einige von uns hatten sogar das Glück, noch einen Seeleopard zu sichten. In den Klippen ganz in der Nähe der Station konnten wir eine Kolonie von nistenden Antarktis-Kormoranen beobachten. Es war ein runder Nachmittag, sowohl an Land als auch auf dem Wasser.

Während des abendlichen Tagesrückblicks gab Andrew noch zwei weitere Landungen am kommenden Tag bekannt. Am Morgen sollten wir in Deception Island und am Nachmittag auf Halfmoon Island an Land gehen. So stießen wir am Abend mit echtem Gletschereis aus der Bucht von Paradise Harbour auf den gelungenen Tag an, und trotz eines weiteren Tages in der Antarktis packte uns ein bisschen Wehmut, diese wundervolle Gegend schon bald wieder verlassen zu müssen.

Tag 17: Whaler’s Bay und Halfmoon Island, Antarktis

Whaler’s Bay und Halfmoon Island, Antarktis
Datum: 04.02.2018
Position: 062°59’ S / 060°33’ W
Wind: Ruhig
Wetter: Verhangen
Lufttemperatur: +4

Die Nacht hindurch fuhr das Schiff die Strasse von Gerlach hinauf Richtung Norden, querte die Strasse von Bransfield und fuhr weiter in Richtung der Süd-Shetland Inseln. Hier sollten wir unseren letzten Tag in der Antarktis verbringen. So der Plan! Um 05.45 Uhr weckte uns Andrew und die Plancius war bereits fertig, durch die Engstelle, genannt Neptuns Blasebalg, nach Deception Island einzufahren. Auf den Klippen an der Engstelle konnten wir Kapsturmvögel beobachten. Der gesamte Bereich von Deception Island ist heute noch ein aktiver Vulkan und der Blasebalg von Neptun stellt den Bereich des Kraterrandes dar, der kurz nach dem letzten Ausbruch kollabierte und ins Meer zusammenbrach. So bildete sich der große Caldera See von Port Foster innerhalb des ehemaligen Vulkankraters.

Kurz nach der Einfahrt drehte das Schiff dann in die Whaler’s Bay ein, wo unsere geplante Anlandung stattfinden sollte. Aus der Ferne konnten wir bereits die alten Gebäude der Walfangstation erkennen. Riesige rostende Tanks, in denen der Waltran gelagert wurde standen an der Küste. Nachdem die Wale bis fast zur Ausrottung bejagt wurden, wurde die Station dann zu einer Forschungsstation umgwidmet, wobei alle Stationen innerhalb des Kraters nach einem Ausbruch in den 1970er Jahren verlassen werden mussten. Neben den alten Tanks und sonstigen Gebäuden, steht heute noch ein Flugzeughangar, von dem aus der erste tatsächliche Flug in die Antarktis stattfand. Die englische Antarktis Forschungsgesellschaft nutzte die Einrichtung dann später für regelmäßige Flüge in die Antarktis. An Land gab es die Möglichkeit, einen ausgedehnten Spaziergang in Richtung des Fensters von Neptun zu machen, einem tollen Aussichtspunkt oberhalb der Bucht. Es wird erzählt, dass von dieser Stelle aus Nathaniel B. Palmer, ein amerikanischer Forscher, die Antarktis erstmalig gesehen hatte. Es war ein einfacher Spaziergang am Strand entlang, vorbei an einigen der alten Holzbooten der Walfänger. Entlang des Strandes lagen dann einige junge Pelzrobben-Bullen, die sich in spielerischem Kampf auf ihre Zukunft als Haremsbesitzer vorbereiteten.

Von Neptuns Fenster aus hatten wir dann eine tolle Sicht in die ausserhalb liegende Bucht. Jedoch war die Sicht bis zur Antarktis leider nicht gegeben an diesem Tag. Wieder zurück an der alten Station begaben wir uns noch auf Erkundungstour zu den alten Häusern und dem nahegelegenen Friedhof, auf dem viele norwegische Walfänger beerdigt liegen. Die Szenerie zeigte sich etwas abstrakt und tauchte die Landschaft mit den tief hängenden Wolken in eine fast schwarz-weiß farbige Kulisse. Und in genau dem Moment, da wir langsam wieder zur Plancius übersetzen wollten, kam starker Wind auf und das Wasser wurde merklich unruhiger als noch 10 Minuten zuvor. So mussten die Zodiacs gesichert werden, bevor sie in die offene Bucht abtrieben. Es wurde zu einem nassen Ritt für alle, die mit den letzten Booten vom Strand ablegten.

