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Logbuch

Einschiffung in Longyearbyen, Isfjord
  • Datum: 08.06.2017
  • Position: 78°14.2’ N / 015°35.6’ O
  • Wind: W
  • Wetter: sonnig
  • Lufttemperatur: +8°C

Endlich war es soweit! Bei unserer Ankunft am Pier von Longyearbyen standen wir buchstäblich am Ende der Welt. Von hier ging es nur per Boot weiter. Wir wurden von unserem Expeditionsteam willkommen geheiβen und mit Schwimmwesten ausgestattet. Unser erstes Abenteuer war die Überfahrt zur Plancius, die im Hafen vor Anker lag. Bei strahlendem Sonnenschein ging es im Zodiac über die spiegelglatte See. Nachdem wir per Gangway an Bord geklettert waren, konnten wir unsere Kabinen beziehen und das Schiff erkunden, das für die nächsten acht Tage unser Zuhause sein sollte.

Wir wurden von unserem Expeditonsleiter Michael begrüβt und dann ging es gleich zur Sicherheitsbelehrung mit anschlieβender Rettungsübung. Dabei steht man mit leuchtend orangefarbenen Schwimmwesten an Deck, was sehr spaβig aussieht. Wie ernst es ist, wird einem nur bewusst, wenn man einen Blick in die Rettungsboote geworfen hat. Wie Sardinen in der Dose würde man sich sicherlich fühlen, Seekrankheit inbegriffen. Das dann doch lieber nicht. Dann lieber zur Reling und zuschauen, wie die Leinen los gemacht wurden und der Abstand zur Pier immer gröβer wurde. Endlich ging es los. Raus in den Isfjord (zu Deutsch: Eisfjord).

Während Longyearbyen hinter uns zurück blieb, gab uns unser Hotelmanager Sebastian eine Einführung in das Schiff: Wo es Kaffee gibt, wo man rauchen darf und was auf keinen Fall in die Toilette darf. Anschließend wurde es festlich: Kapitän Alexey kam zum Captain’s Cocktail; wir stießen mit Sekt an und lernten das Expeditionsteam und unsere Schiffsärztin kennen. Beim Abendessen machten wir Bekanntschaft mit unseren Mitreisenden, bevor wir später totmüde in die Betten fielen.

Hornsund: Brepollen, Samarinvågen, Gåshamna
  • Datum: 09.06.2017
  • Position: 77°00.9’ N / 016°25.4’ O
  • Wind: NE 3
  • Wetter: bevölkt
  • Lufttemperatur: +4°C

Nach einer ersten, sehr ruhigen Nacht an Bord – die See war praktisch glatt – wurden wir VOR dem angekündigten Weckruf von Michael aus den Betten getrommelt. Das hatte auch seinen guten Grund, denn schon vor einer Stunde hatte die Brücke auf dem Eis vor dem gewaltigen Gletscher im Brepollen einen Eisbären entdeckt. Unser Erster!!! Per Durchsage bekamen wir Zeit, um uns den Schlaf aus den Augen zu reiben und warm anzuziehen. Wer wollte, schnappte sich eine Tasse Kaffee und dann ging es raus. Mensch, der kleine Punkt da in der Ferne?! Aha, erst nachdem die Mehrheit an Deck war, setzte Kapitän Nazarov das Schiff wieder in Bewegung und wir “schlichen” uns an. Der Wind stand günstig, alle waren mucksmäuschenstill. Auch mit blossem Auge wurde langsam erkennbar, dass der Bär neben einer erlegten Ringelrobbe gelegen hatte und nun wieder anfing zu fressen. Elfenbeinmöwen und Eismöwen wollten seine Mahlzeit teilen.

Nach einer Weile lieβen wir den Bären in Ruhe und wandten uns mit eigenem Magenknurren dem Frühstücksbuffet zu. Plan A stimmte ja schon nicht mehr und Plan B sah nun die Verhaltensregeln in der Arktis und Sicherheitsinstruktionen für die Zodiacs und im Land der Eisbären vor. Das musste nicht von den aus der vorherigen Reise an Bord Gebliebenen gefolgt werden. Deswegen war es auch so auffällig, als diese Passagiere mitten in Michaels Erklärungen vor dem Fenster vorbeistürzten: drei weitere Eisbären! Diesmal eine Mutter mit zwei kleinen Jungen. Die Bärin war mit einem Senderhalsband ausgestattet; die Jungen spielten ein bisschen, bevor sie sich wieder einrollten. Toll!

