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Logbuch

Einschiffung – Ushuaia, Argentinien
  • Datum: 16.01.2016
  • Position: 54°48.52‘S / 068°18’W
  • Lufttemperatur: +18°C

Endlich waren wir angekommen in Feuerland, am Ende der Welt. Nun ja, von Ushuaia aus wird es noch weiter in den Süden gehen… richtig weit in den Süden.

Aber für heute reichte uns diese quirlige patagonische Stadt und wir nahmen das lokale Ambiente tief in uns auf, auch wenn die Zeit nur knapp ist. Ushuaia markiert das Ende der Straße Panamericana hier in Feuerland, aber auch den Anfang eines lebenslangen Traumes von vielen von uns. Während des Sommers scheint dieser Ort mit seinen knapp 80.000 Einwohnern vor Touristen nur so zu wimmeln. Der Zollfrei-Bereich garantiert einen kontinuierlichen Strom von Touristen, und ist angefüllt von Krabbenfischern und Elektronikgeschäften. In Yaghan, der Sprache der Ureinwohner, bedeutet der Name „Bucht, die nach Westen geht“. Der Ort hat seine Abgeschiedenheit kultiviert und profitiert davon. Die hohen gezackten Spitzen der Andenkette enden hier, wo sich zwei Ozeane treffen. Außerdem wechselt das Wetter hier rapide und erlaubt es uns, alle vier Jahreszeiten an einem Tag zu erleben. Doch heute waren die Temperaturen angenehm, nur der Wind wehte doch heftiger, aber das ist hier nichts Besonderes.

Für viele erfüllte sich heute ein Traum und eine entsprechende Nervosität ist spürbar…. Aber auch eine Aufregung über die bevorstehende Reise ins Ungewisse. Trotz etwas stärkerem Wind machten wir uns kurz nach 16:00 Uhr auf, die Plancius zu betreten, unser Heim für die nächsten drei Wochen. Zuerst begrüßten uns Mitglieder des Expeditionsteams, die uns bei unserem Gepäck halfen. Danach lernten wir Robert und Sava kennen, die Hotelmanager, die uns direkt eincheckten. Mit Hilfe der ausgezeichneten Crew fanden wir uns dann auch bald in unseren Kabinen wieder. Nach einer kleinen Inspektionsrunde durch das Schiff wurden wir in der Lounge von unserem Expeditionsleiter Jim Mayer willkommen geheißen. Bevor wir abfuhren, gab uns der Erste Offizier Jaanus Instruktionen für den Rettungsfall, inklusive einer Übung mit den Schwimmwesten und allgemeinen Sammelns in der Lounge nach einem Probealarm. Anschließend trafen wir uns wieder in der Lounge, wo Robert uns in das Leben auf dem Schiff einführte, das Expeditionsteam sich vorstellte und wir zusammen mit unserem Kapitän auf eine erfolgreiche Fahrt anstießen. Mit dem Wissen, dass wir in ausgezeichneten Händen der internationalen Crew waren, entdeckten wir dann weiterhin das Schiff und genossen die Fahrt durch den Beagle Kanal hinaus gen Falklandinseln. Währendessen wartete die erste von vielen Mahlzeiten auf uns, die von unseren grandiosen Küchenchefs Ralf und Sean und ihren Helfern vorbereitet werden. Den restlichen Abend verbrachten wir mit dem Ausräumen unserer Koffer oder dem Kennenlernen des Schiffes und der anderen Teilnehmer.

Auf See in Richtung Falklandinseln
  • Datum: 17.01.2016
  • Position: 54°20‘S / 064°28’W
  • Wind: SW 6/7
  • Wetter: bedeckt
  • Lufttemperatur: +7°C

Sonnenschein empfing uns bereits am frühen Morgen auf den Decks. Zahlreiche Riesensturmvögel und Schwarzbrauen¬albatrosse begleiteten uns zur allgemeinen Freude über den gesamten Tag. Wir sahen allerdings auch unsere ersten Wanderalbatrosse, Kappsturmvögel, Buntfußsturmschwalben und weitere Hochseevogelarten. Ali bereitete uns zudem am Vormittag in ihrem ersten Vortrag über die Falklandinseln auf ihre zweite Heimat vor - mit Christian als deutschen Übersetzer. Die Falklandinseln wurden 1592 zum ersten Mal vom Briten John Davis beschrieben. Ali erzählte wie der Franzose Bougainville die Ostfalklands für Frankreich in Besitz nahm und später an die spanische Krone verkaufte. Wir lernten zudem, dass die kargen Inseln einst und auch heute noch für die Schafzucht genutzt wurden, und dass die Insulaner auch heute noch zu den tüchtigsten „Schafscherern“ der Welt gehören. Das Fleisch und die Wolle der Tiere gehören neben der Fischerei weiterhin zum Haupteinkommen des Archipels.

Am Nachmittag berichtete Ali dann im zweiten Teil ihres Vortrags über ihr Leben als Grund-schul¬lehrerin auf den Falklandinseln, und über die Zukunft der Inseln mit ihren Ölvorräten vor der Küste. Sie berichtete auch von der großartigen Tier- und Pflanzen¬welt ihrer Wahlheimat. Unsere Vorfreude auf die morgigen Anlandungen stieg dadurch umso mehr.

Bald erhielten wir auch unsere Wandergummistiefel, und Christian bereitete uns im deutschen Zodiacbriefing auf unsere baldigen Landungsoperationen mit den Gummibooten vor. Sicherheitsaspekte wurden dabei genauso beleuchtet wie Verhaltensweisen an Land, besonders um ein respektvolles Beobachten des Tierlebens sicherzustellen.

Viele von uns genossen zwischen den Vorträgen den Sonnenschein auf den Außendecks, und beobachteten die Vogelwelt und mehrfach auch Gruppen von Grindwalen.
Im abendlichen Recap erhellten uns dann Andreas und Tobias mit Kurzbeiträgen zu Albatrossen und nautischen Begriffen wie „Seemeilen“ und „Knoten“, während Jim uns die Pläne für unseren ersten Tag auf den Falklandinseln mitteilte.

Carcass & Saunders Island, Falklandinseln
  • Datum: 18.01.2016
  • Position: 51°23‘S / 060°42’W
  • Wind: SW 5
  • Wetter: Regen
  • Lufttemperatur: +10°C

Heute früh befanden wir uns im Nordwesten der Falklandinseln vor der Insel Carcass. Carcass bedeutet auf Englisch ‘Kadaver’, aber nicht etwa eine tote Kuh oder ein unglücklicher Pionier gaben dieser Insel den Namen, sondern das Schiff Carcass, das im späten 18. Jahrhundert diese Insel zum ersten Mal vermaß. Ein bewölkter Himmel begrüßte uns am frühen Morgen, als sich die Plancius ihrem Ankerplatz näherte.

Wir teilten uns in zwei Gruppen auf. Diejenigen die länger wandern wollten, wurden zuerst in der Dyke Bay ausgeladen, um nach einem Besuch bei einer Eselpinguinkolonie die etwa 4km Strecke zur Siedlung hinüber zu wandern. Wem die Wanderung zu lang war, wurde mit den Zodiacs direkt zur Siedlung gebracht, um dort die Gegend zu erkunden. Die Allermeisten von uns entschieden sich für die Wanderung, um sich die Beine etwas zu vertreten. Inzwischen hatte sich auch die Sonne durch gekämpft und wir waren alle etwas zu warm angezogen. Kein Problem – kurzerhand ein paar Schichten ausgezogen und weiter ging es!

Die Dünen von Dyke Bay waren von unzähligen Vögeln besiedelt, zutrauliche Tussock Vögel, die Insekten aus dem Seetang am Strand pickten, schwarz-weiße Austernfischer mit ihrem durchdringendem Geschrei und winzige Hauszaunkönige begrüßten uns. Auf unserem Spaziergang hinüber zu Leopard Beach sahen wir zahlreichen Magellan- und Rotkopfgänse. Die Attraktion waren jedoch die Pinguine. In Erdhöhlen saßen Magellanpinguine mit ihren Jungtieren und auch in der Eselspinguinkolonie war ganz schön Trubel. Kleine „Fellknäule“ jagten sich gegenseitig durch die Kolonie, versuchten auf kleine Hügelchen hoch zu kraxeln und ab und an war auch mal eine kleine Züchtigung durch einen Erwachsenen notwendig. Am Strand konnten wir etwas scheuen Magellanpinguinen beim Baden zusehen und auch ein einsamer und etwas zerknäult aussehender Königspinguin stand dort inmitten der Magellanpinguine. Während wir den 4 km langen Weg zu der Ansiedlung zurücklegten, sahen wir Karakaras und Truthahngeier in der Luft über uns und Gänse watschelten mit ihren Jungen über die Wiesen zu den Teichen. Nicht all zu weit von der Siedlung entfernt, warfen sich drei Karakara besonders in Pose und ließen sich geduldig von allen fotografieren. Am Strand darunter lag ein junger See-Elefant und wollte von all dem Trubel nichts wissen.

