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Logbuch

Longyearbyen
  • Datum: 06.09.2016
  • Position: 78° 14.0’ N / 015° 37.0’ E
  • Wind: S 2
  • Wetter: teilweise bewölkt
  • Lufttemperatur: +5°C

Endlich in Longyearbyen, endlich in der Arktis! Wochen und Monate, vielleicht sogar Jahre hatten wir auf diesen Moment gewartet. Nun waren wir am Pier angekommen und wurden von unserem Expeditionsteam begrüßt. In schönstem Spätsommer-Sonnenschein lag Plancius vor den schneebe-zuckerten Bergen vor Anker. Unser arktisches Abenteuer begann umgehend: Wir bekamen gezeigt, wie man die Rettungsweste anlegt, und wurden anschließend stilecht per Zodiac zum Schiff gefah-ren. Dort angekommen, stiegen wir die Gangway hinauf, und das Hotel-Team um André und Dejan brachte uns zu unseren Kabinen. Unser Gepäck hatten viele fleißige Hände schon zum Schiff trans-portiert, und so konnten wir uns in aller Ruhe zum ersten Mal an Bord umsehen. (Manchen von uns war Plancius von früheren Reisen her auch schon sehr vertraut.)

Als alle an Bord waren, lichteten wir den Anker, und pünktlich zum Auslaufen tauchte ein Zwergwal ganz in der Nähe des Schiffes auf – unsere erste Begegnung mit der faszinierenden Tierwelt, noch ehe die Reise so richtig begonnen hatte! Zum ersten Mal versammelten wir uns in der Lounge, um den Sicherheits-Informationen des Ersten Offiziers Jaanus zu lauschen. Unmittelbar danach war es Zeit, die Theorie praktisch zu unterfüttern: Für die Rettungsübung fanden wir uns bei Ertönen des Generalalarms (sieben kurze Töne und ein langer Ton) mit unseren großen orangefarbenen Ret-tungswesten in der Lounge ein. Dort wurde sichergestellt, dass auch wirklich alle anwesend waren, und als der Alarm zum Verlassen des Schiffs erklang, marschierten wir zu den Rettungsbooten.

Hotelmanager André machte uns anschließend mit dem Schiff und seinen wichtigsten Einrichtungen sowie einigen Spielregeln an Bord vertraut, und wir lernten beim Toast auf die Reise unseren Kapitän Alexey Nazarov kennen. Das Expeditionsteam stellte sich vor, und Expeditionsleiter Andrew gab einen Ausblick auf den morgigen Tag. Dann war es schon Zeit für die erste von vielen sehr le-ckeren Mahlzeiten an Bord, zubereitet von Küchenchef Ralf und seiner Mannschaft. Plancius wiegte sich in der Dünung, fuhr hinaus aus dem Isfjorden und nahm Kurs auf den Nordwesten von Spitz-bergen.

Raudfjorden: Hamiltonbukta und Alicehamna
  • Datum: 07.09.2016
  • Position: 79° 48,0‘ N, 011° 06,9‘ E
  • Wind: SSW 6
  • Wetter: bedeckt
  • Lufttemperatur: +4°C

Der frühe Morgen gab sich anfangs noch bewegt, während wir über die „Bank der sieben Gletscher“ (auf Norwegisch: Sjubrebanken) am Magdalenefjord vorbei in Richtung Norden fuhren, doch durch Sørgattet entkamen wir bald der unruhigen See, und im Smeerenburgfjorden angelangt zeigte sich der Frühstückssaal wieder gut besucht. Während Plancius sich sozusagen durch die Hintertür an Danskøya und Amsterdamøya vorbei in den Raudfjorden aufmachte, stand das obligatorische Sicherheitsbriefing über Eisbären und den Zodiac-Transport auf dem Plan. Sortiert nach Sprachkenntnissen – Deutsch oder Englisch – fand das Briefing zeitgleich mit der Ausgabe der Gummistiefel statt. Und dann ging es auch gleich ans Warmanziehen und Ausprobieren, denn der erste Ausflug stand bevor: ein Zodiac-Cruise in der Hamiltonbukta mit Gletscherpanorama.

Die Wolken hingen tief, und leichter Regen ließ Himmel und See nahezu übergangslos verschmel-zen, aber davon ließen wir uns nicht abschrecken. Das galt offensichtlich auch für die ansässigen Polarfüchse – wir hatten uns kaum dem Vogelfelsen genähert, da erspähte Shelli schon den ersten, ziemlich interessierten und besucherfreundlichen Polarfuchs, der ausgiebig und geduldig vor unse-ren Kameras posierte.

Wir schlichen uns vorsichtig durch zahlreiche Eisbrocken im Wasser weiter in die Bucht hinein, wo am Strand vor dem Gletscher gleich mehrere weitere Füchse anzutreffen waren, darunter auch ein paar Blaufüchse. Sie spielten am Strand mit Algen, jagten einander und ließen sich durch unsere Anwesenheit überhaupt nicht stören. Weiter ging es, vorbei an den Gletscherfronten, von denen es immer wieder mal rumpelte und auch schon ein paar Eisbrocken abbrachen, und dann zurück zu Plancius. Dort wartete schon bald das Mittagessen, das uns wieder Wärme und Energie zuführte, während Kapitän Alexey bereits Alicehamna ansteuerte, unser Ausflugsziel für den Nachmittag.

Dort angekommen, verteilten wir uns je nach Bewegungsdrang auf drei Gruppen mit unterschiedli-chen Ambitionen und eroberten gemeinsam mit unseren Guides die nähere Umgebung. Hier gab es viel zu sehen: eine Trapperhütte von 1927 (diese konnten wir sogar von innen in Augenschein neh-men) sowie verschiedene Gräber, sowohl aus der Zeit des Walfangs als auch jüngeren Datums, so-wie die Überreste einer Klappfalle zur Fuchsjagd. Vom höchsten Punkt von Bruceneset aus bot sich eine gute Aussicht auf die Umgebung, die sich leider immer noch regnerisch-trüb zeigte. Den De-tailversessenen bot sich eine Vielfalt an Motiven mit Flechten, Steinen und Pflanzen.