Uns wieder in die Lounge zu kriegen, war wohl wie Flöhehüten, aber die Instruktionen mussten zu unser aller Sicherheit sein. Dennoch: wenn die Brücke im Samarinvågen Belugas in einer Öffnung, einer Polynia, im festen Eis vor dem Gletscher meldet, dann wissen wir, worauf wir uns lieber konzentrieren. Immer wieder kamen die Köpfe dieser weiβen Wale umhoch, aber sie waren sehr schwer zu zählen, selbst als sie dann im offenen Wasser die Küste entlang schwammen. Etwa ein Dutzend. Der Farbunterschied zwischen den weiβen Alttieren und den grauen Jungtieren war gut zu sehen. Wie schon im Brepollen lagen auch hier viele Ringelrobben auf dem Eis, aus dieser Entfernung kleine, schwarze Würste.

Irgendwie kriegten wir die Einführungen und auch das Mittag-essen ohne weitere “Störungen” hinter uns. Das Nach-mittagsprogramm, inzwischen Plan C – oder doch schon D? – sah nun eine Land-ung per Zodiac im Gåshamna, der Gän-sebucht, vor. Wir konnten alles Neuerlerne gleich einmal ausprobieren und aus lauter Respekt vor den Eisbären blieben wir auch schön bei unseren jeweiligen Gruppen in Gegenwart der bewaffneten Guides. Die Wahl wurde getroffen zwischen kurzer, mittlerer und langer Wanderung. Aber egal in welche Richtung sich die Gruppen wandten: Gåshamna strotzt vor Geschichte und Archäologie. Vier Jahrhunderte von menschlicher Aktivität repräsentiert durch Walfang, Walrossjagd, Pelzjagd... selbst die Wissenschaft und der Bergbau waren vertreten. Mal ganz davon abgesehen, dass die Dreizehenmöwen bereits ihre kleine Brutkolonie bezogen hatten und neben vielen anderen Vögeln Schmarotzerraubmöwen unsere Landung interessiert beäugten.

Zur Genüge ausgepowert brachten uns unsere Zodiacfahrer zurück an Bord, wo nach kurzer Zeit schon ein Recap, eine Zusammenfassung unseres erlebnisreichen Tags gegeben wurde. Das Abendessen hatten wir uns verdient. Was wird wohl morgen auf uns warten?

PS: Wieso eigentlich erst morgen?! Die meisten von uns befanden sich gerade auf dem Weg in die Kojen, als Michael gegen 23h ansagte, dass vor dem Bug Wale gesichtet worden waren. Blauwale! Finwale! Buckelwale! Zwergwale! Rund 30 dieser Bartenwale waren dicht an der Oberfläche am Fressen; ab und zu konnte man die riesigen Barten bestaunen, mit denen sie Plankton aus dem Wasser sieben. Weiβschnauzendelfine spielten zwischen-zeitlich in unserer Bugwelle. Ein Naturschauspiel erster Kajüte.

Prins Karls Forland: Poolepynten
  • Datum: 10.06.2017
  • Position: 78°22.7’ N / 012°06.3’ O
  • Wind: still
  • Wetter: Nebel
  • Lufttemperatur: +7°C

Für viele von uns war es eine kurze Nacht, während der wir die Mitternachtssonne ganz bewusst erlebten, denn erst gegen 1h verlieβen wir die Wale. Was keineswegs bedeutete, dass wir später geweckt wurden. Das Schiff hatte inzwischen Poolepynten erreicht und nach dem Frühstück fand zur Vorbereitung für unsere Landung hier eine Einführung über Walrosse und unser entsprechendes Verhalten in ihrer Nähe statt. Zuerst würden die deutschsprachigen Passagiere ausbooten und sich an Land in zwei Gruppen teilen. Nach deren Rückkunft an Bord würden die englischsprachigen unter uns an der Reihe sein.