Nach dieser frühen Landung legte die Plancius dann gegen 10.00 Uhr ab und und wir begaben uns zurück in die Straße von Bransfield in Richtung unserer letzten Landung, bevor es dann nach Ushuaia zurück gehen sollte. Es dauerte gut 4 Stunden, bis wir dort ankommen sollten, und der Wind nahm merklich zu. Als dann der Anker in der Bucht zu Wasser ging, herrschte rauher Wind und eiskalter Regen ging nieder. Das Expeditionsteam und die Fahrer der Crew hatten nochmals alle Hände voll zu tun, uns an Land zu bringen. Bei unserer letzten Landung der Reise bei der Zügelpinguin-Kolonie schien es, als zeige die Antarktis nochmals ihr wahres Gesicht. Wie Ali sagte, sei es egal, wie auch immer das Wetter sei, die Pinguine werden dennoch da sein! Vom Strand aus begaben wir uns dann zu einer der kleineren Kolonien von Zügelpinguinen, die von imposanten Felsformationen umgeben lag. Die hier aufgewachsenen Jungtiere waren voller Matsch und Vogelmist und nur die alten Tiere,welche gerade aus dem Meer kamen, schienen bereit, fotografisch festgehalten zu werden.

Als wir weiter gingen, kamen wir an eine Kreuzung eines Pinguin-Highways. Dort hatten ganz klar die Pinguine Vorrang. Wir standen also geduldig, bis alle Tiere an uns vorbeigezogen waren. Die aufsteigenden Pinguine waren sehr sauber, da sie gerade den Fluten erst entstiegen waren. Die anderen, die hinunter liefen, waren sehr von Schmutz bedeckt.

Dann ging es durch ein kleines Tal weiter, bis an das andere Ende der Insel. Dort befand sich der Hauptteil der Kolonie der Insel, und einige Pinguine standen am Strand, sahen sich um, bevor sie sich dann an den Aufstieg zur Kolonie und den Jungtieren begaben. Hier, am Ende der Insel, bekamen wir die Pinguine aus kurzer Distanz zu sehen und konnten diese gut beobachten. Ebenso nahmen wir den intensiven Geruch wahr. Das Wetter wollte sich dann auch weiterhin nicht merklich bessern, was uns aber nicht daran hinderte, die Pinguine zu beobachten. Auch die Erfahrung zu machen, das Wetter am ganzen Leib zu spüren, zeigte uns, wie gut angepasst die Pinguine an die dortigen Verhältnisse sind. Vom Winter ganz abgesehen.

Mit dem Verlassen der Bucht am frühen Abend hieß es dann auch von der Antarktis Abschied zu nehmen. Der Kapitän lenkte das Schiff durch die englische Straße fort von den südlichen Shetland-Inseln, wo wir noch einmal die rauhe und strömungsreiche See zwischen den Inselgruppen zu spüren bekamen. Von hier aus ging es dann unmittelbar in die Drake Passage. Die Passage ist für das stürmische Wetter bekannt und so wurde an diesem Abend auch die Plancius von einigen mehrere Meter hohen Wellen getroffen. Ob dies ein Vorgeschmack auf das sein sollte, was noch kommen konnte? Mit allen guten Wünschen für eine ruhige Nacht und Überfahrt begab sich die Plancius Richtung Norden in die aufkommende Nacht.

Tag 18: Auf hoher See in der Drake Passage

Auf hoher See in der Drake Passage
Datum: 05.02.2018
Position: 060°08’S / 061°53’W
Wind: W 5
Wetter: Teils wolkig
Lufttemperatur: +4

Zumindest heute ist die berühmt-berüchtigte Drake Passage freundlich zu uns gewesen! Wir erwachten zu einer sanft glitzernden See (zumindest verglichen mit Drake-Standard) und blauem Himmel. Dieser Tag wurde für uns zum Erholtag, mitten im Ozean und noch weit von Ushuaia entfernt.

Ali gab einen lebhaften und provozierenden Vortrag mit dem titel Ïce Maidens“, d.h. Eisige Damen, in dem sie die Rolle der Frau in der antarktischen Geschichte beleuchtete: warum sie erst so spät in der Antarktis ankamen und welche Barrieren ihnen in den Weg gelegt wordem waren. Nach dem Vortrag zogen sich viele Passagiere warme Kleidung an und gingen an Deck, um frische Luft und Sonnenschein zu tanken. Nicht allzu viele Tiere um das Schiff herum gab es – ein paar Schwarzbrauenalbatrosse.

Nachmittags gab Andrea einen Vortrag über die menschliche Geschichte der Antarktis, inklusive der Hauptzeitabschnitte, die Triumphe und Tragödien, mit dem Hinweis, dass es manchmal nicht einfach ist, hierzwischen zu unterscheiden.
Howard fuhr mit dem Tagesthema fort und stellte uns den Alltag und die Unterschiede zwischen Südgeorgien vor 45 Jahren und heute vor: die Veränderungen in der Technologie, den Gebäuden, den Regeln und vielen anderen Aspekten. Er zeigte uns faszinierende Videos aus der alten Zeit, unter anderem von huskies, die damals essentiell wichtig für den Transport waren und heute mit Motorschlitten ersetzt worden sind.
Der Tag schloss mit einem angebrachten Vorläufer zum Tagesrückblick:der Happy Hour in der Bar!