Nach gut 1,5 Stunden Wanderung erreichten wir das Haus von Lorraine und Rob McGill, wo eine großartige Vielfalt an Keksen und Kuchen auf uns wartete. Was für eine großartige Belohnung am Ende eines perfekten morgendlichen Ausflugs!
Nach einem weiteren leckeren Mittagessen hatten wir am Nachmittag auch schon unsere nächste Landestelle erreicht, die Saunders Insel. Einer der Eigentümer der Insel, Susan, hatte es sich nicht nehmen lassen, im Range Rover zum Strand zu kommen, um uns zu begrüßen. Die Sonne hatte sich inzwischen wieder hinter Wolken versteckt, aber das tat der spannenden Zeit keinen Abbruch. Von der Landestelle aus wanderten wir zunächst an einer Eselspinguinkolonie vorbei, trafen auf einige Königspinguine, vermieden auf die Bruthöhlen der Magellanpinguine zu treten und lachten über die drolligen Felsenpinguine, die den Bachlauf hinauf hüpften. Auch ein paar Raubmöwen saßen am Wegesrand mit ihren Küken. In der Felsenpinguin-Kolonie hatte sich auch ein einzelner Goldschopfpinguin (auch genannt Macaroni) gemütlich gemacht. Fünf verschiedene Pinguinarten auf einem Spaziergang zu entdecken, das gibt es nur sehr selten! Wer mochte, konnte weiter wandern, bis zu einer Stelle an der Felsenpinguine vermischt mit Schwarzbrauenalbatrossen und Königskormoranen brüteten. Andere Reisende zog es an den Sandstrand, an dem sich die Wellen brachen und aus deren Gischt immer wieder Eselspinguine an Land stolperten. Am Ende des Strands waren einige Felsen, wo Felsenpinguine beherzt aus dem Meer auf die Klippen sprangen.

Auf unserem Weg sahen wir außerdem das Skelett eines jungen, weiblichen Seiwals, der vor ungefähr 6 Jahren hier an den Strand gespült wurde. Die Bewohner der Insel hatten ihn gefunden und die Knochen später hierher gebracht (und mit anderen Walknochen ergänzt). Für außergewöhnliche Fotos sorgte auch die Kombination aus Schafen und Pinguinen, typisch Falkland¬inseln eben.

Zurück am Stand wartete dann noch eine Überraschung auf uns. Ein Seelöwe kam über die Dünen zu uns herüber, gefolgt von einer Armada an Eselspinguinen, die eine regelrechte Mauer hinter ihm aufbauten. Sie folgten ihm auf Schritt und Tritt, bis dieser weit genug von ihrer Kolonie weg war. Der Land Rover und diese „seltsamen zweibeinigen Seelöwen“ am Strand waren es durchaus wert angesehen zu werden, dachte sich der Seelöwe wohl und kam direkt zu uns herunter. Nach kurzer Tuchfühlung entschied er sich jedoch, doch ins Wasser zu entgleiten. Was für ein Erlebnis!

Auch die Zodiacfahrt zurück zum Schiff war etwas anderes! Große Wellen gaben uns einen kleinen Vorgeschmack auf Südgeorgien.
In der täglichen Tageszusammenfassung erklärte uns Ali alles Wissenswerte zu Stanley und gab uns nützliche Tipps für die Stadterkundung, während die gute Plancius weiter in den Sonnenuntergang fuhr...

Stanley, Falklandinseln
  • Datum: 19.01.2016
  • Position: 51°41‘S / 057°51’W
  • Wind: WSW 5
  • Wetter: bedeckt
  • Lufttemperatur: +8°C

Die frühen Vögel unter uns standen auf den Außendecks bereit, um unserem Kapitän zuzusehen, wir er die Plancius durch die Engstelle „The Narrows“ navigierte. Den heutigen Vormittag verbrachten wir mit der Erkundung der Hauptstadt der Falklandinseln. Stanley ist ein kleines, 2490 Einwohner zählendes Städtchen an der Nordostseite der Falklandinseln und seit 1843 die offizielle Inselhauptstadt. Lord Stanley, der damalige Staatssekretär aller britischen Kolonien, ist der Namensgeber der Stadt.

Bei der Überfahrt mit den Zodiacs regnete es, aber sobald wir alle an Land waren, ließ dieser für eine Zeit lang nach, bevor er gegen Ende der Landung wieder zu Besuch kam. Nun hatten wir rund 4 Stunden Zeit um die Gegend zu erkunden und jeder von uns hatte seine eigenen Interessen und Pläne. Im Besucherzentrum direkt an der Anlegestelle erhielten wir einen Stadtplan und einen Besucherführer, sowie Souvenirs und Postkarten. Perfekt ausgerüstet spazierten wir entlang des Hafenufers auf der Ross Road. Sehr schnell merkten wir, dass wir uns auf einem Überseegebiet Großbritanniens befanden. Die Autos fuhren auf der falschen Seite! Während unseres Erkundungsgangs gelangten wir zum Wahrzeichen der Stadt, einem Doppelbogen aus den Unterkieferknochen zweier Blauwale, der an das damals hundertjährige Bestehen der Kolonie (1833-1933) erinnerte. Neben diesen Walknochen steht die Christ Church Kathedrale. Diese wurde dort nach einem Unglück im Jahre 1886 erbaut, als ein Schlammstrom vom Berg hinunterlief, viele Häuser, darunter die Schule und die alte Kirche mit ins Hafenbecken riss und zwei Menschen tötete. Die bunten Häuser in Stanley sind meist aus Holz gebaut mit Wellblechdächern; und in den hübsch gepflegten kleinen Gärtchen kann man Torf liegen sehen, der zum Heizen benutzt wird. Die roten britischen Telefonzellen vor dem Postamt entzückten uns besonders und lassen einen vergessen, dass man sich auf einer Inselgruppe weit weg von England befindet. Wer sich über die Geschichte der Insel und Stanley informieren wollte, war im liebevoll ausgestatteten Falklandmuseum genau richtig. Zahlreiche Kaffeehäuser luden zu Tee mit Kuchen ein, wo wir auch gemütlich unsere Postkarten an Freunde und Familie schreiben konnten. Vollbepackt mit Souvenirs und glücklich wurden wir von unserem Expeditionsteam zurück zum Schiff gebracht.

Nach einer kurzen Verzögerung navigierte die Plancius durch die enge Ausfahrt aus der Bucht hinaus auf das offene Meer in Richtung Südgeorgien. Während wir also weiter dahin segelten, erzählte uns Ali einiges über Schwarzbrauenalbatrosse auf Englisch und Christian nahm all seine Konzentration zusammen und übersetzte sie simultan auf Deutsch. Zunächst gab sie uns eine kleine Einführung in die Albatrossfamilie, bevor sie uns dann deren Lebenszyklus erleuterte. Abschließend wies sie uns auf die Gefahren durch den Fischfang hin, der den Vögeln zusetzt, und beschrieb ihre Arbeit für den Naturschutz auf den Falklandinseln.

Den Rest des Nachmittages verbrachten wir auf den Außendecks und genossen die hohe See mit ihren gefiederten Bewohnern bis wir von unserem Expeditionsteam für ein ausgedehntes Recap in die Bar gebeten wurden. Jim gab uns zunächst eine Vorschau für die nächsten Tage. Anschließend führte er uns durch die nicht sehr lang zurück liegende Geschichte des Falklandkrieges aus Sicht der Inselbewohner. An Hand des Tagebuches des damaligen Gouverneurs der Falklandinseln gab er die Stimmung zu Beginn des Einmarsches der Argentinier wieder. Er hatte dabei auch einen interessanten Radiomitschnitt im Gepäck, der eindrücklich dokumentierte, wie die Argentinier den Radiosender übernahmen und der Gouverneur eine letzte Nachricht an die Bewohner sendete.
Andreas gab uns, nach unserem interessanten Zusammentreffen am Ende der Landung auf Saunders Island, einen Überblick über Seelöwen, und Tobias führte uns im Schnellverfahren in die geologische Entwicklung der Falklandinseln ein. Getauft als Hobbygeologen, gut informiert und müde von den Ereignissen des Tages, genossen wir den Rest des Abends bei einem leckeren Abendessen im Restaurant.

Auf See in Richtung Südgeorgien
  • Datum: 20.01.2016
  • Position: 52°18‘S / 052°23’W
  • Wind: SW 6
  • Wetter: Regen
  • Lufttemperatur: +5°C

Heute morgen wachten wir zu einer relativ ruhigen See und gutem Wetter auf. Über den Tag tauchten zwar einige Wolken über uns auf, wir konnten uns aber weiterhin nicht über eine zu hohe Wellenaktivität beklagen; die Bedingungen im offenen, südlichen Ozean hätten deutlich rauher sein können.