Das Ausbooten verlief geschmeidig und die ersten Zodiacs an Land wurden zu der Gruppe zusammen-gefasst, die sich sofort Richtung Walrossherde begab. Die Guides schätzen unseren Abstand und das Verhalten der Tiere ein und deuteten uns wortlos, eine Reihe zu bilden und uns den ruhenden Tieren auch ebenso ruhig zu nähern. Es waren alles Männchen, was bedeutete, dass wir auf nur(!) 30 m herankommendurften, wenn die Tiere es zulieβen. Und das taten sie. Alle lagen plump und wahr-scheinlich vollgefressen da; keiner störte sich an uns paar Peoples am Strand. Uns kamen so viele Fragen in den Kopf, aber wir sollten ja leise bleiben. Die Guides würden sie später noch beantworten.

Zwischenzeitlich hatten Frigga und Lynn sich der anderen Hälfte der jeweiligen Landgänger an-genommen und nahmen mit uns das Strandgut unter die Lupe. Im Vordergrund der vielen Funde und Erklärungen, die ja komplett anhängig waren von dem, was dort gerade angespült oder angeweht worden war, lagen die vielen ver-schiedenen Stämme von Treibholz: ein Wald über der Baumgrenze. Auch Zoologisches war von groβem Interesse: ein Unterkiefer von einem Walross, ein Walwirbel, die Eierkapseln der Wellhornschnecke... Wir hatten kaum einen Blick für die enorme Vielfalt bekommen, da hieβ es auch schon fliegender Wechsel mit der Walrossgruppe.

Nach dem Mittagessen wurde ein neuer Plan verkündet; es war eben eine Expeditions-kreuzfahrt in der Arktis, in der Michael immer wieder neue Umstände ausnutzen musste. So entschied er nun, die Landung am Nachmittag ausfallen zu lassen und das Schiff stattdessen gen Norden zu schicken. Somit gönnte er uns und auch seinem Team eine willkommene Verschnaufpause am Nachmittag. Im Programm standen dennoch zwei Vorlesungen: nach den Sichtungen von gestern erzählte Katja uns erst etwas über Eisbären und danach informierte Hans uns über die Bartenwale. Wie bestellt wurden auch die Vorlesungen durch das Erscheinen eines Finwals nahe am Schiff unterbrochen. Vielleicht war es Zeit, um das Eisbären-Spezial in ein Wal-Spezial umzutaufen.

Den krönenden Abschluss des Tages machte ein Pottwal. Hans hatte während seiner Vorlesung den Witz gemacht, das ein treibender Pottwal auch mal für ein Stück Treibholz verwechselt werden könnte, von dem Frigga so enthusiastisch erzählt hatte. Und wie um dies zu demonstrieren, trieb so ein famoser Zahnwal erst vor unserem Bug, wurde dann aber aktiv und schwamm eine Weile neben dem Schiff. Dadurch konnten wir ihn direkt aus den Restaurantfenstern bewundern. Zur Freude der Küche verabschiedete er sich dann aber und das Essen konnte serviert werden.

Raudfjord und Eiskante
  • Datum: 11.06.2017
  • Position: 79°51.8’ N / 011°56.4’ E
  • Wind: W 6
  • Wetter: Nebelfelder
  • Lufttemperatur: +2°C

Über Nacht waren wir an der Nordwestküste Spitzbergens nach Norden gefahren. Am Morgen empfing uns dichter Nebel im Eingangsbereich des Raudfjords. Nebel ist eine typische Wettererscheinung in der Arktis. Er entsteht, wenn die feuchten und relativ warmen Luftmassen des Meeres auf die kalten Luftmassen des Landes treffen. Weiter im Fjord wurde es sonning, aber das Eis versperrte uns den weiteren Weg und so genossen wir den Anblick der Landschaft mit schneebedeckten Bergen und Gletschern, bevor wir uns auf den Weg nach Norden zur Packeiskante machten.

Bald knirschten die Eisschollen unter dem Bug des Schiffes und Dreizehenmöven pickten im Wasser kreischend nach Polardorschen. Wir mussten nicht lange suchen, bevor wir einen Eisbären auf dem Eis entdeckten. Dem starken Nacken zu folge, handelte es sich höchst-wahrscheinlich um ein Männchen. Zunächst lief er auf uns zu, doch dann überlegte er es sich anders. Er spielte mit uns Verstecken hinter einem Stück Eis und legte sich schlieβlich auf einer Eisscholle zur Ruhe. Wenn der Bär nicht zum Schiff kommt, dann muss das Schiff eben zum Bären kommen. Langsam und vorsichtig schob sich die Plancius durch das Eis, aber etwas muss den Bären erschreckt haben, denn plötzlich stand er auf und lief von dannen und wir sahen nur noch den dicken Bärenpopo.

