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Einschiffung in Longyearbyen
  • Date: 23.07.2015
  • Position: 78°14.0’ N / 015°37.4’ O
  • Wind: NW-Wind
  • Weather: wolkig
  • Air Temperature: +8°C

Der große Tag war gekommen! Nach Ankunft in Longyearbyen, der Grenze der Zivilisation, ging es direkt zum Schiff. Für den einen oder anderen begann hier nun ein einmaliges Erlebnis, aber auch bei unseren „Arktisprofis“ konnte man die kommende Aufregung spüren.
Um 16:00 Uhr ging es auf die MV Ortelius, um unsere Zimmer und damit unser Zuhause für die nächsten Tage zu beziehen. Das Gepäck wurde durch die Besatzung direkt zur Kabine gebracht, und nach einer kurzen Erkundungstour ging es dann bereits zu den notwendigen und verpflichtenden Einweisungen in die Sicherheit und Einzelheiten des Schiffs. Im Anschluss an die Einweisungen gab es dann noch eine Rettungsübung, bei der wir lernten, was wir im Falle einer Evakuierung machen müssten. Dazu wurde der Schiffsalarm ausgelöst. Daraufhin mussten wir unsere Rettungsweste aus der Kabine holen, uns warm anziehen und zur Sammelstelle in die Bar kommen. Nach der Kontrolle, dass auch wirklich alle anwesend waren, ging es in Rettungsweste zum Rettungsboot.
Ausgestattet mit dem nötigen Handwerkszeug stand unserem Abenteuer nun nichts mehr im Wege! Wir liefen aus Longyearbyen aus, um zunächst den Isfjord (zu deutsch: Eisfjord) entlang nach Westen zu fahren. Vor dem Abendessen gab es noch einen Begrüßungscocktail und der Kapitän und unser Expeditionsteam wurde vorgestellt. Nach dem Essen genossen wir es, auf den Außendecks unsere erste arktisch-helle Nacht einzuleiten!

Ny Ålesund und Fjortenden Julibukta
  • Date: 24.07.2015
  • Position: 78°56.13’ N / 011°54.8’ O
  • Wind: leichter Wind von Osten
  • Weather: sonnig
  • Air Temperature: +11°C

Nach einer etwas turbulenten Anreise konnten wir nun unseren ersten Expeditionstag begrüßen. Über Nacht war die Ortelius den Isfjord hinaus und entlang der Westküste des Prins Karls Forelands gen Norden gefahren. Wir wachten also im Kongsfjord auf und genossen unser erstes Frühstück der Reise.
Der erste Akt des Tages war die Ausgabe der Gummistiefel, die uns die gesamte Fahrt begleiten würden. Anschließend erklärten uns Jim und Katja den Ablauf mit den Zodiacs, damit wir für zahlreiche Landgänge gerüstet waren. Sie erzählten uns auch etwas über die Forschungssiedlung Ny-Ålesund. Das neu Erlernte konnten wir dann auch schon bald in die Tat umsetzen, denn es war geplant, mit den Zodiacs in Ny-Ålesund anzulanden. Neben dem Geschäft, Museum und Postamt konnten wir auch die grandiose Landschaft des Kongsfjords und zahlreiche Vögel bewundern. Um 11:45 Uhr trafen wir uns dann mit Anders an der Amundsenstatue, um eine kleine Wanderung hinüber zum “Amundsen Mast” zu machen. Dieser Mast war der Ankermast für die Zeppeline “Norge“ und “Italia“ von Amundsen und Nobile gewesen. Auch zahlreiche Weißwangengänse und ein paar Seehunde auf einer vorgelagerten Insel waren zu sehen.