Tag 19: Unterwegs in der Drake Passage

Unterwegs in der Drake Passage
Datum: 06.02.2018
Position: 056°07’S / 065°32’W
Wind: N 6
Wetter: Verhangen
Lufttemperatur: +8

Die vorhergesagten Winde hatten nachts nicht zugeschlagen wie befürchtet, weil unser Kapitän es geschafft hatte, einen Weg zu finden zwischen zwei Wettersystemen. Für uns bedeutete dies relativ ruhiges Segeln. Entgegen den geheimen Hoffnungen wohl so mancher Passagiere gab es also keine dramatische Durchquerung der Drake Passage – diejenigen unter uns, die mit der Seekrankheit zu kämpfen hatten, waren wohl froh drum.

Es gab wieder keinen Weckruf am Morgen, so dass wir uns erst zur Frühstückszeit einfinden mussten – und wieder waren wir überrascht, dass es nach drei Wochen auf See immer noch frisches Obst gab!

Der erste Vortrag des Tages kam von Bob, der uns in seiner gewohnt enthusiastischen Manier erklärte, warum Pinguine nicht fliegen können. Diese Vögel waren das Highlight unserer Reise, vom Felsenpinguin hoch oben in den Klippen von Saunders Island bis zur ersten unvergessbaren Sichtung des Königspinguin in Salisbury Plain. Die Adelie-Pinguine in Brown Bluff unterhielten uns alle und hinterließen uns Erinnerungen und Gerüche, die uns eine lange Zeit begleiten werden.

Nach dem Mittagessen gab es Zeit, um entweder ein Nickerchen zu halten oder anzufangen zu packen – einfacher, für die Rückreise zu packen, weil alles in den Koffer muss. Das Parfüm vom antarktischen Pinguin wird auch eingepackt, auf dass es uns lange an unsere Pinguintage erinnern möge!

Wir schauten darauffolgend einen Film („Around Cape Horn“), gefilmt von Captain Irving Jonstone in den 1920er Jahren. Er handelt davon, wie der Captain das Kap Horn zum ersten Mal umrundet – es war faszinierend und unterhaltsam zu gleichen Teilen!

Um 15:30 Uhr wurden wir zum Stiefelraum bestellt, wo wir unsere Gummistiefel zurückgaben. Diese robusten „Muck Boots““ hatten unsere Füße warm und trocken gehalten, und wir waren dankbar, dass wir sie gehabt hatten – vor allem in Antarctica, wo es Penguinkot auf allen erdenklichen Oberflächen gibt!

Um 17 Uhr wurden wir in die Lounge eingeladen für die traiditonellen Captain’s Cocktails, wo wir uns ein letztes Mal mit Kapitän Alexey und seiner Besatzung trafen, um auf eine gelungene, unvergessliche Reise anzustoßen. Er hat uns hervorragend navigiert auf unserer Fahrt, uns nahe an Eisberge, Wale und Seeeis herangebracht. Ruedi vom Polar News hat einen kurzen Film über unsere Reise gemacht. Das Expeditionsteam hat Fotos für eine Diashow gesammelt, die Dan für uns zusammengestellt hat. Es war toll, auf die vergangenen 20 Tage zurückzublicken an Bord der Plancius, und uns zu erinnern, was für wunderbare Dinge wir erlebt und gesehen haben. Vielen Dank an alle!

Tag 20: Ausschiffung in Ushuaia, Argentinien

Ausschiffung in Ushuaia, Argentinien
Datum: 07.02.2018

Wir wurden zum letzten Mal von unserem Expeditionsleiter Andrew geweckt und machten uns bereit zur Ausschiffung. Dieses Mal mussten wir unsere Karten nicht umdrehen, und es gab auch keine Zodiacfahrt – dieses ist eine trockene Landung! Die letzten drei Wochen haben uns auf eine bemerkenswerte Reise genommen, von den Falklandinseln über Südgeorgien und in die Antarktis. Wir konnten einen Eindruck vom Leben in diesen weit abgelegenen und unwirtlichen Gegenden erhaschen. Wir alle werden unterschiedliche Erinnerungen haben an diese Reise – aber egal, ob wir uns an die Königspinguine im Sonnenschein in Salisbury Plains erinnern oder an die vorbeitreibenden Eisberge im Antarctic Sound – diese Erinnerungen werden uns bis zum Ende unseres Lebens begleiten.

Gesamtstrecke unserer Reise:
Nautische Meilen: 3,526 nm
Kilometer: 6,530 km

Im Namen der gesamten Besatzung der Plancius bedanken wir uns, dass Ihr mit uns gereist seid und wünschen euch eine angenehme und sichere Heimreise.

Details

Tripcode: PLA27-18
Daten: 19 Jan – 7 Feb, 2018
Dauer: 19 Nächte
Schiff: MS Plancius
Einschiffung: Ushuaia
Ausschiffung: Ushuaia

Aboard MS Plancius

Das eisverstärkte Schiff Plancius ist ein ideales Schiff für polare Expeditionsfahrten in die Arktis und Antarktis.

More about the MS Plancius >>