Danach kehrte der Nebel zurück und während auf der Brücke weiter eifrig nach Bären gesucht wurde, hielt Sebastian einen Vortrag über das Leben von Roald Amundsen, dem berühm-ten Polarreisenden, der nicht nur als Erster die Nordwest-passage durchsegelte und den Südpol erreichte, sondern auch im Luftschiff über den Nordpol flog.

Immer weiter ging es an der Meereiskante nach Nordwesten, der 80. Breitengrad war längst überschritten. Im Wasser sahen wir Sattelrobben, die uns aus groβen runden Augen anschauten. Neben den Dreizehen-möven und Eissturmvögeln wurde auch der seltene Wellenläufer gesichtet. Für helle Aufregung sorgte nach dem Abendessen das kurze Auftauchen eines Grönlandwals. Dieser Wal unterscheidet sich von den anderen Walarten der Arktis darin, dass er keine Rückenflosse besitzt, da er vorwiegend im Treibeis lebt.

Smeerenburg und Magdalenefjord
  • Datum: 12.06.2017
  • Position: vor Anker in Smeerenburgfjord
  • Wind: W 2
  • Wetter: Nebel
  • Lufttemperatur: +3°C

Das Wetter spielte auch heute wieder in der Beziehung mit, dass es immer noch ruhig war, auch wenn eine niedrige Wolkendecke unseren Blick auf die Sonne verwehrte. Wir lagen bereits vor Amsterdamøya (øya = Insel) im Nordwesten der Inselgruppe. Hier würden wir nach dem Frühstück und einer kurzen Einführung in die Sehenswürdigkeiten an Land gehen. Der erste Aufruf zur Gangway galt den Hobbyornithologen, die mit Hans das Vogelleben der kargen Umgebung erkunden würden. Der zweite Aufruf galt uns allen, obwohl wir an Land noch einmal in Englisch- und Deutschsprachige unterteilt wurden.

An Land erwartete uns Smeerenburg: die Überreste einer niederländischen Walfangstation aus dem frühen 17. Jahrhundert. Während “die Engländer” diese als erstes besuchten, unternamen wir mit Katja und Karen eine Umrundung der Lagune. Da dieses Gebiet noch von Schnee bedeckt war, bekamen wir ein durchaus alpinies Feeling. Zurück am Strand machte uns Frigga dann auf die Ruinen von Tranöfen und Hausruinen aufmerksam und verbildlichte das Leben der frühen Walfänger für uns. Das verdeutlichte dann auch den groβen Wert der Sichtung eines Grönlandwals am Vortag in unmittelbarer Nähe: nach intensivster Bejagung schei-nen die Tiere ihr ehemaliges Revier zurückzuerobern. Das-selbe gilt für die Walrosse und wie auf Abruf lieβen sich vier dieser im Wasser so behenden Kolosse sehen. Die Neugier zog sie sogar ganz nah an unsere Zodiacs am Strand und an uns. Sie hielten uns ganz genau im Auge, gaben sich aber äussert vespielt. Übrigens mussten wir nicht im Hans’ Gruppe sein, um auch auf unsere Vogelkosten zu kommen. Wenn man erst einmal mit der Landschaft verschmilzt, kommen die Natur und das Leben von selber.

Zum Mittagessen lichtete Plancius die Anker und fuhr gemächlich Richtung Süden. Dabei warteten wir auf die Vorbeifahrt der National Geographic Explorer, bevor wir selber die Fahrt durch das enge Sørgattet antraten. Unser Ziel Magdalenefjord war schon am frühen Nach-mittag erreicht und Michael kündigte unsere erste Zodiackreuzfahrt zum Gletscher an. Wir würden zwei Stunden in der Kälte sein und viele von uns hatten noch nie so viele Lagen übereinander an. Das zahlte sich aus und letztendlich war es nicht so kalt wie erwartet. Der Gletscher, dem wir uns auf sichere 350 m näherten, war imposant, aber auch das Tierleben im Fjord war beeindrucken. Wir sahen zwei der am nördlichsten lebenden Seehunde, die uns genauso spannend fanden. Neben Eiderenten beherbergte der Fjord heute etliche Prachteiderenden. Genug Kreuzfahrten vergehen, ohne diesen farbenfrohen Vogel gesichtet zu haben. Wir konnten Duzende bestaunen.