Der Seetag wurde vom Expeditionsteam mit einigen interessanten Vorträgen gespickt. Tobias führte uns in die komplexe Geologie Südgeorgiens ein; wie üblich auf eine sehr anschauliche und verständliche Weise. Zudem weckte Christian unser Interesse für die verschiedensten Seevogelarten, die wir zum Teil bereits gesehen hatten oder zumindest hofften im weiteren Verlaufe der Reise zu sehen. Kleinere Anekdoten schmückten diesen Vortrag und für viele von uns ging es direkt auf Deck um das Gelernte «umzusetzen» und nach «neuen Arten» Ausschau zu halten.

Des weiteren führte uns Beau in die Welt der Bartenwale (Blauwale, Finnwale, Buckelwale,...) ein. Die Riesen der Meere, deren Bestände sich glücklicherweise zu erholen scheinen, wurden vor allem Anfang des 20. Jahrunderts massiv in den Gewässern um Südgeorgien bejagt. Heutzutage werden sie glücklicherweise hauptsächlich von Touristen wie uns bestaunt und Beau erweiterte unseren Horizont bezüglich dieser faszinierenden «Riesen».

Beim abendlichen Recap erklärte uns Tobias alles Wissenswerte zur antarktischen Konvergenz, der Trennlinie von kalten, antarktischen und wärmeren Wassermassen, die für ihre Reichhaltigkeit an Lebewesen bekannt ist. Diese etwa 40km breite und variable polare Front sollten wir noch am selben Abend gegen 01:00 Uhr nachts mit der Plancius überqueren.

Bevor Jim uns alles zu den morgigen Plänen an Bord erklärte, weckte Christian unser Interesse für die unglaublichen Mengen von Plastik und anderem Müll, die leider auf den Ozeanen schwimmen und regelrechte «Müllteppiche» bilden. Er erzählte uns zudem vom jungen Holländer Boyan Slat, der ein Projekt zum Auffischen des Plastikmülls ins Leben gerufen hat; allen Unmöglichkeitsbekundungen der Öffentlichkeit zum Trotz.

Auf See in Richtung Südgeorgien
  • Datum: 21.01.2016
  • Position: 53°10‘S / 045°02’W
  • Wind: WNW 5
  • Wetter: Nebel
  • Lufttemperatur: +4°C

Nach einem wunderschönen, stimmungsvollen Weckruf von Jim und Beau, ließen wir uns das Frühstücksbuffet schmecken. Es war ein nebeliger Morgen fast ohne Wind oder Wellen, aber mit etwas Regen. Nach dem Frühstück gab uns Ali eine spannende Einführung zu Südgeorgien – vor allem zur Geschichte und zur atemberaubenden Natur.

Anschließend war es Zeit für unser obligatorisches Briefing über die Sicherheit, unser Verhalten in der Nähe von Tieren und zu unserer Biosicherheit. Als Mitglied der IAATO (International Association of Antarctic Tour Operators) ist Oceanwide Expeditions dazu verpflichtet, einen nachhaltigen und sanften Tourismus zum Schutz der Antarktis und der umliegenden Inseln zu garantieren. Jim und Christian erklärten uns die Regeln und Maßnahmen, die wir einhalten müssen, um die Inseln und auch den antarktischen Kontinent zu besuchen. Dabei konnten wir auch von Jim lernen, wie man mit einem aggressiven Seebärenmännchen tanzt. Dann ging es auch schon mit der großen Staubsauger-Party los! Alles wurde in die Lounge gebracht – von unserer äußersten Bekleidung, über Handschuhe und Mützen bis hin zu Rucksäcken und Fototaschen. Alles musste einer gründlichen Reinigung unterzogen werden, bis die Sachen in der Sonne blitzten. So können wir verhindern, dass wir fremde Pflanzen auf die abgelegene Insel einschleppen. Dann war es auch schon wieder Zeit für ein weiteres leckeres Mittagessen von unserem lieben Chefkoch Ralf! So konnten wir uns wieder unsere Bäuche füllen, bis wir aussahen, wie kleine pummelige Streifenhörnchen.

Der Nachmittag verging mit weiterem Staubsaugen unserer Ausrüstung. Mützen, Handschuhe, Rucksäcke – alles lag überall in der Lounge verteilt – ein absolutes Chaos! Aber in ziemlich kurzer Zeit war alles fix und fertig.
Am Nachmittag war der Regen weg und die Sonne versuchte sich hervor zu kämpfen. Der Nebel war jedoch etwas stärker. Trotzdem war es eine schöne Stimmung. Vor allem, als ein schöner großer Nebelbogen am Himmel auftauchte. Über die Lautsprecher kam die Information, dass wir ganz nahe an den „Shag Rocks“ vorbei fuhren. Aber wie wir uns auch anstrengten, den Nebel zu durchdringen, er wollte die Felsen einfach nicht frei geben. So mussten wir darauf vertrauen, dass uns das Expeditionsteam nicht auf den Arm nahm. Nachdem das Wetter aber sehr schön war, entschieden wir, die Zeit draußen auf den Außendecks zu verbringen, anstatt in der dunklen Lounge einem Vortrag zu lauschen.

Am Abend war es wieder Zeit für unser tägliches Recap und ein weiteres Essen! So viel Essen. Und schon am sechsten Tag der Reise hatte der ein oder andere unter uns bereits ein wenig Speck angesetzt. Aber da gibt es ja dann zu Hause wieder genug Zeit, diesen durch Sport und Bewegung abzuarbeiten. Ein weiterer himmlischer Tag neigte sich dem Ende zu, während die Plancius in den Sonnenuntergang fuhr. Wo das Ziel liegt, weiß niemand...

Salisbury Plain & Prion Island, Südgeorgien
  • Datum: 22.01.2016
  • Position: 54°00‘S / 037°21’W
  • Wind: W 5/6
  • Wetter: sonnig
  • Lufttemperatur: +3°C

Heute Vormittag gingen wir bei sagenhaftem Wetter, ruhiger See und Sonnenschein in Salisbury Plain an Land. Zahlreiche Seebären (auch genannt Pelzrobben) und einige See-Elefanten lungerten an dem langgezogenen Strand herum. Dieser Platz ist aber vor allem berühmt für seine gewaltige Königspinguin-Kolonie. Wir trafen Pinguingruppen, die gerade aus dem Wasser kamen, während andere an schmutzigen Rinnsalen oder auf Schneefeldern in Grüppchen zusammen standen und auf das Ende ihrer Mauser warteten. Das Ziel unseres Weges war die eigentliche Kolonie, wo tausende braune Federbälle sich zu Kindergärten zusammen geschlossen hatten, während sich mausernde Altvögel am Rande ausruhten. Sie alle gaben ein endloses Konzert aus erwachsenem Trompeten und dem typischen piepsigem Pfeifen der Jungtiere.

Hin und wieder flogen Skuas oder Dominikanermöven vorbei, um zu schauen, ob es eventuell was Essbares in der Nähe gäbe. Und teilweise zeigte die Natur ihren grausamen Gang, wenn wir Riesensturmvögel bei ihrer Mahlzeit aus toten Pelzrobben oder Pinguinen beobachteten.

Ganze dreieinhalb Stunden waren wir in diesem Tierparadies unterwegs an einem Strand, den man eigentlich nur aus den berühmten BBC-Tierdokumentation über die Antarktis kennt.

Nachmittags gind es dann direkt weiter. Die Plancius lag in der Bay of Isles (“Bucht der Inseln”) vor Prion Island. Diese Insel, nur einen Kilometer lang und 500 Meter breit, ist ein ganz besonderer Ort, der zahlreichen Tierarten eine Heimat bietet. Hier ist neben dem endemischen Südgeorgien-Riesenpieper auch die Südgeorgien-Spitzschwanzente zu finden, aber die größte Besonderheit sind die nistenden Wanderalbatrosse. Prion Island bietet weltweit so ziemlich die einzige Möglichkeit, diese majestätischen Gleiter von Land aus zu beobachten. Wegen dieser Besonderheiten und weil die Tierdichte so hoch ist, benötigt man für eine Anlandung auf der Insel eine spezielle Genehmigung. Außerdem ist die Zahl der Besucher an Land begrenzt. Daher teilten wir uns in drei Gruppen auf. Die erste Gruppe von uns stieg in die Zodiacs und ging an Land, während die zweite Gruppe einen Zodiac-Cruise durchführte; Gruppe drei wartete derweil noch auf der Plancius. Anschließend wurde durchgewechselt.