Wieder zurück an Bord war uns das leckere Drei-Gänge-Menü zum Abendessen äußerst willkommen – so viel frische Luft macht hungrig! Gut gesättigt wendeten wir die Nase gen Westen, und Plancius nahm Kurs auf Grönland.

Auf dem Weg nach Grönland
  • Datum: 08.09.2016
  • Position: 78° 33,6‘ N, 001° 30,8‘ E
  • Wind: NNW 3
  • Wetter: teilweise neblig
  • Lufttemperatur: -1°C

Über Nacht hatten wir Spitzbergen hinter uns gelassen. Die Dünung hatte zugenommen, und unsere Hoffnungen, ins Meereis vorzustoßen, wurden vom aufziehenden Nebel zunichte gemacht. Das Gute daran: Nach so einem trüben Tagesbeginn konnte es nur besser werden.

Ruedi von der Polar-News-Gruppe hielt einen Vortrag über Grönland, die Tiere, das Nordlicht und das Eis. Er machte uns den Mund so richtig wässrig: wunderschöne Filmaufnahmen von Moschusochsen, Polarhasen und Robben; Fotos lachender Inuit-Kinder und farbenfroher Holzhäuser. Als wir aus dem Speisesaal strömten, hatte die Rezeption sich in den Schiffsladen verwandelt. Jacken, T-Shirts, Bücher, Karten und Kuschel-Eisbären standen zum Verkauf.

Nach dem Mittagessen kam die Sonne heraus; Plancius fuhr in ein Gebiet mit losem Treibeis. Es glitzerte weiß in der ruhigen See. Ums Schiff herum sahen wir Eissturmvögel, Gruppen der lustigen schwarzweißen Krabbentaucher, aber auch die seltenen Elfenbeinmöwen. Auf Eisschollen und im Wasser wurden Sattel-und Ringelrobben gesichtet, die jedoch schnell abtauchten, wenn das Schiff ihnen zu nahe kam. Die meisten von uns waren auf den Außendecks, machten Fotos oder genossen den Anblick des Eises. Es handelte sich um ein kleineres Treibeisfeld, und schon bald waren wir wieder herausgefahren. Das Meer lag ölig, glatt und leer da – eine gute Gelegenheit, drinnen mehr über Eis zu erfahren. Katja hielt einen Vortrag über die verschiedenen Eisformen in der Arktis. Sie erklärte, wie Schneeflocken durch die Atmosphäre segeln, wie Eisblumen Ozon abbauen, wie das Meer gefriert und warum manche Eisberge so schön blau sind.

Zum Kaffee in der Lounge gab es Schokocrossies garniert mit einer Portion Seiwal: Der Wal schwamm tatsächlich gut sichtbar an den Fenstern der Lounge vorbei. Diese Walart kann eine Län-ge von bis zu 16 Metern erreichen und unterscheidet sich vom Finnwal durch die größere Rücken-flosse, die kleinere Atemfontäne und die fehlende weiße Färbung des rechten Unterkiefers. Nach-dem der Wal mehrere Male aufgetaucht war, ließen wir ihn zurück und fuhren der Eiskante entge-gen. Ein orangefarbener Streifen leuchtete am Horizont, durchzogen von grauen Schleiern.

Zum Tagesrückblick versammelten wir uns in der Lounge. Das dort gespannte Seil verhieß nichts Gutes, und Andrew bestätigte unsere Befürchtungen: Ein Sturm war auf dem Weg – wir würden mit ausgeprägten Schiffsbewegungen rechnen müssen. Da tröstete es auch nur wenig, dass Sandra uns von den harten Männern und Frauen erzählte, die damals in kargen, einsamen Holzhütten in Spitz-bergen überwinterten, um arglosen Füchsen das Fell über die Ohren zu ziehen.

Nach dem Abendessen war das Meer nach wie vor ruhig, und Plancius durchquerte weitere Treib-eisfelder. Die meisten von uns machten sich daran, Sturmvorkehrungen zu treffen: Kameras weg-schließen, Schranktüren und Schubladen sichern, vorsichtshalber noch mal duschen gehen, ehe es morgen dafür zu ungemütlich werden würde. Die glatte See fühlte sich an wie die sprichwörtliche Ruhe vor dem Sturm …

Auf dem Weg nach Grönland
  • Datum: 09.09.2016
  • Position: 75° 55,5‘ N, 008° 37,2‘ W
  • Wind: S 4
  • Wetter: bedeckt
  • Lufttemperatur: +2°C

Der Tag began mit einer freudigen Enttäuschung: Vom angekündigten Sturm war weit und breit noch nichts zu spüren – die ganze ruhige Nacht hindurch hatte sich Plancius in Richtung Grönland vorgearbeitet. Pünktlich zum Ende des Frühstücks tauchte ein Finnwal neben dem Schiff auf und gab uns Gelegenheit, ihn zu bestaunen. Nachdem der Wal einige Male seine Rückenflosse gezeigt hatte, verschwand er wieder in der Tiefe. Zwei weitere Finnwale kamen sogar noch näher ans Schiff heran; unter des Kapitäns geschickten Händen schlich sich Plancius in die beste Fotoposition.

Nach dieser großartigen Begegnung machten sich Beau in der Lounge und Irene im Restaurant da-ran, ihren sehr interessierten Zuhörern und Zuschauern die Themen Fotografie respektive Schlit-tenhunde näherzubringen. Nach dem Lunch nutzten die meisten von uns die Chance, sich von Plancius sacht in den Mittagsschlaf wiegen zu lassen – der vorhergesagte Sturm ließ noch immer auf sich warten, auch wenn im Laufe des Nachmittags sowohl Wind als auch Schiffsbewegung allmählich zunahmen. Das Expeditionsteam nutzte die Gunst der Stunde und setzte das Vortragsprogramm der „Plancius-Akademie“ nach der Mittagspause fort: Ab 15 Uhr gab Sandra im Speisesaal auf Deutsch Tipps und Anregungen für bessere Fotos, und Irene berichtete parallel dazu in der Lounge auf Englisch über ihre Schlittenhunde.

