Reise in den hohen Norden

by Verena Hartmann Customer story

Auf einem Schiff rund um ein paar steinerne Inseln, flächenmässig etwa so gross wie die Schweiz, irgendwo in der Arktis mit 2700 Einwohnern und 3000 Eisbären, willst du dieses Jahr deine Sommerferien verbringen?
Antarctic Peninsula

Regionen: Arktis

Reiseziele: Spitzbergen

Reise in den hohen Norden

Auf einem Schiff rund um ein paar steinerne Inseln, flächenmässig etwa so gross wie die Schweiz, irgendwo in der Arktis mit 2700 Einwohnern und 3000 Eisbären, willst du dieses Jahr deine Sommerferien verbringen? Ich müsse unbedingt mitkommen? Die Temperaturen sind zwischen 5 und 6 Grad Celsius im Juli. Die unbewohnten Inseln darf man nur in Begleitung von bewaffneten Führern betreten. Svalbard nennen die Norweger die Inselgruppe, das bedeutet kühle Küste. Sie liegt im Bereich der Mitternachtssonne, so lese ich es im Reiseführer.
 
 
Ich erinnere mich an Bücher, die über den Wettlauf zum Nordpol berichten. Wer war der Erste, Frederick Cook, Robert Peary oder Amundsen zusammen mit Nobile und Ellsworth im Luftschiff? Auf einer dieser Spitzbergen-Inseln seien sie gestartet. Wie wird es sein, die Ferien auf einem Schiff zusammen mit hundert anderen Touristen und der 50-köpfigen Mannschaft zu verbringen, dem bewaffneten Führer hinterherzugehen und die Dinge zu bewundern, auf die er zeigt? 

Nun denn:
Die Landgänge sind aus Naturschutzgründen und der Eisbären wegen streng reglementiert. Bitte nicht auf Blümlein treten, keine lauten Gespräche, die Walrosse könnten gestört werden! Einzig die Vögel, besonders die Küstenseeschwalben machen einen Höllenkrach, versuchen uns darauf aufmerksam zu machen, dass das ihr Revier ist. Im Sturzflug attackieren sie den höchsten Kopf oder scheissen auf uns. Auch das Gekreische der 60'000 Dickschnabellummen, die auf Felsen brüten, erfüllt die Luft. Die Walrosskolonie am Strand von Kapp Lee hingegen präsentiert sich ebenso faul wie das Walrosspaar auf Phippsøya.

Bei unserem ersten Ausflug an Land sieht es aus wie in den Bergen in der Schweiz auf etwa 2000 Metern – Bergblumen, vermooste Steine, ein kleiner See mit Wasservögeln, der Himmel blau, ein Fuchs, der gemütlich davon hoppelt. Wie schön müsste es sein, an der Gruppe, die gerade ihre Objektive auf die Bergblumen richtet, vorbeizuziehen. Einige knien oder liegen gar, um die Blümchen festzuhalten. Doch hinter jedem Stein könnte ein Eisbär es sich bequem gemacht haben, so wird es uns gesagt. 

So ganz an die Eisbärengeschichten zu glauben fällt uns schwer – bis wir am Morgen des nächsten Tages vom Schiff aus einen Eisbären der Küste entlangwandern sehen und etwas später, in den Zodiac-Schlauchbooten sitzend, uns langsam einem inmitten on Blumen sich ausruhenden Eisbären nähern. Nur das monotone Geräusch der zehn Zodiacmotoren ist zu hören. Hundert Augenpaare betrachten den Bären, niemand redet, bis der Bär endlich einmal kurz den Kopf in die Höhe streckt und die dick ingepackte Schar regungslos auf den Zodiacs sitzender Menschen betrachtet – und gähnt. Da hört man ein leises Ah! Der Bär legt den Kopf auf die Pfoten und schliesst die Augen. Er muss uns schon von weitem gesehen und uns als Non-Food taxiert haben. Gerne hielten wir uns auf den folgenden Wanderungen hinter dem Leiter.

In Longyearbyen, Hauptort und eine der drei ganzjährig bewohnten Siedlungen, fallen besonders die vor jedem Haus parkierten Schneescooter auf, ca. viertausend sollen es sein für die gut 2000 Einwohner. Rostige Masten an den Berghängen, Stolleneingänge, 2 eine alte Transportbahn erzählen von früherer Bergbautätigkeit. Sämtliche Überbleibsel menschlicher Hinterlassenschaften vor 1946 sind auf den Inseln geschützt. Davon liegt einiges herum. Am Ende der Siedlung warnt ein Schild vor Eisbären. Ab hier darf man nur bewaffnet unterwegs sein. 
 
 
In Ny-Ålesund hören wir, dass vor ca. vierzehn Tagen ein Eisbär gemütlich durchs Dorf spazierte. Ny-Ålesund, früher wurde hier Kohle abgebaut, ist heute eine Forschungsstation. Von hier aus starteten Amundsen, Nobile und Ellsworth mit dem Luftschiff Norge Richtung Nordpol. Der Mast an dem die Norge befestigt wurde, steht noch. 