Auf einem hölzernen Steg durch das Tussockgras ging es zu zwei Aussichtsplattformen hinauf. Einige Pelzrobben dösten zwischen den Grasbüscheln, und wer ganz genau hinsah, konnte die Riesenpieper entdecken, die südlichsten Singvögel der Erde. Sie nisten im Tussockgras. Als wir den höchsten Punkt des Aufstiegs erreicht hatten, fanden wir uns Auge in Auge mit einigen nistenden Albatrossen auf ihren Nestern.

St. Andrews Bay, Godthul & Fortuna Bay
  • Datum: 23.01.2016
  • Position: 54°26‘S / 036°10’W
  • Wind: SE 3
  • Wetter: bedeckt
  • Lufttemperatur: +3°C°C

Gestern hatte Jim uns vor einem 4:15 Uhr-Weckruf gewarnt, falls die Bedingungen gut für eine Anlandung zum Sonnenaufgang wären. Nach einer kleinen früh-morgenlichen Stärkung am Lounge-Buffet ging es bereits 4:45 Uhr mit den Zodiacs an den Strand von St. Andrews Bay.

St. Andrews Bay ist das Kronjuwel in der Krone von Südgeorgien – es ist Südgeorgiens größte Königs¬pinguin¬kolonie und beherbergt mindestens 150.000 Brutpaare. Zählt man auch alle Nichtbrüter und Jungtiere hinzu, so kommt man auf etwa 500.000 Pinguine.
Freundliche Gesellen waren diese Königspinguine. Bereits am Strand watschelten sie in kleineren Gruppen umher und versuchten einander zu beein¬drucken. Zum Glück für uns waren sie sehr neugierig und kamen nahe heran, um uns, diese „komisch-farbigen Goretex-Pinguine“, genau unter die Lupe zu nehmen. Am Aussichtspunkt angekommen beeindruckten uns die schieren Ausmaße der Kolonie. Worte können dies kaum erfassen.

Auch entlang kleinerer Frischwasser-Läufe standen abermals unzählige Pinguine, die mit mehr oder weniger Geduld die Mauser über sich ergehen ließen. Außerdem konnten wir See-Elefanten und Pelzrobben beobachten. Wir sahen aber auch, wie viele Opportunisten – Scheidenschnäbel, Skuas und Riesensturmvögel – darauf warteten, dass irgendwo etwas für sie übrig blieb.

Aber nicht nur am Strand war das rege Treiben groß. Auch im Wasser konnten wir viel entdecken. Dort schwammen Robben umher und zahlreiche Königspinguine nahmen ein Bad und tollten in den brechenden Wellen.
Es sah eigentlich nicht gut aus für unsere Anlandung in Godthul im weiteren Verlauf des Morgens. Jim erklärte uns, dass der Wind direkt außerhalb der Bucht mit 30 Knoten (rund 60 Kilometer pro Stunde) blies. Überall auf dem Wasser waren kleine Schaumkronen zu sehen. Aber kaum waren wir in der Bucht von Godthul, war der Wind plötzlich weg. Kein Wunder, dass die norwegischen Robbenschlächter und Walfänger der Bucht den Namen gaben, denn Godthul bedeutet nichts anderes als „Guter Hafen“.
Am Strand konnte man auch die Überreste eines Walfang-Depots sehen. Ein Metalltank, mehrere rostige Fässer und zwei kleinere Boote ragten aus dem Gras; alles aus der Zeit zwischen 1908 und 1929, als hier Walfang betrieben wurde.
Wem die Lust nach etwas weniger Anstrengendem stand, der gelangte nach einem kurzen Aufstieg durch das hohe Tussockgras zu einer Ebene. Am Hang brüteten hier mehrere Hundert Eselspinguine.
Auf dem Weg zurück zum Schiff machten wir noch eine kleine Extratour und schauten uns den 30 m hohen Echo-Wasserfall an.

Aber der Tag war immer noch nicht zu Ende. Trotz der Windwarnungen wollten wir zumindest eine Nachmittagslandung in der Fortuna Bay versuchen. Es regnete und windete zwar, und einige von uns nutzten dies für einen kleinen Nachmittagsschlaf, die Bedingungen erlaubten allerdings tatsächlich eine sichere Anlandung. Deswegen bekamen wir abermals die Chance, eine Königspinguinkolonie zu besuchen. Vor allem aber waren in der Fortuna Bay ungewöhnlich viele Pelzrobben unterwegs. Besonders die Jungtiere, inklusive der hellen „Blondies“ hatten es den Fotografen unter uns angetan. Sie spielten unentwegt im Flachwasser und näherten sich uns vielfach verspielt und neugierig. Durchnässt aber glücklich ging es für uns zurück auf die Plancius, wo (auf Grund des Wetters) ein gewaltiges Indoor-BBQ aufgetischt wurde. Ein toller Abschluss für einen herausragenden Tag auf Südgeorgien.

Stromness & Grytviken, Südgeorgien
  • Datum: 24.01.2016
  • Position: 54°09‘S / 036°38’W
  • Wind: SW 9
  • Wetter: leicht bewölkt
  • Lufttemperatur: +3°C

Nachdem es in der Nacht ordentlich geschaukelt hatte, waren wir nicht überrascht, als auch in Fortuna Bay noch eine steife Brise blies. Deswegen hatten wir entschieden, noch vor dem Frühstück, direkt nach Stromness zu fahren, um dort zu versuchen, an Land zu gehen. Hier waren die rostigen Gebäude der Walfangstation, die von 1913 bis in die 1930er Jahre in Betrieb war, zu sehen. Die großen Schiffspropeller an der Landestelle stammen aus der Zeit von 1931 bis 1961, als die Station als Werft fungierte. Trotz starken Windes landeten wir am Strand und begannen unsere Wanderung zum Shackleton-Wasserfall. Nach diesem kurzen Abstecher zum Wasserfall - aber nur für die, die zuerst an Land waren – ging es wieder zurück zum Strand, da der Wind zu nahm und wir deshalb schnellstmöglich zum Schiff zurückkehren mussten.

So setzte die Plancius ihre Reise in Richtung Grytviken fort. Am Nachmittag fuhren wir in die King-Edward-Bucht ein und warfen einen ersten Blick auf die alte Walfangstation Grytviken. Diese wurde vom berühmten norwegischen Kapitän Carl Anton Larsen im Jahre 1904 gegründet. Heute ist die Station eine rostende Geistersiedlung mit einem alten brüchigen Holzpier und leckgeschlagenen Fangbooten und Versorgern. Während unser Expeditionsleiter mit den Regierungsvertretern am Schiff den „Papierkram“ erledigte, konnten wir einen Vortrag einer Mitarbeiterin des SGHT Museums (SGHT= South Georgia Heritage Trust) über das Rattenbekämpfungsprogramm und den weiteren Aufgaben des SGHT hören. Anschließend landeten wir, nach einer äußerst holprigen und etwas nassen Überfahrt, direkt vor dem Friedhof von Grytviken an, wo viele norwegische Walfänger und auch Ernest Shackleton höchstpersönlich begraben liegen. Es ist Brauch, eine kleine Rede vor dem Grab des Polarhelden zu halten und auf ihn anzustoßen. Ali hielt eine tolle Rede und wir ehrten Shackleton mit einem Trinkspruch! Danach wurde eine geführte Tour durch die Walfangstation angeboten. Auch konnten wir die Kirche, und das Museum besuchen. Postkarten wurden an die Liebsten zu Hause geschickt und Souvenirs gekauft. So konnten wir diesen aufregenden und sonnigen Tag gemütlich und mit bester Laune ausklingen lassen. Zumal nun auch der Wind komplett nachgelassen hatte, konnten wir die Sonne auf den Außendecks förmlich aufsaugen – eine willkommene Abwechslung nach den letzten stürmischen und nassen Landungen. Abgerundet wurde das Ganze durch eine warme Dusche und einer heißen Tasse Tee, Kaffee oder Schokolade, bevor es dann schon wieder ernst wurde. Jim sprach in der Lounge über die Pläne für den nächsten Tag.

Nach dem Abendessen fuhr die Plancius in den Sonnenuntergang, der sich heute besonders beeindruckend gestaltete. Traumhafte Lenticularis-Wolken zierten den Himmel, und unser Hotelmanager und Chefkoch beschlossen deswegen das Dessert in die Lounge zu verlagern, um allen Passagieren einen unvergleichlichen Ausblick zu gewähren. Was für eine tolle Idee und Abschluss für diesen Tag!