Anschließend fand der sehr leckere Kuchen von Bordbäcker Roger viele Abnehmer, und frisch ge-stärkt ging das Vortragsprogramm weiter: Ruedi (auf Deutsch) und Beau (auf Englisch) stellten uns die arktischen Wale vor – perfekt passend zu den tierischen Erlebnissen von gestern und heute.

Kaum waren die Vorträge zu Ende, sorgte ein Überraschungsgast für Aufregung: Beau entdeckte einen Fischadler, der sich Plancius als Ziel ausgesucht hatte! Diese Raubvögel sind normalerweise in Nordamerika oder Skandinavien zu Hause, aber weder in Island noch in Spitzbergen oder Grönland – es musste sich um einen sehr weit vom Weg abgekommenen Irrläufer handeln. Der sichtlich erschöpfte und nasse Vogel versuchte wiederholt, an Bord zu landen – mal am Krähennest, mal auf dem Kran, später auf einem Zodiac. Immer wieder erhob er sich, flog eine Runde ums Schiff und versuchte es erneut, offensichtlich auf der Suche nach einem Rastplatz. Schließlich schien der Kran am ehesten seinen Vorstellungen zu entsprechen, und er ließ sich dort nieder, das Gefieder zerzaust vom Wind und nass vom Regen.

Im Recap erfuhren wir von Andrew einiges über „Plan A“ in den kommenden Tagen – morgen wür-den wir zum ersten Mal in Grönland anlanden. Michelle erzählte etwas über den Namenspatron unseres Schiffes, Petrus Plancius, und dann war es auch schon Zeit fürs Abendessen. Die Schiffsbe-wegung nahm indessen weiter zu – es sah ganz nach einer stürmischen Schlussetappe nach Ost-grönland aus.

Myggbukta & Kejser Franz Joseph Fjord
  • Datum: 10.09.2016
  • Position: 73° 28,7‘ N, 021° 30,2‘ W
  • Wind: NE 3
  • Wetter: bedeckt
  • Lufttemperatur: +2°C

In den frühen Morgenstunden entrann Plancius der heftigen See und fand Zuflucht in der Macken-zie-Bucht, an der Mündung des Kejser-Franz-Joseph-Fjords. Hier beruhigte die Dünung sich einiger-maßen, und die Sonne versuchte, sich durch die Wolken Zugang zur Landschaft zu verschaffen. Während wir noch frühstückten, machten unsere Guides sich an die Vorbereitungen des geplanten Ausflugs in der Myggbukta. Doch das Erkundungs-Zodiac war noch gar nicht gestartet, da wurde „Plan A“ bereits durch „Plan B“ abgelöst: Wache Augen hatten doch tatsächlich einen Eisbären un-weit der Uferlinie erspäht!

Bären gehören auf Grönland zum jagdbaren Wild und sind dementsprechend vorsichtig, was den Kontakt mit Menschen angeht. Schon der Auftakt dieses Morgens war also eine regelrechte Sensa-tion. Doch damit nicht genug: Aus „Plan B“ wurde relativ zügig „Plan C“ – denn gleich drei weitere Bären waren an einem anderen Abschnitt des Ufers unterwegs. Ein Muttertier mit zwei Jungen wanderte von der anderen Seite auf die Hütte zu. Was für ein spektakulärer Tagesbeginn!

„Plan C“ war ein Zodiac-Cruise entlang der Strandlinie im Versuch, den ersten Bären zu betrachten. Das war gar nicht so einfach, denn die Wellen brachen sich am Ufer so kräftig, dass die Zodiacs auf und ab tanzten. Der ruhende Bär ließ sich von uns nicht stören, und wir konnten ihn aus sicherer Entfernung jenseits der Brandung beobachten.

Als von der Brücke die Nachricht kam, dass Familie Bär sich entschlossen hatte, ihre Wanderung anstatt zur Hütte lieber ins Hinterland fortzusetzen, nahmen die Zodiacs Kurs auf die Lagune. Dort bekamen wir Gelegenheit zu einem kurzen Landgang mit freier Bewegung innerhalb des von unse-ren Guides gebildeten Halbkreises. Sie beobachteten den Bären und hielten nach allen Seiten Aus-schau, während wir über die Tundra spazierten und die Hütte besichtigten. Heutzutage dient die ehemalige Wetter- und Funkstation als Depot der Siriuspatrouille, einer Spezialeinheit der däni-schen Marine. Etwa eine halbe Stunde gab uns der Bär, bevor er uns offensichtlich doch interessant fand und in Richtung Hütte losschlenderte. Also kletterten wir in die Zodiacs und kehrten zur Plancius zurück.

Der Anker wurde gelichtet, und für den Rest des Tages stand Kreuzfahrt auf dem Program: Umgeben von hohen, beeindruckend gemusterten Felsen führte unsere Route von Eisberg zu Eisberg, und Kapitän Alexey Nazarov und seiner Besatzung machte es sichtlich Spaß, uns die schönsten und fantasie-vollsten dieser Gebilde ganz aus der Nähe und von allen Seiten zu zeigen. Das Wetter wurde immer besser, Sonnenschein zauberte frische Farben in die Landschaft und vielleicht auch auf das eine und andere Gesicht.

Der Tagesrückblick bot uns einen kurzen Einblick in Grönlands Geologie – Expeditionsleiter Andrew erzählte von der Entstehungsgeschichte der interessanten Gesteinsformationen zu unseren Seiten. Danach stellte uns Irene die Sirius-Patrouille vor, die per Hundeschlitten entlang der Nordostküste Grönlands die dänische Souveränität aufrechterhält.

Weiter ging es, immer tiefer in den Kejser-Franz-Joseph-Fjord, und während die untergehende Son-ne noch mal alle Farben spielen ließ, hatte der Küchenchef mit seinen Helfern auf dem Achterdeck ein Freiluft-Buffet gezaubert – unser erster Tag in Grönland fand mit einer arktischen Grillparty seinen fröhlichen Abschluss.