Gegen 13:00 Uhr ging es zurück zum Schiff, um ein leckeres Mittagessen zu genießen. Anschließend luden uns Jim und Katja zum zweiten Teil der Briefings ein. Diesmal ging es um umweltbewusstes Reisen und Eisbärensicherheit. Anschließend konnten wir auch dieses Wissen gleich testen. Denn in der Zwischenzeit war die Ortelius in den benachbarten Krossfjord und weiter in die Fjortenden Julibukta gesegelt. Die erste Hälfte der Gruppe ging an Land, um eine Zodiac-Anlandung am Strand zu üben und sich die “Hängenden Gärten” anzusehen, während die zweite Hälfte der Gruppe mit den Zodiacs die naheliegenden Klippen abfuhr, um Papageientaucher, Dickschnabellumen und andere spannende Vögel zu beobachten. Gegen Ende der Zodiac-Ausfahrt ging es dann noch zum Gletscher hinüber, wo wir das Eis knacken hörten und die massive Eisfront bestaunen konnten. Außerdem leistete uns eine weibliche Bartrobbe auf einer Eisscholle vor dem Gletscher Gesellschaft. Nach der Hälfte der Zeit wurden
die Gruppen gewechselt. Zurück auf dem Schiff kamen wir dann in der Bar zusammen, um das Gesehene des Tages nochmal zusammenzufassen und zu vertiefen.

Gråhuken und Worsleyneset
  • Date: 25.07.2015
  • Position: 79°47.8’ N / 014°25.6’ O
  • Wind: Wind von NO, Windstärke 2
  • Weather: bedeckt, leichter Regen
  • Air Temperature: +6°C

Wir erwachten im Eingang des Woodfjord vor Gråhuken, einer langgezogenen, etwas düster erscheinenden, steinigen Küstenebene. Dort steht eine winzige Trapperhütte, in der in den 1930er Jahren Christiane Ritter mit ihrem Mann Hermann und einem Freund überwinterte. Darüber berichtete sie in dem Buch „Eine Frau erlebt die Polarnacht“. Diese Hütte wollten wir uns ansehen. Aber zu unserer großen Überraschung war sie bewohnt! Unser Expeditionsteam fand heraus, dass dort ein ehemaliger Trapper aus Finnland ein paar Tage Urlaub machte. Er war natürlich nicht begeistert, dass 100 Leute an Land kommen und einen Blick in die Hütte werfen wollten. Doch dann fragte er, ob er Bier bei uns kaufen könne. Als das bejaht wurde, hellte sich sein Gesicht auf. Natürlich brachten wir das Bier als Gastgeschenk, denn nördlich von Ny Ålesund „kann man mit Geld nichts mehr anfangen“.
Nicola zitierte aus Christiane Ritters Buch, und die Gäste durften, immer zwei zur Zeit, einen kurzen Blick in die enge Hütte werfen. Auch von uns, den Wesen aus einer anderen Welt, machte Trapper Eero ein Foto. Als nächstes stand eine Zodiacfahrt bei Worsleyneset. Es war ein Eisbär direkt am Strand gesichtet worden, den wir natürlich als erstes ansteuerten. Unser erster Bär! Langsam schoben sich die Zodiacs immer näher heran. Der Wind stand günstig, wir konnten uns ohne Motor an dem Bären vorbeitreiben lassen. Er lag schlafend am Strand und hob nur manchmal den Kopf, um uns zu betrachten. Deutlich konnte man das Senderhalsband sehen, das der Bär trug. Damit wurde deutlich, dass es eine Bärin war, denn nur bei den weiblichen Tieren lässt sich das Halsband so befestigen, dass es nicht abgestreift werden kann.

Auf der Suche nach Vögeln umrundenten wir die kleine Insel - und entdeckten gleich noch eine Bärin mit Halsband, die sich aber weiter im Inneren der Insel nicht so gut beobachten ließ. An Vögeln entdeckten wir Küstenseeschwalben, Eiderenten und Gryllteisten.
Auf dem Rückweg zum Schiff tauchte plötzlich ein Zwergwal im Fjord auf. Wir näherten uns mit den Zodiacs und konnten ihn einige Zeit vor uns immer wieder auftauchen sehen.

Schon von Weitem hatten wir während der Zodiacfahrt am Ende des Liefdefjords den Monacobreen, einen großen Gletscher, leuchten sehen. Die Anfahrt zum Gletscher am späten Nachmittag war ein großartiges Schauspiel aus Licht, Wasser und Eis. Die Front des Gletschers ist 7 km lang und zeigte alle Schattierungen zwischen weiß und türkis.
Langsam driftete die Ortelius an der langen Front entlang, bis wir schließlich abdrehen mussten, um unserem nächsten Ziel, dem Eis, entgegenzufahren.