Drygalski Fjord & Larsen Harbour, Südgeorgien
  • Datum: 25.01.2016
  • Position: 54°49‘S / 035°58’W
  • Wind: NW 5
  • Wetter: bedeckt
  • Lufttemperatur: +3°C

Diesen Morgen befanden wir uns in der Cooper Bay, wo wir eigentlich den Vormittag verbringen wollten. Doch das Wetter wollte nicht mitspielen. Die Windgeschwindigkeit lag bei über 30 Kno¬ten und auch die Wellen waren etwas zu groß. So waren wir also gezwungen, uns ein Alternativprogramm zu suchen. Sobald wir aus der Bucht heraus waren, blies es mit voller Sturmstärke. Die Wellen waren von weißen Streifen gezeichnet und die Wellen¬kämme brachen mehrfach. Unser Schiff bekam ordentliche Seiten¬lage, obwohl der Wind von schräg hinten blies. Kleine Taubensturmvögel und Kappsturmvögel ließen sich den Sturm gefallen und zischten über die türkisfarbene, aufgewühlte See.

Weit im Süden von Südgeorgien bogen wir in den Drygalskifjord ein. Einige große Eisberge schienen am Eingang des Fjords das Wetter abzuwarten und gaben der Landschaft dahinter einen zusätzlichen polaren Anstrich. Sobald wir in den Mündungsbereich des Fjordes kamen und uns zwischen den rund 1000 Meter hohen Bergen befanden, wurde es um einiges ruhiger. Wir erreichten den Eingang von Larsen Harbour, einem kleinen aber feinen Seitenfjord. Hier ließen wir die Zodiacs zu Wasser und nahmen die erste von zwei Gruppen auf eine Zodiacfahrt hinein in den Seitenfjord. Larsen Harbour wurde das erste Mal von der 2. deutschen Polarexpedition unter der Leitung von Wilhelm Filchner untersucht. Vorher wurde dieser geschützte Seitenarm auch von Robben- und Walfängern genutzt. Die über 1000m hohen Berge bestehen aus den ältesten Gesteinen Südgeorgiens, einst Teil eines Ozeanbodens vor den Küsten Gondwanas.

Unterwegs suchten und fanden wir Weddelrobben. Diese Robbenart ist normalerweise viel weiter südlich in der Antarktis zu Hause. Im Larsen Harbour hat sie aber ihr nörd¬lichstes Vorkommen, dank des Hochgebirgsklimas der Region. Natürlich waren die Strände auch übersät von jungen Pelzrobben, die ihre Mütter ganz schön auf Trapp hielten. Auch See-Elefantenweibchen lagen am Strand und mauserten sich. Wer genau hin sah, entdeckte auch den ein oder anderen Esels- oder Königspinguin inmitten des Trubels. Und so arbeiteten wir uns Stück für Stück weiter hinein in den Fjord, bis wir am hinteren Ende vor einer kleinen Eiswand ankamen. Ohne das Geräusch der Bootsmotoren war es dann auch wirklich wunderbar still. Nur die Natur sang ihr Lied.

Dann war es aber auch schon Zeit, wieder zum Schiff zurückzukehren, denn dort wartete schließlich die zweite Gruppe auf ihre Runde. Gerade, als wir uns mit dieser Gruppe sowieso schon auf den Rückweg machten, kam über Funk der Aufruf der Brücke, zum Schiff zurückzukehren, denn der Wind hatte stark zugenommen. Und tatsächlich, die Fahrt zur Gangway war durchaus spannend und es brauchte etwas Timing beim Aussteigen. Da wurden die Zodiacs ganz schön durchgeschüttelt.

Mit allen Zodiacs wieder zurück an Bord ging es dann weiter hinein in den Drygalski Fjord. Die Sonne hatte sich nun auch durch die Wolken gekämpft und so fuhren wir in gleißendem Sonnen¬schein langsam durch lose Eisbänder auf dunkelblauem Wasser durch den Fjord. Eiskaskaden wälzten sich die schroffen Felshänge hinab. Zahlreiche Antipodenseeschwalben suchten in der Nähe des Eises nach Futter und Rastplätzen. Ein großartiger Anblick! Nach der wilden Küstenfahrt am Morgen konnten wir die Landschaft im Sonnenschein um so mehr genießen.

Am hinteren Ende des Fjordes angekommen, genossen wir den spektakulären Anblick des Risting Gletschers, der durch die schnell vorbei fliegenden Wolken in einen mystischen Lichtertanz gehüllt war. Während unser Kapitän die Plancius in den stürmischen Fallwinden nahe heran brachte, bot uns der Risting Gletscher eine kleine Show mit drei schönen Kalbungen. Die Eisbrocken polterten unter lautem Grollen in die Fluten und erzeugten beachtliche Wellen. Wir genossen den Anblick für eine Weile, bevor uns unser knurrender Magen zum Mittagessen drängte und unser Kapitän abdrehte und sich auf den Weg hinaus aus dem Fjord machte.

Kaum waren wir aus dem Fjord draußen, wartete dort schon das nächste Highlight auf uns. Es wurden Wale gesichtet! Wir kamen alle auf die Außendecks und konnten diverse Buckelwale und Finnwale beobachten, wie sie fraßen oder einfach nur auf der Durchreise waren. Mit etwas Geduld und Glück, konnten einige von uns diese wunderbaren Geschöpfe sehr nahe am Schiff beobachten. Als die Wale begonnen, von Dannen zu ziehen, machten auch wir wieder Kurs in Richtung Süden, vorbei an einem spektakulären Eisberg. Was für ein Abschied von Südgeorgien!

Der Eisberg lag goldrichtig, denn kurz nachdem wir diesen passiert hatten, fuhren wir um die Südspitze Südgeorgiens herum, wo extrem starke Winde bliesen. Und so mussten wir die Außendecks schließen. Doch das war kein Problem, denn niemand wollte freiwillig in diesem Sturm draußen bleiben. Wir genossen einen Tee oder Kaffee in der Lounge und ließen den Nachmittag langsam ausklingen.

Am Abend lud uns das Expeditionsteam zu einem Super-Recap ein, wo wir etwas über die vormittags gesehenen Weddellrobben, die lentikularen Wolken des Vorabends und Möglichkeiten der Identifizierung von Walen anhand ihrer Schwanzflosse lernten. Wir erfuhren auch, dass wir selbst mithelfen konnten. Auf der Website www.happywhale.com können wir die Schwanzflossen der Buckelwale und Fotos anderer Identifikationsmerkmale hochladen und so bei der Erforschung der Wale und ihrer Reiserouten beitragen. Gelingt es den Forschern den Wal zu identifizieren, bekommt man als Gegenleistung auch Informationen über den Wal zurück.

Auf See in Richtung South Orkney Islands
  • Datum: 26.01.2016
  • Position: 57°34‘S / 039°34’W
  • Wind: NW 5
  • Wetter: Nebel
  • Lufttemperatur: +1°C

Heute stand also ein Tag auf offener See auf dem Programm. Langweilig sollte es aber trotzdem nicht werden. Christian und Andreas machten den Anfang am Vormittag. Christian erzählte uns auf Deutsch alles, aber auch wirklich alles, was er über Eis und Gletscher wusste, während Andreas zur gleichen Zeit auf Englisch das Gleiche tat. Somit hatten wir nun das Handwerkszeug für die eisigen Welten der Antarktis. Um unser Wissen über diese faszinierende Welt der Extreme noch weiter abzurunden, legte Gérard, simultan übersetzt durch Christian, eins nach und gab uns eine generelle Einführung in die Antarktis.

So viele Vorträge machten natürlich aber auch hungrig und deshalb konnten wir es gar nicht mehr erwarten, dass endlich Mittagszeit war.

Nach einem kleinen Mittagsschläfchen ging es dann weiter mit einem Film. Der Film handelte über die Bekämpfung der Ratten auf Südgeorgien. Mit Helikoptern wurden Giftköder in jeden Winkel Südgeorgiens verteilt. Fraßen die Ratten die Köder, wurden sie lichtempfindlich, zogen sich in ihren Bau zurück und starben dort - sauber aufgeräumt, ohne dass beispielsweise Vögel die toten Ratten fressen konnten.

Der Film führte uns vor Augen, wie viel Arbeit und Logistik nötig war, die Insel von Ratten zu befreien. Später am Nachmittag fand dann eine Auktion statt, deren Erlös dem South Georgia Heritage Trust zu Gute kam. Hier konnte jeder mitbieten und mit seinem Geld die Arbeit des SGHT unterstützen, Südgeorgien wieder zu einem der wichtigsten Seevogelgebiete der Welt zu machen. Ali war der Auktionator, Christian zeigte die Auktionsstücke herum und Gérard erledigte die Abrechnung. Ein paar sehr interessante Objekte wurden angeboten: Ein Wiskeyglas mit Gravur, ein im Cyanoverfahren gedrucktes Portrait von Frank Wild, T-Shirts und vielem mehr. Immer wieder flammten wilde Bietkämpfe auf und wir hatten alle viel Spaß dabei. Und das alles für einen guten Zweck! Es kamen insgesamt 820 Britische Pfund für den SGHT zusammen. Das entspricht etwa 9.1 Hektar land. Ein schöner Ertrag, ein lustiger Abend und eine gute Tat!