Blomsterbugten & Maria Ø
  • Datum: 11.09.2016
  • Position: 73° 21,1‘ N, 025° 21,8‘ W
  • Wind: verschiedene Richtungen 2
  • Wetter: Regen
  • Lufttemperatur: +5°C

Die Nachtstunden verbrachten wir sanft dümpelnd im Kejser-Franz-Joseph-Fjord – eine Wohltat nach der gestrigen wilden Nacht. Der Kapitän hatte Plancius so geparkt, dass wir beim Aufwachen das Teufelsschloss, einen 1340 m hohen und sehr markanten Felsen, im Licht der aufgehenden Sonne hätten sehen können, wenn es nicht so verflixt neblig und regnerisch gewesen wäre. Graue Wolken verhüllten das obere Drittel des Berges, und die wunderbare Geologie, die farbigen Schichten und Verwerfungen waren nur zu erahnen.

Plancius setzte ihren Eisberg-Slalom fort bis zur Blomsterbugten, der Bucht der Blumen, so benannt von einer Expedition im Jahr 1930, die hier eifrig botanisierte. Hier gingen wir nach dem Frühstück an Land. Flüssiger Sonnenschein fiel vom Himmel, doch wir ließen uns die Laune nicht verderben. Die langen und mittleren Wanderer erklommen die vom Gletscher gerundeten Hügel. Sie pirschten sich an Polarhasen an, und manche erhaschten sogar einen Blick auf ziemlich weit entfernte Moschusochsen. Auf den Bergrücken pfiff der Wind, Regen stach ins Gesicht, Fotografieren wurde zur Herausforderung.

Währenddessen schauten sich die Spaziergänger die kleine schwarze Hütte in der Nähe des Ufers an. Erbaut wurde sie 1929 von norwegischen Trappern. Die neue Teerpappe auf dem Dach und an den Wänden zeigte jedoch, dass sie noch immer in Benutzung ist. Heute sind es die Männer der Sirius-Patrouille, die hier gelegentlich eine Nacht verbringen. In der Blomsterbugt waren außerdem tatsächlich noch einige Blumen zu sehen: Der Fetthennensteinbrech blühte gelb, einen Violett-Ton fügten die allerletzten Blüten des Roten Steinbrech hinzu; dominiert wurde die Palette jedoch von den durch den Regen noch intensivierten Herbstfarben der Polarweide (gelb), der Polarbirke (oran-ge bis rot) und der Alpen-Bärentraube (tief dunkelrot).

Während wir zu Mittag aßen, trockneten Jacken und Hosen auf der Heizung und waren bald ein-satzbereit für den nächsten Landgang. Vorher jedoch gab es noch einiges vom Schiff aus zu bestaunen: Wir fuhren durch den Antarctic Sund, benannt nach einem Schiff, das 1899 hier nach dem vermissten Andrée und seinem Ballon suchte. Am Ufer konnten wir mit Hilfe von Fernglas und Teleskop vereinzelte Moschusochsen entdecken.

Am beeindruckendsten waren jedoch die Berge. Es fühlte sich an, als ob wir durch die Erdgeschich-te führen. Jede einzelne Schicht war deutlich zu erkennen, rot, gelb, schwarz, weiß und violett. Manchmal dünn wie Baumkuchenschichten, manchmal dick und zappelig wie durchwachsener Speck. Auch wer sich sonst nicht für Geologie begeistern konnte, geriet hier unweigerlich ins Schwärmen.

Gegen 17 Uhr waren wir bereit, uns ein weiteres Mal dem Regen zu stelllen. Auf Maria Ø gingen wir an Land. Die kleine Insel im Antarctic Sund wurde vor tausenden von Jahren von Gletschern überarbeitet; alle Felsen sind rund und abgeschliffen. Es gab herbstliche Tundra und regendurchnässte Schneehasen zu bestau-nen. Sehr aufregend war der Fund relativ frischer Eisbärenspuren im lehmigen Boden am Strand. Erstaunlich, wie groß die Tatzen waren! Wann war der Bär hier durchmaschiert – und wo war er jetzt? Zum Glück blieb letztere Frage unbeantwortet. Zurück an Bord legten wir uns ein weiteres Mal trocken, bevor uns Andrew in die Pläne von morgen einweihte. Natürlich hofften alle, dass die Luftfeuchtigkeit morgen weniger als 100 Prozent betragen würde …

Alpefjord & Segelsällskapet Fjord
  • Datum: 12.09.2016
  • Position: 72° 09,4‘ N, 025° 26,1‘ W
  • Wind: S 3/4
  • Wetter: bedeckt
  • Lufttemperatur: +3°C

Der morgendliche Blick aus dem Bullauge oder Fenster war ermutigend: kein Regen! Unter drama-tischen Wolken fuhr Plancius immer tiefer in den Alpefjord hinein, an dessen Ufern steile Felsen auf mehr als 2000 Meter Höhe anstiegen. Direkt vor dem Schiff schien das Eis des Sefstrøm-Gletschers den Fjord komplett auszufüllen entlang dieser spektakulären Front sollte nach dem Frühstück unser Zodiac-Ausflug führen. Wir zogen uns warm an und stiegen die Gangway hinunter in die Boo-te. Zwar fing es nach einigen Minuten an zu tröpfeln, aber da hatten wir die ersten Eisberge schon erreicht und waren völlig hingerissen von ihrer Schönheit und der faszinierenden Landschaft um uns herum. Unablässig klickten die Kameras, als wir an den eisigen Gestalten und der Gletscherfront entlangfuhren. Die Bedingungen waren perfekt: Es war fast windstill und nicht zu kalt bei be-decktem Himmel, der die Blautöne im Eis gut zur Geltung brachte.