Expeditionstag: Packeis und Sieben Inseln
  • Date: 26.07.2015
  • Position: 80°40.9’ N / 019°47.5’ O
  • Wind: Wind von SO, Windstärke 3
  • Weather: sonnig
  • Air Temperature: +6°C

Am frühen Morgen befand sich die Ortelius im Packeis nördlich von Spitzbergen. Ein Weckruf war beinah unnötig, denn die meisten Passagiere schreckten durch das ungewohnte Scharben und Krachen des Eises außen an der Schiffswand vorzeitig aus dem Schlaf. Schon vor dem Frühstück trieb es einige von uns auf die Brücke, um zu sehen, ob sich bereits ein neugieriger Eisbär blicken ließ. Das äußerst schöne Wetter, bei dem sich die noch entfernten Sjuøyane, die Sieben Inseln, im ruhigen Wasser spiegelten, machte uns Hoffnung, dass wir schon bald etwas Spannendes entdecken würden.

Und richtig! Kurz nach 10 kam ein stattlicher Eisbär am weiten Horizont in Sicht. Nicht jeder fand ihn auf Anhieb, aber mit Geduld schoben Kapitän Barria und sein Team die Ortelius immer näher an das wandernde Tier heran, dass auch alle es ausreichend beobachten und fotografieren konnten. Nur anhalten tat der Bär nicht, was letztendlich bedeutete, dass wir abdrehten und uns den Sjuøyane zufanden. Würde eine Landung auf Phippsøya möglich sein?
Um die Fahrt etwas zu verkürzen, gab Frigga eine Vorlesung über ihre Arbeit als Industriearchäologen auf Spitzbergen. Außerdem konnten dann und wann Walrosse auf den Eisschollen oder im Wasser beobachtet werden. Bei den Sieben Inseln angekommen, unternahmen Jim und Katja eine Erkundungsfahrt im Zodiac, die ergab, dass das Packeis zu sehr in Bewegung war, um eine Landung, bzw. das sichere Verlassen danach gewährleisten zu können. Kurzentschlossen bot Jim aber eine Zodiactour mit einer Besonderheit an.

Das Wetter war einfach herrlich! Heller Sonnenschein, anfangs ein bißchen Wind, der sich aber komplett legte. Es wurde sozusagen warm. Vom Schiff aus hatten wir drei Walrosse auf einer Eisscholle erblickt, bei denen es sich um wenigstens ein Weibchen mit Kalb handelte. Um sie nicht zu stören, würden wir einen entsprechend großen Bogen um sie machen. Die Fahrt führte durch ein Labyrinth von Eisschollen umgeben von klarem, stillem Wasser, in dem sich Eis und Inseln perfekt wiedergaben. Jims Besonderheit, die allgemeine Begeisterung auslöste, war, dass die Zodiacs die Passagiere nach und nach auf einer grossen Eisscholle absetzten, ein paar Schritte auf dem Eis unternommen wurden und so ein einzigartiger arktischer Eindruck gesammelt werden konnte.
Die Zodiacs waren fast schon auf dem Rückweg, als Bardi aus der Schiffsmannschaft mit einem Mal einen Eisbären auf dem Eis in Inselnähe eindeckte. Dieses Tier war bei weitem nicht so unruhig wie der Bär am Morgen. Es trotte zum Teil auf uns zu. Es hielt inne, witterte, zauderte. Letztendlich rollte es sich hinter einem Eisbrocken zusammen – und fiel in tiefen Schlaf.
Während des Abendessens sah man rundum glückliche Gesichter. Der Tag klang aus mit einem Vortrag über die Geschichte des Walfangs auf Spitzbergen, der von Frank, dem Reisebegleiter von Ikarus, bzw. PolarNews gegeben wurde.