In Barentsburg einer ukrainisch-russischen Siedlung dominiert heute noch der Bergbau. 500 Menschen leben hier das ganze Jahr über. 60 Kinder besuchen die Schule. Die Unterrichtssprachen sind Ukrainisch und Russisch. Iwan, der junge Fremdenführer, erzählt mit viel Begeisterung von seiner Wahlheimat. 

Wolkenlos der Himmel zu Beginn der Schiffsreise. Die langsam vorbeiziehenden Gletscher und Bergspitzen glitzern in Weiss-, Blau- und Grüntönen. Die Abendsonne geht unmerklich über in die Sonne der Nacht.

Weiter im Norden landen wir mit den Zodiacs auf Phippsøya, eine der Sieben Inseln (Sjuøyane). Hier ist der nördlichste Norden Norwegens – und fast das Ende der Welt. Es bläst ein kalter Wind. Viel Holz aus Sibirien, durchmischt mit Plastikmüll, liegt am Strand. Eine verfallene Trapperhütte und zwei Walrosse auf der anderen Seite der Insel unterbrechen die Steinlandschaft. Nur selten wächst eine Blume in dieser Steinwüste. Nicht mehr weit ist es von Sjuøyane bis zur Eisgrenze. Wie ein gerade gezogenes Ufer zeichnet sich diese später ab. Kurz darauf sind wir mittendrin. Zuerst begleitet uns die Dünung des offenen Wassers. Doch bald erstarrt das Meer.

Eisschollen in vielen Formen, dazwischen dünnes, klares, blau schimmerndes Eis. Die Motoren werden gedrosselt. Der Himmel wolkenverhangen, Eis bis zum Horizont. Weiter nach Norden wird das Treibeis sich zu Packeis türmen, wissen wir, und fast neunhundert Kilometer weiter nördlich werden die Längengrade sich zu dem Punkt vereinen, an dem die Nacht zu Beginn des Frühlings zum Tag wird und der Tag zum Herbstbeginn in der Nacht versinkt. Wie wäre es am 21. März auf dem Nordpol zu stehen? Weiter gegen Westen, so um den 86. Breitengrad, befindet sich jetzt der magnetische Nordpol. Wird die Kompassnadel dort einen Freudentanz aufführen? 

Lange stehe ich an der Reling und betrachte die Eisformationen, lasse mich einhüllen in die Melancholie dieser eisigen Schönheit, lasse mich forttragen in die stille Weite des Eismeeres, die sich ausdehnt bis ins Unermessliche. Ich wünsche mir, zu Hause diese
Bilder des Einklangs mit dem Unendlichen wieder hervorzaubern zu können. Später lockt ein herantrottender Eisbär alle Passagiere an Deck. Bär und Mensch beäugen einander bald aus nächster Nähe. Ein umgekehrter Zoo, wir in der Schiffsschale, der Bär draussen in der Freiheit. Nach ca. einer Stunde hat der Bär genug. Langsam verschwindet er in der Eiswüste. In der Nacht bleibt der Motor ausgeschaltet. Über fünf Meilen driften wir mit dem Treibeis während dieser Zeit.
 
 
Nansen wollte sich mit der Fram zum Nordpol treiben lassen. Als dies missglückte, versuchte er, zusammen mit Fredrik Hjalmar Johansen, den Nordpol zu Fuss zu erreichen. Bald mussten sie das Vorhaben aufgeben und auf Franz-Josefs-Land überwintern. Über ein Jahr verbrachten sie in der eisigen Gegend. In seinem Buch In Nacht und Eis schilderte Nansen seine Erlebnisse. Fast unmöglich ist es, im Salon des geheizten Schiffes sitzend, sich die Strapazen, die die Männer auf sich nahmen, 3 vorzustellen. Für unsere Ausflüge an Land mit den Zodiacs ziehen wir unsere Hightechkleider an. Fast dekadent scheint mir die tägliche warme Dusche. Die exzellenten Mahlzeiten, sorgfältig angerichtet und liebevoll serviert, lassen das Wort Expedition surrealistisch erscheinen. Eher schon spürt man etwas vom Expeditionscharakter bei den Entscheiden, die die Guides und der Kapitän fällen müssen. Ist die Sicht an Land gut genug, um Eisbären, die sich dort aufhalten könnten, zu entdecken, ist die See ruhig genug für die Überfahrt mit den Zodiacs? Ob es nun Plan A, B, C oder gar D ist, der durchgeführt wird, immer vermögen die Guides uns die Arktis näher zu bringen. Ihre Passion für das Polargebiet färbt auf uns Mitreisende ab. Bald fühlen auch wir uns ein klein wenig als Expeditionsreisende. 

Allzu schnell sind wir zurück am Kai in Longyearbyen und müssen nach gefühlvollem Abschied von der Crew in den Alltag zurückfinden.

Rund um Spitzbergen Ortelius - 06. Juli – 17. Juli 2016 

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