Bald fanden wir heraus, dass der Sefstrøm-Gletscher den Fjord nur scheinbar blockiert: An der rechten Seite gab es einen Durchschlupf in den hinteren Teil des Fjordes, und wir setzten unsere Erkundungs- und Panoramatour zwischen der beeindruckenden Gletscherfront und himmelhohen dunklen Bergen fort. Viel zu schnell verrann die Zeit!

Während Plancius wieder aus dem Alpefjord hinausfuhr, hatten wir Gelegenheit, uns am Mittags buffet zu stärken und die Energiedepots wieder aufzufüllen – schließlich stand schon bald die nächste Landung an einer ganz besonderen Stelle an: im Segelsällskapetfjord, dem (Königlich Schwedischen) Yachtclub-Fjord. Der Name wurde 1899 vom schwedischen Entdecker Nathorst ver-geben, der auf der Suche nach dem verschollenen Ballonfahrer Andrée war. Aber nicht nur der Name ist etwas Besonderes, sondern auch die Landung selbst – wo sonst kann man auf wunderschöner Geologie herumspazieren und Erdgeschichte anfassen?

Nach der Anlandung durften wir uns innerhalb eines von den Guides gebildeten Korridors frei be-wegen. Und so bestaunten wir die bunten Felsen mit ihrer psychedelischen Zeichnung, spazierten über die Tundra, entdeckten doch tatsächlich auch hier neben Herbstfarben noch Blüten, sogar die der grönländischen Nationalblume (Arktisches Weidenröschen), und genossen es, einfach irgendwo zu sitzen und auf den Fjord hinauszuschauen. Auch hier verging die Zeit wie im Fluge, und es war wirklich nicht einfach, sich von den bunten Steinen und dieser wunderbare Stelle zu trennen – schnell noch ein letztes Foto und noch eins …

Als alle wieder an Bord waren, setzte sich Plancius in Richtung offenes Meer in Bewegung. Für 16.45 Uhr hatte das Expeditionsteam zwei Vorträge angesetzt: Gérard sprach auf Englisch über die Besiedlungsgeschichte Grönlands, während Ruedi auf Deutsch die Eisbären porträtierte. Das Bil-dungsprogramm setzte sich im Recap quasi nahtlos fort: Andrew brachte uns die Geologie nahe, auf der wir heute herumgestiefelt waren und die wir in den vergangenen Tagen gesehen hatten. Sandra und Irene machten uns mit der Namensherkunft von einigen der Orte vertraut, die wir besucht hatten – danach wussten wir, wie man „Segelsällskapetfjord“ überzeugend ausspricht. Vielleicht war es ja auch die „Happy Hour“ an der Bar, die beim Überwinden entsprechender Sprachschwierigkeiten half?

Vikingebugt
  • Datum: 13.09.2016
  • Position: 70° 23,8‘ N, 023° 09,0‘ W
  • Wind: NW 6
  • Wetter: Regen
  • Lufttemperatur: +2°C

Die Nacht gestaltete sich erneut bewegt, als Plancius den Kong Oscar Fjord verließ, aber inzwischen waren wir so routiniert, dass wir das Rollen und Nicken in unseren Kabinen gut abwetterten. Pünktlich zum Sonnenaufgang – der leider noch hinter geschlossener Wolkendecke stattfand – erreichte Plancius den Scoresby Sund und fand dort Schutz vor Windstärken von bis zu 56 Knoten (1 Knoten = 1 Seemeile pro Stunde = 1,852 km pro Stunde).

Zunächst leistete uns das Grauwetter noch Gesellschaft, als wir an den ersten wirklich großen Eisbergen vorbeifuhren, doch in Richtung Westen sah es immer besser aus. Am Vormittag gab es erneut das Bildungsangebot der Plancius-Akademie: Katja hatte eine Vorlesung über Eisbären vorbereitet, und mit Michelles Hilfe konnte man sich einen Überblick über die Geschichte Grönlands als Siedlungsgebiet verschaffen. Damit kaum fertig, war plötzlich fantastisches Wetter aufgezogen, und Plancius vergnügte sich sogleich in ihrer Lieblingssportart, dem Eisbergkunstlauf. Kapitän Alexej führte mit galanter Hand, und gemeinsam mit dem Schiff drehten wir Pirouetten um die schönsten und interessantesten Eisberg-Exemplare, bis wir an unserem heutigen Ausflugsziel, der Vikingebugt, angekommen waren. Schnell noch am Lunchbuffet gestärkt, und dann ging es in die Zodiacs, zu einer ausgiebigen Exkursion in die Welt der weißblauen Riesen.

Zunächst allerdings wollten wir uns die Eisbären anschauen, der kurz vor dem Ausbooten oberhalb eines Seitenarms gesichtet worden waren – ein Muttertier mit zwei älteren Jungen. Denen war unser Interesse gar nicht geheuer, und so blieb es bei Bildern aus gesitteter Entfernung, bevor wir kurz bei einem idyllischen Wasserfall an Land gingen, um die lokalen Basaltformationen aus der Nähe zu bewundern. Dann ging es wieder in die Zodiacs und zurück in die Vikingebugt, wo sich die Eisberge und die Front des Bredegletschers in strahlendem Sonnenschein von ihren besten Seiten präsentierten. Obwohl die Bucht gut gefüllt war mit Eisbergen aller Größen, Formen und (fast aller) Farben, gab es genügend Platz für alle, und die Sonne ließ den eisigen Skulpturenpark besonders schön glitzern.

Wir strahlten mit der Sonne um die Wette, als wir wieder zurück an Bord waren. Der klare Himmel begleitete uns noch bis zum Sonnenuntergang, der die Eisberge um uns herum in stimmungsvolle Farben kleidete, während Plancius sich durch Hall Bredning weiter nach Norden bewegte. Kaum hatten die Kameras etwas Ruhe bekommen, herrschte plötzlich wieder Aufregung: Der Mond ging über den Bergen und Eisbergen auf! Die Fotografen sammelten sich am Achterdeck. Und noch bevor es richtig dunkel war, tauchten am Himmel weitere Farbnuancen auf: Nordlichter! Die grünen Schleier woben und tanzten über unseren Köpfen. Vor lauter Auswahl wussten wir kaum, wohin zuerst fotografieren – oder doch einfach nur genießen?