Orcadas Station, South Orkney Islands
  • Datum: 27.01.2016
  • Position: 60°44‘S / 044°43’W
  • Wind: Var 2
  • Wetter: bedeckt
  • Lufttemperatur: +2°C

Nach den letzten eineinhalb Tagen auf hoher See, war der heutige Ausblick von unserer Plancius besonders wunderschön. Vor uns lag die argentinische Station Orcadas, die antarktische Station mit der längsten durchgängigen Wetterdaten-Messreihe überhaupt. Gegründet wurde die Station durch den Schotten William Bruce, der sie aber bereits nach kurzer Zeit an die Argentinier übergab. Überall in der Bucht lagen große Eisberge, aber wirklich überall! Wie aufregend! „Los mit dem Zodiacs“, schrie unser immer positiver Expedtionsleiter Jim. Zuerst ging aber ein Scout-Boot ins Wasser, um zu sehen ob wir bei soviel Eis überhaupt auf den South Orkney Inseln anlanden konnten. Schnell kam aber das endgültige „ok“ für eine Anlandung! Während einige Gäste zunächst an einem tollen Zodiac-Cruise inmitten der massiven Eisberge teilnahmen, landeten andere direkt bei der Station an, und hatten eine erfrischende Zeit mit den hiesigen Wissenschaftlern, die vor Ort eine kleine Führung organisierten. Später wurde natürlich durchgewechselt. Die meisten Argentinier sprachen zwar nur Spanisch, aber mit der tatkräftigen Hilfe einiger spanischsprechenden Gäste und unserem Guide Andreas, erfuhren wir alle, wie es war einen vollen Winter hier zu verbringen und was genau auf der Station geforscht wurde – vor allem Geomagnetismus, Biologie, Seismologie und Meteorologie. Wir waren alle begeistert von der erlebten Gastfreundschaft und gingen mit einem großen Lächeln im Gesicht wieder an Bord.

Die Plancius setzte aber alsbald ihre Route zur Antarktischen Halbinsel fort – bei ruhigen und demnach angenehmen Bedingungen.
Am Nachmittag gab es dann einen spannenden Vortrag von unserem Chefkoch Ralf! Wie kocht man für 149 Menschen, für 19 Tage, und ohne Nachschubmöglichkeiten? Ralf erklärte uns auch wie man bei Windstärke 12 Mahlzeiten zubereitet. Eine echte Herausforderung!

Beim heutigen Recap variierte das Guideteam etwas und lud uns zu einer „Frage & Antwort-Runde“ ein. Wir konnten Fragen (schriftlich und daher anonym) zu allen möglichen Themen stellen: der Tierwelt, dem Expeditionsteam, dem Schiff, der Müllentsorgung, usw.
Und das Team versuchte soviel wie möglich zu beantworten – eine willkommene und symphatische Abwechslung zum üblichen Recap.

Während die Plancius weiter Richtung Antarktis fuhr, legten sich die Gäste ins Bett und träumten sicherlich von Pinguinen, Walen, und Robben (und vielleicht auch von Steinen)!

Point Wild, Elephant Island
  • Datum: 28.01.2016
  • Position: 61°00‘S / 051°55’W
  • Wind: E 3
  • Wetter: Schnee
  • Lufttemperatur: +1°C

Der Morgen war eigentlich einer der üblichen Seetage. Während sich die Plancius weiter gen Süden bewegte, erzählte uns Ali mit Christians Simultanübersetzung alles über die verschiedenen Pinguinarten; damit wir gerüstet waren für die neuen Abenteuer im kalten Süden.

Anschließend war es wieder Zeit für die letzten Vorbereitungen. Es war noch einmal eine Staubsaugeraktion angesagt, um unsere Kleidung und Taschen von den Samen Südgeorgiens zu reinigen. Der ganze Ablauf ging uns leichter von der Hand, da wir ja bereits Übung darin hatten und schon bald waren unsere Dinge bereit, antarktischen Boden zu betreten. Wir stärkten uns bei einem weiteren leckeren Mittagessen von den Strapazen des Staubsaugens und die letzten von uns waren noch nach dem Mittagessen an der Reihe. Bald hielt uns aber nichts mehr in der Lounge, denn um uns herum konnten wir überall die Fontänen von Walen erkennen. Als wir näher kamen, war klar, dass es sich um Finnwale handelte. Auch die Küstenlinie von Elephant Island kam immer näher und so wussten wir gar nicht, wo wir als erstes hinsehen sollten. Da waren also die schroffe Felslandschaft, die Finnwale und große Gruppen Kehlstreifenpinguine im Wasser zu bestaunen. Da wünscht man sich doch, dass man seine beiden Augen, wie Chameleons, unabhängig voneinander bewegen könnte.

Am späteren Nachmittag erreichten wir dann Point Wild auf Elephant Island, einem bekannten historischen Ort. Dies ist ein flacher und schmaler Geröllrücken zwischen hohen, nahezu senkrechten Klippen auf der Inlandsseite, und einem steilen Hügel auf der Meeresseite. Auf der Westseite befindet sich eine tief eingeschnittene Bucht, die durch einen Gletscher geformt wurde, welcher sich im Vergleich zu den Fotos von Shackletons Expedition sehr weit zurückgezogen hat. Dies ist der Ort, an dem Shackletons Männer am Ende anlandeten, nachdem die Endurance in der tiefen Weddell-See gesunken war. Er markiert auch den Startpunkt für Shackletons erfolgreiche Überfahrt in dem kleinen offenen Boot nach Südgeorgien. Zusammen mit 5 weiteren Männern machte er sich in der James Caird, dem 22‘ Ruderboot auf die gefährliche Überfahrt, um Hilfe für seine 22 Männer zu holen, die an diesem rauhen Ort gefangen waren. Dieser Ort wurde dementsprechend nach Frank Wild benannt, der die Mannschaft für vier Monate führte, bis Shackleton am 30. August 1916 mit dem Schiff Yelcho zur Rettung kam. Ein Monolith und eine Bronzestatue von Puis Pardo Villalon, dem Kapitän der Yelcho, wurde durch die XXIV. Chilenische Antarktische Wissenschaftliche Expedition von 1987-88 aufgestellt.
Und wir hatten die fantastische Möglichkeit, an diesem historischen Ort anzulanden. Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass dies klappt. Für die gesamte Besatzung war es das erste Mal, dass die Wetter- und Seebedingungen es erlaubten, dort anzulanden. Es kostete unser Guideteam auch einiges an Konzentration, da die Bedingungen am Strand sich konstant änderten. Da nicht all zu viel Platz am Point Wild zur Verfügung steht, und die Kehlstreifenpinguine und Pelzrobben diesen noch weiter reduzieren, entschied das Expeditionsteam, die Gruppe zu teilen. Eine Gruppe ging direkt an Land, während die andere Gruppe die Finnwale außerhalb der Bucht besuchte. Nach der Hälfte wurde gewechselt. Was für ein Tag!

Brown Bluff & Hope Bay, Antarktische Halbinsel
  • Datum: 29.01.2016
  • Position: 62°43‘S / 056°57’W
  • Wind: NNW 5
  • Wetter: Regen
  • Lufttemperatur: +2°C

Am frühen Morgen näherten wir uns langsam aber sicher der Antarkischen Halbinsel an, bei gerade einmal 20 Knoten Windgeschwindigkeit, also relativ ruhigen Bedingungen! Nach dem üblich-sanften Weckruf durch Jim und Beau, genossen wir die Aussicht auf gewaltige Eisberge im vorbeiziehenden Nebel. Bevor wir aber auf der Südseite des Antarctic Sounds unsere angepeilte Landestelle erreichten, erzählten uns Andreas und Christian spannende historische Geschichten. Auf Deutsch wurden wir auf zwei Expeditionen «entführt»; sowohl auf die Belgica Adrian de Gerlaches als auch auf die Antarctic Otto Nordenskiölds und Carl Anton Larsens. Zwei faszinierende Geschichten, wobei uns vor allem im Gedächtnis blieb, dass ein junger Ronald Amundsen 1897-99 u.a. von Fredrick Cook auf der Belgica «angelernt» wurde. Zudem waren die Ereignisse, die auf Nordenskiölds Expedition, ganz in der Nähe unserer heutigen geplanten Aktivitäten 1901-04 passierten, wirklich hollywoodreif und eigentlich nahezu unglaublich. Drei verstreute Gruppen der Expedition trafen sich nach Schiffbruch und ungeplanter zweiter Überwinterung tatsächlich wieder und konnten die Antarktis, um viele wissenschaftliche Erkenntnisse bereichert, verlassen.