Expeditionstag im Packeis
  • Date: 27.07.2015
  • Position: 80°41.4’ N / 018°22.9’ O
  • Wind: Wind von SO, Windstärke 2
  • Weather: neblig, bedeckt
  • Air Temperature: +8°C

Beim Aufwachen schob sich die Ortelius im dichten Nebel durch das Packeis. Dieser Nebel ist typisch für den arktischen Ozean im Sommer, denn Temperaturunterschiede zwischen warmer Luft und kaltem Wasser lassen die Luftfeuchtigkeit kondensieren und so entstehen feinste Nebeltröpfchen. Noch während wir frühstückten, kam jedoch die Sonne hervor und der Nebel lichtete sich. Genau zur richtigen Zeit, denn ein Eisbär wurde gesichtet. Er war ungefährt 300 m vom Schiff entfernt, aber mit den Ferngläsern und später auch mit nacktem Auge konnten wir beobachten, wie er über das Eis lief. Immer wieder blieb er stehen und reckte witterned die Nase in die Luft. Anscheinend rochen wir jedoch nicht interessant genug, denn er trollte sich und verschwand zwischen den Packeisschollen.

Katja nahm uns danach, per Vortrag, mit auf eine 220km lange Skitour im Norwesten Spitzbergens. Zugefrorene Fjorde und Schnee im Mai, wo wir vorgestern offenes Wasser erlebt hatten. Im Anschluss daran erklärte Josef, was man unter dem Begriff „Arktis“ versteht. Für Fragen blieb jedoch keine Zeit mehr, denn der nächste Bär wurde gesichtet. Leider rollte der Nebel wieder herein und verschluckte den Bären. Schade! Wir suchten noch eine ganze Weils mit den Ferngläsern, aber er blieb verschwunden.
Das Mittagessen tröstete uns über diesen Verlust hinweg. Danach gab es etwas Zeit zum Ausspannen, Lesen oder auch an Deck den Flugmanövern der Dreizehenmöwen zu folgen, die immer wieder kleine Polardorsche aus dem durch die Ortelius aufgebrochenem Eis fischten. Zwar war es nach wie vor nebelig, aber die Sonne schien und tauchte die Eislandschaft in unwirkliches Licht. Ein Nebelbogen war zu sehen und so mancher lehnte an der Reling and schaute der Bewegung der Eisschollen zu, die sich ineinander schoben oder aufbrachen.

Am Nachmittag fügte Barbara dann der Praxis die Theorie hinzu. Sie sprach über die Ökologie des Meereises, wie es sich bildet und was für eine Bedeutung es für die Arktis hat. Danach hatten Michael und das Hotelteam eine Überraschung vorbereitet: Sie servierten heiße Schokolade mit Sahne und viel Rum auf dem Deck hinter der Brücke.

Gerade als es zum Recap in die Bar gehen sollte, wurde der nächste Bär entdeckt. Er lag auf einer Eisscholle und erst als wir schon ziemlich nahe waren, hob er träge den Kopf, nur um ihn schon bald wieder auf die Pfote sinken zu lassen. Alle Viere von sich gestreckt, lag er auf dem Eis, wohl mit sehr vollem Magen. Wir tauften ihn Faul-Bär, denn nachdem er einmal kurz aufgestanden war, rührte er sich während der ganzen Zeit unseres Abendessens nicht mehr. Statt dessen tauchte ein weiterer Bär auf, der zielstrebig auf das Schiff zusteuerte. Im letzten Moment jedoch bog er ab und umging die Ortelius in einem Bogen. Als auch er in den Weiten des Packeises verschwand, machten wir uns auf den Weg ins Bett und die Ortelius nahm Kurs nach Süden auf.

Hinlopenstraße – Walrosse bei Torellneset
  • Date: 28.07.2015
  • Position: 79°29.0’ N / 020°34.5’ O
  • Wind: Wind von SO, Windstärke 3
  • Weather: bedeckt
  • Air Temperature: +3°C

Unser Plan, am Morgen den Vogelfelsen Alkefjellet per Zodiac zu besuchen, wurde von starkem Wind (28 Knoten) und einem in Wolken gehüllten Felsen durchkreuzt.
Wir entschlossen uns, gleich weiter Richtung Süden zu fahren, um nach Walrossen Ausschau zu halten. Ein bei Walrossen beliebter Strand ist Torellneset, ein kleiner Vorsprung der östlichen Insel Nordaustland. Dichtes Treibeis und Nebel behinderten unser Vorankommen. Die Reisezeit verkürzten wir uns durch Vorträge. Nach dem Mittagessen war es dann soweit: Der Nebel hob sich etwas und wir konnten einen Küstenstreifen mit Treibeis erkennen. Schnell wurden die Zodiacs zu Wasser gelassen und in zwei Gruppen konnten wir Torellneset betreten.