Sydkap & Skillebugt
  • Datum: 14.09.2016
  • Position: 71° 17,2‘ N, 025° 03,2‘ W
  • Wind: WNW 7
  • Wetter: klar
  • Lufttemperatur: +6°C

Zwar war die Nacht für manche etwas kurz gewesen (schließlich mussten Polarlichter bestaunt und fotografiert werden), aber die Fahrt durch Hall Bredning im Morgenlicht war es wert, nach wenigen Stunden Schlaf wieder aufzustehen. Bisher wurden wir nicht mit Sonnenaufgängen verwöhnt, aber heute war die Kombinaton aus Sonne und Eisbergen nicht zu schlagen.

Für den Morgen war eine Anlandung am Sydkap nahe des Eingangs des Nordvestfjords am nord-westlichsten Ende des Scoresbysunds geplant. Als wir dort ankamen, blies der Wind mit gut 35 Kno-ten. Der Kapitän kannte jedoch noch eine weitere Ankerstelle in der Nähe. Im Schutz einiger Felsin-seln, unweit von ein paar modernen Jagdhütten, gingen wir an Land.

Die verschiedenen Wandergruppen erkun-deten die Tundra, die im Sonnenlicht beson-ders schön leuchtete. Das Gelb der Polarweide und das Rot der Zwergbirke wirkten wie Feuersprenkel im sonst üblichen Braun und Grün der Vegetation. Der Schritt federte auf den dicken Pflanzenpolstern, und ab und zu musste man aufpassen, nicht in eins der vielen Wasserlöcher zu fallen. Wollgras wiegte sich im Wind. Die lange Wandertour führte über zwei Hügelkuppen, von denen sich ein herrlicher Ausblick auf die Bucht, auf Plancius und die vielen Eisberge ergab.

Unweit der Landestelle waren die Überreste einiger Thule-Häuser zu sehen, Spuren einer längst vergangenen Zeit. Michelle erklärte, wie die Menschen zwischen 900 und 1500 AD hier lebten. Teile ihrer Häuser waren in die Erde eingegraben, um sie besser gegen die Kälte zu isolieren. Während des Mittagessens fuhren wir in Richtung Bäreninseln (Bjørne Øer). Hier liegt der kleine natürliche Hafen Jytte Havn, benannt nach dem Motorschiff Jytte, das 1967-72 während verschie-dener Expeditionen hier häufig vor Anker lag. Aber es sollte nicht sein – der Wind blies einfach zu stark. Plancius kehrte den übermächtigen Naturgewalten kurzerhand das Heck zu und drehte in die Skillebugt ab. Hier hatte der Kapitän im Vorbeifahren ruhiges Wasser erspäht. Die Einfahrt war atemberaubend: Mehrere große Eisberge bewachten den Fjordeingang, und Plancius musste sich vorsichtig an ihnen vorbeistehlen.

Im Innern des Fjordes war es tatsächlich viel ruhiger, und wir erkundeten ihn per Zodiac. Der Versuch einer Anlandung beim Gletscher verlief sprichwörtlich im Sande – der Boden war viel zu flach und zu weich. Aber die Fahrt um die großen, aus dem Ø Fjord hereingedrifteten Eisberge sorgte für leuchtende Augen und volle Speicherkarten: Da waren Höhlen und Tore, weiße und blaue, gestreifte und gepuckerte Eisberge zu bewundern. Gegen Ende unseres Ausflugs kam auch die Sonne wie-der hervor und bescherte uns magisches Licht auf den Bergen.

Zurück an Bord sprach Sandra im Recap über Flechten und Andrew über unsere Pläne für morgen. Nachdem wir aus der Skillebugt in den Ø Fjord gefahren waren, kamen wir an Grundtvigskirken (1977 m) vorbei, einem beeindruckenden Fels-massiv. Die Wolken verfärbten sich, als die Sonne unterging, und die Gespräche beim Abendessen drehten sich um die Erlebnisse des Tages. Vielleicht gäbe es ja auch heute zur Abrundung noch eine Bühnenshow der Aurora Borealis?

Harefjord & Røde Ø
  • Datum: 15.09.2016
  • Position: 70° 54,0‘ N, 027° 48,6‘ W
  • Wind: variabel 1
  • Wetter: teilweise bewölkt
  • Lufttemperatur: +2°C

Der Tag dämmerte in blauen Pastelltönen, als Plancius langsam in den Harefjord einfuhr. Über der eisbergbetupften Wasserfläche erhoben sich gerundete Hügelkämme in rötlichen Tönen. Während wir uns noch den Schlaf aus den Augen rieben und beim Frühstück allmählich aufwachten (manche von uns waren immerhin mitten in der Nacht Andrews und Katjas Aufruf gefolgt, die Nordlichter zu bestaunen), sorgte die Sichtung einiger Narwale in der Ferne für die erste Aufregung. Leider ließ sich das scheue „Einhorn der Meere“ nach der ersten Begegnung nicht mehr blicken.

Als Plancius zwischen den großen Eisbergen eine temporäre Parkbucht gefunden hatte, stiegen wir in die Zodiacs. Unmittelbar hinter der Landestelle begann die herbstbunte Tundra. Die schnellen Wanderer machten sich als Erste auf den Weg; sie bekamen Moschusochsen vor die Linsen und Ferngläser. Die mittlere Wandergruppe ließ sich etwas mehr Zeit und erklomm den Hügelkamm, der eine fantastische Sicht zu beiden Seiten bot. Die Fotografen genossen den Anblick des eisgefüllten Fjords, fanden eine noch blühende Glockenblume und sammelten herbstliche Farbnuancen von Gelb über Rot bis zu Silber und Braun. Die Strandspaziergänger ließen sich alle Zeit der Welt bei ihrer Tour, betrachteten die Spuren von Moschusochse und Fuchs, fotografierten eisbedeckte
Rinnsale und setzten sich danach zu einer langen arktischen Stille an ihren ganz eigenen Aussichtsplatz.