Schon bald nach den historischen Vorträgen konnten wir auch das erste mal auf dieser Reise das eigentliche antarktische Festland bestaunen. Steile Eisklippen jenseits des Antarctic Sounds zeugten von einem abweisenden und doch unglaublich schönen, unberührten Kontinent. Wir wurden nervös ob unsere geplante Anlandung auf dem Kontinent, am Punkt Brown Bluff, wirklich klappen würde. Und sobald wir uns diesem näherten, nahm die Eisbedeckung des Sundes rapide zu und wir konnten alsbald erkennen, dass unser Plan plötzlich unmöglich erschien. Also ging es zurück gen Westen, abermals vorbei an der argentinischen Station Esperanza. Diese «wissenschaftliche» Station hatte vor einigen Jahren vor allem dadurch Berühmheit bekommen, dass hochschwangere Argentinierinnen hierhin eingeflogen wurden um argentinische Kinder auf dem Kontinent zu gebären – natürlich ein politisches Statement!

In der Nähe der Station in der Hope Bay beschlossen wir nach freundlichem Funkkontakt mit der nahen Station eine Alternativanlandung durchzuführen. Hier befand sich eine gewaltige Adelie-Pinguin Kolonie und wir hatten die Möglichkeit diese Charaktertiere in Ruhe ganze drei Stunden zu beobachten - wie sie aus dem und ins Wasser schossen, wie sie ihre Jungen suchten, fanden und fütterten. Welch ein Anblick, welch ein Erlebnis! Natürlich ließen wir den Tieren auf ihren «Autobahnen» freie Fahrt, aber fühlten uns ansonsten «mittendrin statt nur dabei»!

Bevor es schließlich zurück ging, hatten wir zudem alle die Chance auf einen kleinen Zodiac-Cruise durch das Eis; auf der Suche nach Pinguinen und Robben. Und tatsächlich erblickten die meisten von uns sowohl Weddell-Robben, Krabbenfresser-Robben und sogar die majestätischen Seeleoparden. Ein seltener und gewaltiger Anblick diese reptilienartigen Tiere so nah zu beobachten. Irgendwann ging es dann doch zurück zum Schiff – mit Bedauern aber um viele Erlebnisse und einen Kontinent reicher!
Beim abendlichen Recap gab es natürlich wieder die Pläne von Jim, während Ali heute etwas zur Wichtigkeit von Krill erzählte. Dazu gab Christian einige Anekdoten zum Antarctic Treaty zum Besten.

Cierva Cove, Portal Point & Wilhelmina Bay
  • Datum: 30.01.2016
  • Position: 63°58‘S / 060°54’W
  • Wind: ENE 4
  • Wetter: Schnee
  • Lufttemperatur: +1°C

Der Tag begann neblig und grau. Aber es lagen beeindruckende Eisberge links und rechts der Plancius, während sie sanft durch die Orlean Strait fuhr. Ein paar Buckelwale tauchten hier und da direkt neben unserem Schiff auf, waren aber bald wieder im Nebel verschwunden. Die See war angenehm ruhig, mit nur kleineren Wellenkämmen. Und während der Weckruf von Jim und Beau erklang, begann es auch leicht zu schneien. Ein weiterer antarktischer Expeditionstag hatte hiermit begonnen.

Plan A war es heute in der Bucht Cierva Cove anzulanden, aber der immer stärker werdende Wind verhinderte sowohl einen Zodiac-Cruise als auch eine Anlandung. Allerdings hatten wir wieder einmal Glück im Unglück! Denn während wir noch in der Bucht die Bedingungen evaluierten, sahen wir wie sich eine große Gruppe Orcas bis auf wenige Meter dem Schiff näherte. Sie schienen völlig unbeeindruckt von unserer Plancius, und nach und nach erblickten wir mehr als ein Dutzend, vielleicht bis zu 20 Tiere. Ein solcher „Pod“, also ein Rudel mit so vielen Tieren ist auch für das Expeditionsteam eher ungewöhnlich. Eine dreiviertel Stunde beobachteten wir die größten aller Delfine, und erblicken sowohl wenige Monate alte Jungtiere, als auch erwachsene Männchen mit ihren beeindruckenden knapp 2 Meter langen Rückenfinnen.

Während wir Richtung Plan B, einer Landestelle bei Portal Point fuhren, konnten wir weitere beeindruckende Orca-Sichtungen bestaunen; diesmal in einer BBC Dokumentation, die in der Lounge abgespielt wurde - bis dann wieder zu einem leckeren Mittagessen unseres Chefkochs Ralf und seines Teams gerufen wurde.

Und während wir aßen wurde leider auch klar, dass unser Plan B ebenfalls nicht funktionieren würde. „Nein, nein, nein!“, auch am Portal Point war schlichtweg zuviel Wind für eine sichere Operation. „Weiter gen Süden, immer weiter“, hieß es also von Expeditonsleiter Jim!

Plan C war jetzt also die Wilhelmina Bucht. Und hier sah es nachmittags wirklich ruhiger aus. Es regnete zwar weiterhin, aber der Wind ließ nach. Und vor allem sichtete das Expeditionsteam einen Buckelwal nach dem anderen. Die Wilhelmina Bucht war heute eine echte „Wale-mania“ Bucht. Wir bestaunten die Tiere zunächst vom Schiff, bis wir dann die Zodiacs herunterließen. Und die Buckelwale schwammen wirklich überall, alle Zodiacs hatten unglaubliche Nah-Erlebnisse mit diesen riesigen Tieren. Was für ein unglaubliches Erlebnis dermaßen auf Tuchfühlung mit ihnen gegangen zu sein. Nass aber glücklich ging es zurück an Bord! Und auch „Die-an-Bord-gebliebenen“ hatten von traumhaften Sichtungen von den Decks der Plancius zu berichten.

Nach einem interessanten Recap von Beau, Tobias, Christian und Jim ging es schon bald in die Kojen. Und als wir uns ins Bett legten, fühlten sich viele von uns nach den heutigen Erlebnissen mit den gewaltigen Meeressäugern als die tatsächlich glücklichsten Menschen auf Erden.

Whalers Bay & Telefon Bay, Deception Island
  • Datum: 31.01.2016
  • Position: 63°01‘S / 060°31’W
  • Wind: W 6
  • Wetter: Regen
  • Lufttemperatur: +8°C

Der Morgen begann heute schon sehr, sehr früh. Schon um 5:00 Uhr holte uns Jims Stimme aus dem Bett. Die Plancius befand sich am Eingang zu Deception Island, den sogenannten Neptunes Bellows – einer Engstelle hinein in den Vulkan. Die Einfahrt führte an einem Brutfelsen des Pintado vorbei. Hier in der Brutkolonie rufen die schwarz-weißen Tiere unaufhörlich und bieten einen guten Vergleich zu bisherigen Beobachtungen in welchen die Vögel elegant und lautlos unserem Schiff in stundenlangem Flug gefolgt sind. Am Strand können wir die tanzenden Dämpfe erkennen, welche unsere Nasen mit ihren sulfurhaltigen Geruch augenblicklich erreichen. Unsere großartige Plancius erscheint in dieser Landschaft als miniaturisierte Karikatur. Wir erkundeten die ehemalige Walfangstation, die an eine etwas andere Zeit erinnert und einige von uns machten sich auch auf, den Strand zu erkunden und die Füße etwas zu strecken. Tief hängende Wolken und eine steife Brise machten die Landung zu einem wahrlich antarktischen Erlebnis. Zurück in der warmen Plancius genossen wir einen verdienten warmen Kaffee und ein leckeres Frühstück, während das Schiff weiter in Port Foster hineinfuhr, damit wir für Telefon Bay am späteren Vormittag bereit waren. Der Wind war noch etwas stark, aber das hielt uns nicht davon ab, auch dort an Land zu gehen. Wir landeten an einem schwarzen Sandstrand und wanderten eine Ebene hinauf zu einem Kraterrand. Dieser Bereich des Vulkans war zuletzt 1967 aktiv und erzeugte drei Krater. Nun machte sich die Natur wieder daran, die Löcher mit Sand und Eis zu füllen. Wir kämpften uns durch die tiefhängenden Wolken hinauf zu einem Aussichtspunkt. Was für ein Glück! Gerade, als wir oben angekommen waren, riss es auch etwas auf und wir konnten den gesamten Umfang der Krater und die Plancius erkennen. Wir nahmen einen etwas anderen Weg zurück zum Strand, wo wir noch auf zwei Weddelrobben und ein paar Kehlstreifenpinguine trafen. So ließ sich unsere letzte Landung schön abrunden. Die Mutigsten unter uns nahmen noch ein kurzes Bad in den kalten und nassen Fluten, bevor es dann auch schon wieder zurück zum Schiff ging.