Unser Abendessen bestand heute aus einem Bar-beque draussen auf Deck 3. Klar war es kalt, aber es war auch etwas Besonderes: Gegrilltes mit ver-schneiten Bergen und Gletschern als Hintergrund. Ob die Musik nun passend war oder nicht – Lambada?! – bei der guten Laune drang der Takt im Blut und wer nicht tanzte, wiegte zumindest mit. Gewollt oder nicht.

Meereiskante im Norden
  • Datum: 13.06.2017
  • Position: 79°50.7’ N / 012°49.1’ E
  • Wind: ruhig
  • Wetter: Nebelfelder
  • Lufttemperatur: +5°C

Kein Windhauch regte sich am Morgen. Die See war so glatt, dass die schneebedeckten Berge sich darin spiegelten. Wir befanden uns östlich des Raudfjords an der Kante des Meereises auf der Suche nach Eisbären. Als erstes fanden wir jedoch Walrosse auf dem Eis. Ganz leise pirschte sich die Plancius an drei verschiedene Walrosse heran. Eines hob ab und zu den Kopf, um zu sehen, welches Ungetüm denn da langsam näher kam. Aber es ist den Manövrierkünsten von Kapitän Alexey zu verdanken, dass es sich nicht weiter gestört fühlte und einfach auf seiner Scholle sitzen blieb.

Später wandten wir das gleiche Prinzip auf eine Bartrobbe an, die auf einer anderen Scholle schlief. Zwei kleine Krabbentaucher hatten sich in einer Höhlung im Eis zur Untermiete eingenistet. Sie schwammen davon als wir näher kamen, aber die Robbe döste friedlich weiter. Bartrobben sehen mit ihrem dichten Schnauzer wie dicke alte erstaunte Männer aus.

Als wir unsere Fahrt durch Eis fortsetzten, trafen wir auf Gruppen von Sattelrobben, die durchs Wasser flitzten. Schwärme von Dickschnabellummen zogen an uns vorbei, einige Papageitaucher wurden gesichtet. Im Eis trafen wir auch auf ein Segelschiff, die Rembrandt van Rein, die ebenfalls von Oceanwide Expeditions betrieben wird. Genau wie wir suchten sie nach dem weiβen Meister Petz, genau wie wir hatten sie damit bisher keinen Erfolg. Während des Mittagessens reduzierte sich die Sichtweite leider durch aufkommenden Nebel, dennoch suchten wir voller Hoffnung weiter.

Am Nachmittag hielt Hans einen Vortrag über die Meeresvögel in Spitzbergen. Er half uns, die verschiedenen Vogelarten zu unterscheiden, denen wir in den vergangenen Tagen begegnet waren. Im Recap sprach Lynn über die Bedeutung des Meereises in der Arktis, seine Bildung und Verteilung und erklärte, dass es aufgrund des Klimawandels immer weniger wird. Kurz vor dem Abendessen gab es eine Überraschung, auf dem Landeis des Raudfjordes wurde ein weiterer Eisbär entdeckt, allerdings war er soweit entfernt, dass er nur ein Punkt im Teleskop war. Auch hinderte das Eis uns daran ihm näher zu kommen. Also genossen wir das Abendessen und die anschliessende Fahrt durch den Cooksundet, den Smeerenburgfjord und den Sørgattet.

St. Johnsfjord and Tordenskjoldbukta
  • Datum: 14.06.2017
  • Position: 78°28.1’ N / 012°14.8’ E
  • Wind: NNW 4
  • Wetter: Nebel
  • Lufttemperatur: +4°C