Wieder einmal mussten wir uns viel zu früh auf den Rückweg machen – wir hätten noch stunden-lang im warmen Sonnenschein vor uns hin träumen und zusehen können, wie sich Plancius wieder zu ihrer Parkposition durchschlängelte. Es waren wirklich viele Eisberge zu umkurven! Am sandigen Ufer entlang spazierten wir zur Landestelle, und dort nahmen die ganz Mutigen ein Bad in den kalten Fluten – ein schöneres Plätzchen für den Polarplansch hätte das Team kaum finden können.

Der strahlende Sonnenschein blieb uns erhalten, und so waren die ersten Fotografen nach dem Mittagessen schnell wieder an Deck, um die vorbeiflitzenden Eisberge und die etwas langsamer vorbeigleitende Landschaft in Bildern festzuhalten. Viel großes Eis dümpelte im Rødefjord, eingespeist von den riesigen Gletscherzungen, die wir in der Ferne sahen. Dann hatten wir die kleine Insel Røde Ø erreicht – und den daneben gelegenen Eisberg-Sammelplatz. Die Strömung transportiert die weißen Riesen hierher, wo sie auf Grund laufen und ein ganz besonders faszinierendes Ziel schaffen. Schon vom Schiff sah das Ganze fantastisch aus.

Zunächst landeten wir in der kleinen Bucht auf Røde Ø an. Kaum zu glauben, dass bei all den Eisstückchen noch genügend Platz für die Zodiacs blieb! Die meisten von uns erklommen den Kamm des Eilands und genossen den atemberaubenden Blick über die Eisberg-Wunderwelt. Früher oder später machten sich alle im Schlauchboot wieder auf den Weg, um sich die Eisberge aus einer anderen Perspektive anzuschauen. Es war ein Fest für die Augen, hier spazierenzufahren – bei spiegelglattem Wasser und strahlendem Sonnenschein.

Auch für die geologisch Interessierten gab es Spannendes zu entdecken: eine basaltische Intrusion auf der gegenüberliegenden Seite des Eilands, die uns als Wendepunkt auf unserer Zodiac-Tour diente, ehe wir auf dem Rückweg noch einmal die Eisberg-Parade abnahmen.

Vor dem Abendessen stellte uns Andrew die Pläne für morgen vor, aber wir waren in Gedanken noch ganz beim soeben Erlebten. Während des Abendessens bahnte sich Plancius ihren Weg durch das eisige Labyrinth bahnte und bog in den landschaftlich sehr schönen Fønfjord ein, dessen Berge die Umrahmung für den farbintensiven Sonnenuntergang bildeten.

Constable Point & Ittoqqortoormiit
  • Datum: 16.09.2016
  • Position: 70° 42,9‘ N, 022° 37,1‘ W
  • Wind: N 6
  • Wetter: bedeckt
  • Lufttemperatur: +3°C

Die Pastelltöne, mit denen der gestrige Tag sich verabschiedet hatte, gingen im Laufe der Nacht in eine vom Schneeregen verwaschene Farbenpalette über, und als wir zum Frühstück durch Hurry Inlet nach Norden Kurs auf Constable Point nahmen, war in Ostgrönland schon fast der Winter eingekehrt. Dennoch ließen 53 Unerschrockene sich die Gelegenheit zu einer letzten Anlandung in der Wildnis nicht nehmen: Die Zodiacs tanzten über das kabbelige Wasser gegen den Wind, und wer am Strand angekommen im richtigen Augenblick einen Blick zurück warf, konnte sich wirklich der Illusion einer Expedition hingeben – Plancius versteckte sich im Nebel.

Constable Point stellt sich auf der Landkarte lediglich als der örtliche Flughafen von Ittoqqortoor-miit dar. Wer aber auf sanften Anhöhen einem der Seitentäler landeinwärts folgte, konnte noch einmal die angenehm elastische Tundra unter den Gummistiefeln spüren. Leider war das Wetter wirklich nicht auf unserer Seite, sodass unsere drei Gruppen bald wieder an die Landestelle zurückkehrten, um sich von den Zodiacs in die Wärme und Trockenheit der Plancius zurückbringen zu lassen. Der Weg hielt dann noch die eine oder andere Gelegenheit für eine arktische Dusche parat. Glücklicherweise hatte die Kombüse wieder ein schmackhaftes Lunch zubereitet, das nach unserer Entdeckungsreise in den grönländischen Herbst die Lebensgeister in eventuell verfrorene Knochen zurückrief.

Weiter ging es unterdessen nach Ittoqqortoormiit. Dieses kleine Örtchen am Eingang des Scoresby Sund ist die größte Siedlung an der Ostküste. Die Zodiacs brachten uns an Land, und wir bekamen Gelegenheit, mit einem kleinen Stadtplan ausgerüstet den Ort auf eigene Faust zu erkunden. Ein kleines Museum stellte einige Artefakte der lokalen Geschichte aus, die Kirche war geöffnet, und das Touristbüro hielt eine Auswahl an Souvenirs und Postkarten bereit.

Asphaltierte Straßen gab es nicht, aber unsere Gummistiefel – die sich so wunderbar bewährt hatten auf der gesamten Reise – leisteten uns noch einmal treue Dienste, ob auf dem Weg nach oben für den Panoramablick vom Helikopter-Landeplatz oder einfach kreuz und quer zwischen den bunten Häusern entlang der Wege. Allmählich führten uns unsere Schritte wieder zurück aur Anlegestelle, von wo aus wir zum letzten Mal für diese Reise in die Zodiacs stiegen in Richtung Plancius.

Das Recap, der Rückblick des Expeditionsteams, war heute besonders umfangreich und fasste eini-ge Höhepunkte der vergangenen Tage zusammen: Andrew erläuterte die geologische Geschichte von Røde Ø, Beau präsentierte uns Hintergrundwissen über Moschusochsen, und Katja erklärte uns, wie das Nordlicht zustande kommt.