Zwei Außenposten schützten uns gegen unliebsame Besucher. Einige Walrosse lagen am Strand – aber etliche waren im Wasser. Sie kamen neugierig näher, um uns zu beobachten. Schon während der Zodiacfahrt hatten wir beobachten können, wie sie elegant schwammen und tauchten und immer wieder in kleinen Gruppen in der Nähe der Boote auftauchten. Was für ein Erlebnis!

Vom Strand aus konnten wir auch verfolgen, mit welcher Geschwindig-keit das Eis von der Strömung von Süden nach Norden getrieben wurde. In einem breiten Streifen schoben sich unablässig dicke Eisschollen an der Küste entlang. Hunderte von Vögeln - Dreizehenmöwen, Eissturmvögel und Küstenseeschwalben - versorgten sich mit kleinen Krebschen, die an die Oberfläche gespült worden waren. Eine Unterwasserkamera zeigte, wie sie zusammen mit Rippenquallen und anderem Plankton vorübertrieben.
Mit Umwegen fanden wir unseren Weg durch das treibende Eis zurück zum Schiff und schafften es gerade noch rechtzeitig, alle Zodiacs wieder an Board zu bringen, bevor dichtes Treibeis auch das Schiff umschloss.
Wir setzten unsere Fahrt fort und schoben uns langsam durch das Eis. Dichter Nebel ließ alles grau und unwirklich erscheinen. Heute Nacht würde sich entscheiden, ob wir durch den Heleysund oder den Freemansund kommen würden, und damit eine Umrundung Spitzbergens gelingen würde...

Edgeøya
  • Date: 29.07.2015
  • Position: 78°17.8’ N / 022°17.56’ O
  • Wind: Wind von NNO, Windstärke 3
  • Weather: bedeckt
  • Air Temperature: +5°C

Früh morgens fuhr die Ortelius im tiefhängenden Nebel mit drei Knoten um Eisschollen, Treibeis und Eisblöcke auf der Höhe der Barentsøya südwärts. In der Nacht war der Weg durch den Hellysund wegen schlechter Sicht nicht schiffbar. Der Weg im Eis weiter südwärts war herausfordernd und wir erreichten den eisfreien Freemanssund erst am Mittag.

Durch den Morgen zeigte Nicola im Vortragssaal verschiedene Adaptionen zum Leben und Überleben der Tier- und Pflanzenwelt in der Arktis. Später berichtete Anders von einer der tragischen, unerfüllten Liebesgeschichten aus Spitzbergen.
Auf dem Weg durch den Sund besserte sich die Sicht zusehends, der Nebel machte tiefhängenden Wolken Platz. Die Nachmittags-Anlandung auf Edgeøya am Kapp Lee wurde vorbereitet und bald waren auch die Zodiac bereit.
Auf dem kurzen Weg zur Anlandestelle schwammen Walrosse im Wasser. Drei Gruppen erkundeten mit verschiedenen Zielen die Gegend.

Zwei blieben in der Gegend der Hütten, den Überresten der Pomorensiedlung und beobachteten die Walrosse an Land und im Wasser. Auf dem Weg waren zudem Rentiere unterwegs.
Die lauffreudigere Gruppe erstieg den nahegelegenen, knapp 400 Meter hohen Hügel. Dabei wurde das Wetter zusehends trockener. Im oberen Teil der Wanderung blühten neben der Polarweide beide Mohnarten, stengelloses Leimkraut und Silberwurz. Die Aussicht über Kapp Lee mit der Ortelius war sehr schön und einige wären nach den wortlosen stillen 5 Minuten auf der Ebene hinter dem kleinen Gipfel gerne noch länger sitzen geblieben.
Auf dem Rückweg über den Bergrücken fanden wir einige Fossilien und im unteren Bereich lagen zwei Rentiere, welche die Gruppe bis zum Strand in etwas Distanz begleitete. Bei den Hütten am Strand war noch etwas Zeit für die Walrosse, bevor das letzte Zodiac die Anlandestelle verliess. In der Bar wurden nach dem Nachtessen die Erlebnisse nacherzählt und der Tag abgeschlossen.