Wir konnten ein weiteres Mal zusehen, wie unser Kapitän die Plancius durch die Engstelle Neptunes Bellows navigierte, bevor es dann letztendlich hinaus auf die offene See ging.
Das Mittagessen stand derweil auch bereit, gefolgt von etwas Zeit für ein Mittagsschlaf. Am Nachmittag hielt Tobias dann die deutsche Version seines Vortrages über die Geologie der Antarktis, während unser Chefkoch Ralf auf Englisch seinen Vortrag über die Versorgung von 149 Menschen, für 19 Tage, ohne Nachschubmöglichkeiten, in Windstärke 12 hielt.

Auch wenn wir zwar keine Windstärke 12 haben, so schaukelte die Plancius doch ganz schön hin und her, was Ralfs Vortrag noch etwas Nachdruck verlieh.
Am späteren Nachmittag stellte uns dann Jim noch sein Buch über Ernest Shackleton vor. Jim portraitierte Ernest Shackleton an Hand von Gedichten. Shackleton war ein Mann, der die Poesie liebte, und er zitierte häufig Gedichte oder Gedichtszeilen in Briefen oder in seinem Tagebuch. Das wohl Berühmteste ist auf der Rückseite seines Grabsteins in Grytviken zu lesen: „I hold that a man should strive to the uttermost for his life’s set price“ (Robert Browning).

Anschließend war es wieder Zeit für unsere allabendliche Tageszusammenfassung und einem weiteren leckeren Abendessen.

Auf See in Richtung Ushuaia
  • Datum: 01.02.2016
  • Position: 60°13‘S / 063°58’W
  • Wind: WNW 5
  • Wetter: Nebel
  • Lufttemperatur: +2°C

Heute Nacht hatte es wieder heftig geschaukelt. Viele kamen etwas unausgeschlafen zum Frühstück. Es schmeckte natürlich trotzdem und es wurde ja auch eine Wetterbesserung versprochen.
Während Tobias uns auf Englisch in verschiedenste polare optische Phänomene einführte, erzählte uns Christian spannende Geschichten aus der Winterzeit auf Spitzbergen; optische Phänomene des Lichts und der Dunkelheit sozusagen.

Kurz nach den morgendlichen Vorträgen wurden die meisten Außendecks wieder geöffnet. Für viele war es eine Erleichterung, sich endlich wieder an der frischen Luft bewegen zu können. Außerdem begleiteten zahlreiche Vögel unser Schiff, angefangen von Wander- und Königsalbatrossen, über Graukopfalbatrosse und Rußalbatrosse bis hin zu Silber-Sturmvögeln. Um die Mittagszeit sahen einige von uns einige Delfine, die in der Bugwelle der Plancius spielten.

Nach dem Mittagessen, das wegen des anhaltenden Wellengangs vorsichtshalber wieder am Tisch serviert wurde, führte uns dann Gérard in die besondere Dynamik des südlichen Ozeans ein; spannend und lehrreich, wie eh und je.
Der Abend klang dann diesmal etwas anders aus. Ali leitete ein Pub-Quiz, welches unser gesammeltes Wissen auf den Prüfstand stellte. Harte Nüsse gepaart mit etwas humorvolleren Fragen führten zu allseitigem Grübeln und Lachen. Der Sieg ging nach harten Kämpfen an ein deutsch-schweizerisches Team. Vielleicht auch dank Tobias´ und Christians Übersetzung?!

Auf See in Richtung Ushuaia
  • Datum: 02.02.2016
  • Position: 56°16‘S / 067°06’W
  • Wind: ENE 5
  • Wetter: bewölkt
  • Lufttemperatur: +3°C

Heute früh befanden wir uns noch auf offener See. Es war eine relativ ruhige See. Vögel flogen überall. Und kurz nach unserem „Frühstückchen“, befanden wir uns schon bei Kapp Horn! „Land ist in Sicht!“, schreit unser Expeditionsleiter Jim. Wo ist Andreas? Fragt er. Unser schwedischer Guide spricht auch ein bisschen Spanisch. Glück gehabt! Wir konnten mit der Chilenischen Küstenwache reden und näher an Land kommen als normal – bis auf 3 Seemeilen. Mit einem guten Fernglas lassen sich selbst die Statue des Albatros und die überdimensionierte chilenische Flagge entdecken. Ein schönes Ende dieser hervoragenden Reise! Es kommt nicht allzu häufig vor, dass wir so nah heran kommen dürfen.

Und dann ging es auch schon weiter mit unserem Tagesprogramm. Die Ali spricht über Frauen, die etwas Besonderes in der Antarktis gemacht hatten, während Christian über einen Norweger namens Hjalmar Johansen, redet, der zusammen mit Nansen und Amundsen auf deren Expeditionen zu sowohl dem Nord-, als auch dem Südpol dabei war.

Dann wurde es etwas ernster. Es war Zeit für den langerwarteten Moment: wir müssen uns alle von unseren heiß geliebten Gummistiefeln trennen. Der Beau rufte uns Deck für Deck auf, bis jeder seine Stiefel abgegeben hatte. Ein traurige Moment, der Gedanke, dass es keine Landungen mehr geben wird, wo wir unsere Stiefel bräuchten! Aber so ist es nach einer langen Reise. Alles hat irgendwann ein Ende...

Das kann dann schon mal hungrig machen und so war wieder Zeit für ein weiteres leckeres Mittagessen. Die Stärkung brauchten wir auch, denn es ging direkt nach dem Essen mit dem Ernst des Lebens weiter. Die Schiffsrechnung musste beglichen werden. Mancher von uns hatte so viel getrunken, dass wir kein Tonic Water mehr an Bord hatten! Wie haben das nur unsere britischen Gäste überlebt? Schließlich leben sie doch für Gin&Tonic! Aber glücklicherweise hat jeder Brite an Bord überlebt; trotz des fehlenden Tonics.

Am Nachmittag gaben uns Jim und Christian, in Englisch und Deutsch, einen Überblick über andere Reisen mit Oceanwide Expeditions in der Arktis, Spitzbergen, und Grönland. Und dann war auch schon wieder Zeit zum Trinken!
Es war Zeit, beim Kapitänstoast in der Lounge, Abschied zu nehmen. Jeder hatte ein Glas Blubberwasser, und nach einer kurzen aber schönen Rede unseres Kapitäns, stießen wir auf ihn und ein gelungene Reise an.

„Abendessen!“, schreit der Robert. Ja, es gab noch eine Mahlzeit von unserem hervorragenden Chefkoch Ralf – traurigerweise auch die Letzte! Das war ein tolles Ende einer tollen dreiwöchigen Reise, auf der guten Plancius, über die Falklandinseln und Südgeorgien in die Antarktis. Es war eine der besten Reisen der ganzen Saison, voll von glücklichen Momenten, vielen Tiere, traumhaften Landschaften, und nicht zuletzt einem hervoragenden Expeditionsteam.

Ankunft in Ushuaia
  • Datum: 03.02.2016
  • Position: 54°48.52‘S / 068°18’W

Heute war unser Ausschiffungstag in Ushuaia. Nach unserer Ankunft am Pier waren auch noch die Formalitäten der argentinischen Behörden zu erledigen, während wir frühstückten. Dann erhielten wir um 8.30 das offizielle «ok» zum Verlassen des Schiffes. Am Pier selbst war nun endgültig Schluss und wir verabschiedeten uns von Menschen, die uns in den letzten 19 Tagen begleitet haben und uns teilweise ein wenig ans Herz gewachsen sind. Während der Bus uns wegbrachte, warfen wir einen letzten Blick auf die Plancius, die uns zu all den fantastischen Plätzen gebracht hatte. Diese Reise wird uns ein Leben lang begleiten - in unseren Erinnerungen, unseren Gedanken… und besonders in unseren Träumen.

Wir danken Euch allen für eine wunderbare Reise, für Eure Gesellschaft und Euren Enthusiasmus. Wir hoffen, Euch alle irgendwann in der Zukunft wieder anzutreffen, wo immer das auch sein möge!

Gesamtdistanz auf dieser Reise: 3537 Seemeilen (6550 Km)

Im Namen von Oceanwide Expeditions, Kapitän Nazarov, Expeditionsleiter Jim Mayer und der gesamten Crew und dem Expeditionsteam: Es war eine Freude, mit Euch zu reisen!

Schiff-Info

Cabin

MS Plancius

Das eisverstärkte Schiff Plancius ist ein ideales Schiff für polare Expeditionsfahrten in die Arktis und Antarktis.

Alle Schiff-Informationen

Details

Tripcode:PLA27-16

Daten:16 Jan – 3 Feb, 2016

Dauer:18 Nächte

Schiff:MS Plancius

Einschiffung:Ushuaia

Ausschiffung:Ushuaia

Trip-Log als PDF-Datei

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