Während des Abendessens verließen wir den Scoresby Sund. Das Meer zeigte sich diesmal von seiner eher gemütlichen Seite. Sanft rollend wiegte Plancius uns in die Träume.

Auf dem Weg nach Island
  • Datum: 17.09.2016
  • Position: 67° 36,5‘ N, 022° 38,2‘ W
  • Wind: S 5
  • Wetter: teilweise bewölkt
  • Lufttemperatur: +8°C

Nach einer sanft bewegten Nacht erwarteten uns zum Sonnenaufgang fotogene Wolkenformationen und herrliche Farbtöne. Eissturmvögel begleiteten die Plancius auf ihrem Weg nach Süden. Viele von uns hatten die Gelegenheit zum Ausschlafen genutzt und machten sich ganz gemütlich auf den Weg ins Restaurant, als André um 8.30 Uhr das Frühstück ankündigte.

Anschließend war es Zeit, die Schiffsrechnung zu begleichen. Parallel dazu zeigte das Expeditionsteam in der Lounge die historische Dokumentation „Nanook of the North“ („Nanook des Nordens“). Der erste jemals über die Inuit gedrehte Film ist ein Schwarz-Weiß-Klassiker mit Hintergrundmusik. Robert Flaherty hatte viele Jahre bei den Eskimos in Kanada gelebt, ehe er sich entschloss, deren Leben zu verfilmen. Die Aufnahmen entstanden zwischen August 1920 und August 1921, vor allem auf der Ungava-Halbinsel in der Hudson Bay.

Am Nachmittag brachte die Natur das Programm noch einmal gehörig durcheinander: Zuerst tauchte ein Pottwal in der Nähe der Plancius auf, zeigte den charakteristischen, schräg nach vorn gerichteten Blas und beim Abtauchen die Fluke – und kehrte dann unerwartet früh von seinem Tauchgang zurück, sodass auch diejenigen den Wal bewundern konnten, die ihn beim ersten Mal verpasst hatten. Kaum hatten wir den Pottwal sich selbst überlassen, erschienen Schwertwale in unmittelbarer Schiffsnähe. Auch die Orcas schienen Plancius spannend zu finden und drehten ihre Runden vor unseren Kameras und Ferngläsern.

Nach diesen großartigen Begegnungen beflügelte Sandra in der Lounge unsere Reiselust mit ihren Aufnahmen aus der Antarktis. Es war irgendwie anrührend, Plancius auf manchen Bildern wieder-zuerkennen – unser Schiff und seine Mannschaft waren uns in den vergangenen fast zwei Wochen doch sehr ans Herz gewachsen.

Mit einem weinenden Auge gaben wir dann auch die Gummistiefel zurück – trotz anfänglicher Skepsis hatten sie sich als ideales Expeditions-Schuhwerk erwiesen, das unsere Füße während unserer arktischen Abenteuer warm und trocken gehalten hatte. Um 17.15 Uhr versammelten wir uns erneut in der Lounge und stießen mit dem Kapitän und dem Expeditionsteam auf unsere rundum gelungene Reise an. Ehe wir uns versahen, legte Plancius am Pier von Akureyri an – wir waren zurück in der Zivilisation. Und dann war es auch schon Zeit fürs letzte Abendessen an Bord; noch einmal genossen wir ein vorzügliches Drei-Gänge-Menü – und lernten bei dieser Gelegenheit das ge-samte Küchen- und Hotel-Team kennen. Wer wollte, konnte sich danach noch ins samstägliche Nachtleben von Akureyri stürzen, wenngleich dies heftig mit dem leider nötigen Packen von Koffern und Taschen konkurrierte …

Akureyri
  • Datum: 18.09.2016
  • Position: 65° 41,3‘ N, 018° 04,5‘ W

So sehr wir auch versuchten, den letzten Weckruf auf der Plancius zu überhören: Es half alles nichts. Wir stellten unser großes Gepäck in den Gang, als wir zum Frühstück gingen, und genossen noch einmal die Annehmlichkeiten des Buffets. Dann verließen wir das Schiff über die Gangway und hatten in Akureyri isländischen Boden unter den Füßen. Zwar soll man aufhören, wenn es am schönsten ist, aber der Abschied von der Plancius, von der Crew und dem Expeditionsteam fiel nie-mandem leicht. Immerhin machte sich ein großer Teil der Mannschaft mit uns per Bus auf den Weg nach Reykjavík. Wir alle werden die wunderbare Zeit in Spitzbergen und Ostgrönland noch lange in Erinnerung behalten und nicht nur beim Anblick unserer Fotos immer wieder darin schwelgen …

Vielen Dank für Eure Gesellschaft, Eure gute Laune und Euren Enthusiasmus. Wir wünschen Euch eine gute Heimreise und würden uns freuen, Euch zukünftig wieder an Bord begrüßen zu dürfen – wo auch immer das sein mag!

Auf unserer Reise zurückgelegte Strecke: 2076 Seemeilen, 3845 Kilometer

Nördlichste erreichte Position: 79° 55,2’ N, 011° 43,2 ‘E

Im Namen von Oceanwide Expeditions, Kapitän Alexey Nazarov, Expeditionsleiter Andrew Bishop, Hotelmanager André van der Haak und des gesamten Teams: Es war uns ein Vergnügen, mit Euch unterwegs gewesen zu sein! Kommt gut nach Hause und genießt noch lange die Bilder und Erinnerungen aus der Arktis.

Schiff-Info

Cabin

MS Plancius

Das eisverstärkte Schiff Plancius ist ein ideales Schiff für polare Expeditionsfahrten in die Arktis und Antarktis.

Alle Schiff-Informationen

Details

Tripcode:PLA16-16

Daten:6 Sep – 18 Sep, 2016

Dauer:12 Nächte

Schiff:MS Plancius

Einschiffung:Longyearbyen

Ausschiffung:Akureyri / RKV

Trip-Log als PDF-Datei

Google Earth route

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