Hornsund: Burgerbukta & Brepollen
  • Date: 30.07.2015
  • Position: 76°32.4’ N / 017°21.0’ O
  • Wind: Wind von NO, Windstärke 6
  • Weather: bedeckt
  • Air Temperature: +4°C

Nachdem wir uns am Vortag durch dichtes Eis auf die Südseite Spitzbergens durchgekämpft und eine Landung bei Dolerittneset gemacht hatten, ging es nun wieder auf große Fahrt von Edgeøya in Richtung Hornsund. Die Götter der Elemente waren uns aber nicht all zu friedlich gesonnen. So hatten wir dichten Nebel und sehr viel Eis, was unsere Fahrt gravierend verlangsamte. Während wir also diese an sich fantastische und mystische Atmosphäre genossen, leistete unser Kapitän auf der Brücke Höchstarbeit. Mit nur wenigen hundert Meter Sicht musste er sich für den besten Weg durchs Eis entscheiden.

Am Vormittag organisierte das Expeditionsteam des Weiteren ein größeres Recap, um das Gesehene der letzten Tag aufzuarbeiten. Jim erklärte uns die Pläne für die kommenden Tage. Frigga erzählte uns etwas über Pomoren. Anschließend führte uns Barbara in die Welt des Wassers, um das Lichterspiel der Rippenquallen zu bestaunen. Abgerundet wurde die Zusammenfassung dann noch von Anders, der uns die historischen Hintergründe von Kapp Lee erläuterte.
Um 11:00 hielt dann Katja einen Vortrag über das hochaktuelle Thema Klimawandel.

Nach dem Mittagessen und einigen Stunden rauhe See erreichten wir dann gegen 16:00 den lang ersehnten Hornsund. Dort wollten wir alle endlich vom Schiff, um frische Luft zu schnappen. Geplant wurde also eine Zodiacausfahrt in der Burgerbukta. Die Guides waren alle schon fertig in ihren Zodiacs und auch die ersten Passagiere hatten schon die ersten Boote bestiegen. Doch dann sollte alles anders kommen. Der Wind stieg auf bis zu 36 Knoten an und ein Eisberg auf Backbord rammte die Gangway, sodass es nur noch eine Möglichkeit gab – wir mussten die Ausfahrt abbrechen.

Nachdem es also zu windig war, um die Zodiacs zu verwenden, entschieden Jim und der Kapitän, die Ortelius weiter in den Hornsund hineinzufahren, um eine Schiffsrundfahrt entlang der atemberaubenden Eiskante des Brepollen zu machen. Die Sonne schien und auch die Temperaturen waren angenehm warm. Sobald wir im hinteren Fjordbereich ankamen, war auch der Wind weg. So konnten wir den Anblick in vollen Zügen genießen, bevor es dann zu einem etwas anderen Abendessen ging.

Bellsund: Recherchefjord & Midterhuken
  • Date: 31.07.2015
  • Position: 77°29.6’ N / 014°40.5’ O
  • Wind: Wind von S, Windstärke 4
  • Weather: sonnig
  • Air Temperature: +9°C

Heute morgen sind wir im schönen Bellsund aufgewacht, bei strahlendblauem Himmel und Sonnenschein. Die Ortelius ging im Recherchefjord, einem 8-Kilometer langen Fjord im Süden des Bellsund, vor Anker. Jim, unser Expeditionsleiter, hatte eine besonders gute Idee für den Morgen. Wir hatten die Wahl zwischen einer langen Wanderung in Richtung eines Berggipfels, fantastische Aussicht garantiert, oder freies Umherstreifen in der arktischen Tundra. Unsere Guides hatten vor unserer Anlandung schon ein Gebiet entlang eines Hanges mit Ausblick auf die Gletscherfront des Recherchebreen für uns gesichert. Viele von uns suchten sich einen gemütlichen Platz auf dem Hang und genossen die frische arktische Luft, die anmutig spitzen Berge und den mächtigen Gletscher.