Heute Morgen trauten wir uns zu sagen, dass wir die ganze Reise über gutes Wetter gehabt hatten. Es hätte wohl sonniger sein können, aber eine durchgängig glatte See und gute Sicht waren doch die halbe Miete. Unverhältnismässig ungestört gab Michael uns nach dem Frühstück eine Einführung zu unserer ersten Landung des Tages im St. Johnsfjord. Gjertsenodden wurde nach einem Marineoffizer benannt. Die Attraktion hier war aber nicht die Geschite, sondern die Natur. Die lange Wanderung machte sich entlang einer Moraine auf zum Gletscher. Die mittlere Wanderung widmete sich einigen Rentieren, die uns ebenso interessiert beäugten. Wir hatten das groβe Glück, in den steinigen Hügeln die noch weiβen Schneehühner zu entdecken. Per Funk gab Frigga einige landschaftliche Anhaltspunkte an Hans durch, dessen Ornithologen die gutgetarnten Vögel daraufhin auch sichteten. Die kurze Wanderung blieb in Strandnähe und konnte dort die Trapperhütte bestens erkunden.

Nach dem Mittagessen, dessen Stärkung wir auch nötig hatten, hatte die Plancius bald vor Tordenskjoldbukta geankert. Auch dieser Ort war nach einem Marineoffizier benannt. Es befand sich aber keine Hütte dort; wir würden die noch etwas verschneite Weite der spitzbergischen Tundra zu sehen und zu spüren bekommen. Auf unserer letzten Landung teilten wir uns in drei gleiche Gruppen ein, von denen jede einige Zeit mit den sehr neugiereigen Reintieren verbrachte. Wir hielten inne und lieβen die Tiere einfach auf uns zu kommen. Sie waren recht verspielt und es entstanden humorvolle Fotos. In der Ferne sahen wir gleich zwei Tiere mit noch ganz kleinen Kälbern. Auch die Vogelkundler kamen auf ihre Kosten: im Wasser paddelten die bunten Weibchen der Thorshühnchen. Nichts konnte sie bei der Futtersuche in den Wellen stören.

Nach der Landung war unsere Reise so gut wie vorbei. Nach einem Abschiedstrunk mit Kapitän Nazarov und Michaels Expeditionsteam wurden wir zu einem letzten leckeren Abendessen gerufen. Ob wir nun wollten oder nicht, langsam wendeten sich unsere Gedanken dem Packen und der Heimreise zu.

Ausschiffung in Longyearbyen, Isfjord
  • Datum: 15.06.2017
  • Position: 78°14.2’ N / 015°35.6’ O

Nach der letzten, sehr ruhigen Nacht an Bord der Plancius begann der Tag – ebenfalls zum letzten Mal – mit Michaels Weckruf. Nach dem Frühstück war es dann endgültig Zeit, Abschied zu nehmen – von den fantastischen Tagen an Bord, von der Plancius, vom Team, von neu gefundenen Freunden…Die Busse standen schon bereit, und das kleine blaue Expeditionsschiff, das uns in den vergangenen zwei Wochen ans Herz gewachsen war, blieb zurück.

Wir werden diese Reise und ihre vielen unvergesslichen Momente, die – auch für die Vielgereisten unter uns – außergewöhnlichen Erlebnisse und einzigartigen Eindrücke, die uns Spitzbergen geschenkt hat, lange in Erinnerung behalten. Und schon jetzt fühlt es sich so an, als ob uns das Polarvirus endgültig erwischt hat – manch einer hat schon unterwegs die nächste Reise in den hohen Norden oder tiefen Süden geplant.

Vielen Dank für die schöne Reise, für Eure Flexibilität und Euren Enthusiasmus. Wir würden uns freuen, Euch zukünftig wieder an Bord begrüßen zu dürfen – wo auch immer das sein mag!

Auf unserer Reise zurückgelegte Strecke: 1009 Nautische Meilen | 1868 Kilometer

Nördlichster Punkt: 80°15.87’ N / 010°37.25’ O

Im Namen von Oceanwide Expeditions, Kapitän Alexey Nazarov, Expeditionsleiter Michael Ginzburg, Hotelmanager Sebastian Duma sowie des gesamten Teams: Wir wünschen Euch eine gute und sichere Heimreise!

Schiff-Info

Cabin

MS Plancius

Das eisverstärkte Schiff Plancius ist ein ideales Schiff für polare Expeditionsfahrten in die Arktis und Antarktis.

Alle Schiff-Informationen

Details

Tripcode:PLA05-17

Daten:8 Jun – 15 Jun, 2017

Dauer:7 Nächte

Schiff:MS Plancius

Einschiffung:Longyearbyen

Ausschiffung:Longyearbyen

Trip-Log als PDF-Datei

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