Zwei Rentiere mit groβem Geweih kamen neugierig auf uns zu und Schmarotzerraubmöwen zeigten uns riskante Flugmanöver. Rentiere begleiteten auch die Wanderer, die sich in Richtung Asbestodden auf den Weg gemacht hatten. Wie der Name verrät, befindet sich hier ein Asbestvorkommen, um das sich Norweger und Briten am Ende des Ersten Weltkrieges stritten. Von den Anhöhen hatte man während der ganzen Strecke eine herrliche Aussicht über den gesamten Recherchefjord. Als auch die Motoren der Ortelius außer Hörweite waren, genossen wir eine von zu Hause ungekannte Stille.

Aber mit einem wunderschönen Morgen nicht genug. Am Nachmittag war uns eine ganz ähnliche Landung gegönnt. Diesmal am Midterhuken, dessen imposante Felsspitze in den Bellsund herausragt und somit den Van Keulenfjord vom Van Mijenfjord trennt. Vom Landeplatz der Zodiacs aus machten sich wieder drei unterschiedlich schnelle Gruppen auf den Weg, wovon nach der langen Wanderung am Morgen die „Bergziegen“, die sich noch einmal den steilen Hang hinaufwagen wollten, die bei weitem kleinste Gruppe war. Dabei hatten sie von hoch oben natürlich den glorreichsten Ausblick und wurden mit Pagageitauchern in einer kleinen Dickschnabellummenkolonie belohnt. Anders führte die mittelschnellen Wanderer auf der Tundra entlangt in Richtung der britischen Walfängerstation aus dem 17. Jahrhundert. Wir konnten sie leider nicht aus der Nähe sehen, da sie verständlicherweise unter Denkmalschutz steht. Die Gemütlichen wagten sich in entgegengesetzter Richtung in eine kleine Bucht und nahmen sich alle Zeit der Welt, um stillzustehen, teilweise zu sitzen, und einfach nur zu bewundern. Die Sonne schien herrlich warm und wir folgten den An- und Abflügen der Dreizehenmöwen und Dickschnabellummen. Midterhuken bot einen herrlichen Ausklang für unsere Arktisfahrt.

Ausschiffung & Abreise, Longyearbyen
  • Date: 01.08.2015
  • Position: 078°12.1’N / 015°42.2’O

Heute verbrachten wir unseren letzten Morgen an Bord der Ortelius. Die meisten von uns standen bereits früh auf, um ihren Nacht-Flieger zu bekommen. Die restlichen Passagiere wachten einige Stunden später auf und genossen ein letztes entspanntes Frühstück an Bord. Unsere Koffer stellten wir vor unsere Kabinen, und während wir aßen, machten sie sich bereits auf den Weg aufs Land. Toll, dass wir die Koffer nicht selbst vom Schiff tragen mussten!
Um 9.00 Uhr kam dann der Bus, um die letzten von uns von der Ortelius abzuholen. Etwas traurig war es, uns von dem Schiff, der Mannschaft und den Leuten zu verabschieden.

Gesamtdistanz auf dieser Reise: 1911 km

Im Namen von Oceanwide, Ernesto Barria, Expeditionsleiter Jim Mayer und der gesamten Besatzung möchten wir Euch sagen, dass es eine Freude war, mit Euch zu reisen. Wir wünschen eine sichere und angenehme Fortsetzung Eurer Reise und hoffen, Euch bald wieder auf der Ortelius begrüßen zu können.

Ship info

Cabin

m/v Ortelius

Fit for both ends of the planet, the ice-strengthened Ortelius is thoroughly outfitted to provide you an up-close experience of the Arctic and Antarctic.

Full ship info

Details

Tripcode:OTL11-15

Dates:23 Jul – 1 Aug, 2015

Duration:9 nights

Ship:m/v Ortelius

Embark:Longyearbyen

Disembark:Longyearbyen

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