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PLA15-19, trip log, North Spitsbergen – 82 Degrees North

by Oceanwide Expeditions

Logbuch

Tag 1: Einschiffung – Longyearbyen

Einschiffung – Longyearbyen
Datum: 26.08.2019
Position: 78°13’N - 015°36’E
Wind: SSE 4
Wetter: bedeckt
Lufttemperatur: +5

Longyearbyen liegt etwa auf dem 78. nördlichem Breitengrad und ist somit eine der nördlichesten dauerhaften Siedlungen weltweit. Ursprünglich für den Abbau von Steinkohle gegründet, arbeiten und leben dort heutzutage etwa 2000 Einwohner das ganze Jahr über. Die Einwohnerzahl erhöht sich allerdings in den Sommermonaten, durch die Ankunft zahlreicher Kreuzfahrtschiffe, deutlich.

Einige von uns reisten schon etwas früher an und hatten somit noch etwas Zeit Longyearbyen zu erkunden oder eine Tagestour zu unternehmen. Die meisten von uns reisten allerdings erst am Nachmittag der Einschiffung an und konnten somit Longyearbyen nur einen Kurzbesuch abstatten, bevor es auf unser Schiff, die MS Plancius, ging.

Auf dem Schiff angekommen wurden wir noch einmal durch das durchaus freundliche Hotel-personal empfangen und zu unsere Kabinen geleitet, wo unser Gepäck bereits auf uns wartete.

Wir hatten daraufhin ein bißchen Zeit uns mit der Kabine und Teilen des Schiffs vertraut zu machen, bevor es in die Lounge ging um Philipp (unseren Expeditionsleiter) sowie sein Expeditionsteam und Kapitän Artur kennenzulernen. Es gab ein Glas Champagner um auf unsere Expeditionskreuzfahrt anzustoßen. Sigi, unser Hotelmanager, erklärte uns danach die wichtigsten Dinge zum Leben auf der Plancius.

Anschliessend erfolgte noch die verpflichtende Sicherheitsbelehrung von unserem ersten Offizier Francois. Es wurden uns die wichtigsten Sicherheitsaspekte auf dem Schiff erklärt und was im Fall der Fälle, also dem Verlassen des Schiffes auf hoher See, zu tun ist. Dies wurde direkt geprobt und deshalb versammelten wir uns nach dem Signalton alle mit unseren Rettungswesten in der Lounge und zogen die gut sichtbaren orangenen Rettungswesten an. Hoffentlich bleibt es tatsächlich nur bei diesem einen Mal. Man zeigte uns noch die Rettungsboote und schon war es an der Zeit für das Abendessen. Hier hatten wir die Gelegenheit unsere Mitreisenden zum ersten Mal besser kennen zu lernen.
Als letzter Programmpunkt stand noch die Ausgabe der Gummistiefel und Schwimmwesten, welche wir in den nächsten Tagen für die Strandanlandungen benötigen werden, an.

Durch das 24 Stunden lang vorherrschende Tageslicht wurde der Abend noch von einigen von uns dafür genutzt die Natur- und Tierwelt zu erleben. Während des Abends zogen noch ein paar Finwale in der Entfernung vorbei während wir in rauer See Richtung Nordwesten durch die Nacht fuhren.

Tag 2: Svidjodbreen & Raudfjord

Svidjodbreen & Raudfjord
Datum: 27.08.2019
Position: 79°48’N - 011°01’E
Wind: ENE 5
Wetter: teilw. bewölkt
Lufttemperatur: +5

Der erste Tag auf der Plancius. Wir haben das Rollen während der Nacht gut überstanden, entwickelten langsam unsere „Seebeine“ und konnten die Szenerie, die sich vor unseren Augen darbotet, endlich gebührend genießen. Wir befanden uns am Eingang des Fuglefjorden. Raue Bergspitzen ragten auf beiden Seiten aus dem Wasser hervor und wir konnten es kaum noch erwarten, die Plancius zu verlassen und die Gegend aus der Nähe zu erkunden. Doch bevor es losging, standen noch ein paar verpflichtende Einweisungen auf dem Programm.

Philipp führte uns in den richtigen Umgang mit den Zodiacs, die AECO Richtlinien und das Verhalten im Eisbärenland ein. Eine Menge wichtiger Informationen.
Doch wie merkt man sich so etwas am Besten? Na klar, in dem man es anwendet. Also ging es kurz darauf auch schon hinaus. Mit den Zodiacs stachen wir in See, um das tiefe Innere des Fjordes zu erkunden. Wir fuhren zwischen kleinen Inseln hindurch, die noch vor 100 Jahren von Gletschereis bedeckt waren. Am heutige Tage tummelten sich hier unter anderem die arktischen Küstenseeschwalben, doch große Findline zeugten noch immer von der einstigen Eisbedeckung. Nach einer Weile näherten wir uns dann auch dem Svidjodbreen, dem Gletscher am Ende des Fjordes. Mächtig ragte dieser aus dem Wasser hervor und wir wurden Zeuge, wie einzelne Stücke von der Gletscherkante aus ins Wasser brachen. Ein Vorgang, der auch als Kalbung bezeichnet wird. Ein Stück nach dem anderen broch ab und aus sicherer Entfernung beobachteten wir dieses Spektakel von unseren Zodiacs aus.

Kurz bevor wir uns auf den Rückweg machen wollten, kommt die Sonne zwischen den Wolken hervor und ein gewaltiges Eisstück kalbte vom Gletscher herab. Wenige Minuten später surften wir mit unseren Zodiacs auf großen Wellen, die auf Grund des Aufpralls des Eises auf der Wasseroberfläche entstanden sind. Was für ein faszinierendes Schauspiel.

Für das Nachmittagsprogramm fuhr die Plancius weiter in den Raudfjorden. Wir wollten endlich an Land gehen um uns ein bisschen die Beine vertreten. So war zumindest Plan A, doch der fiel ins Wasser. Die Guides hatten einen Eisbären auf der westlichen Seite des Fjordes gesichtet. Rasch wurden alle Zodiacs ins Wasser gelassen und wir machten uns auf zu unserer nächsten Zodiacausfahrt. Der Himmel war grau, der Wind blies recht stark und es regnete. Das Wetter konnte unsere Stimmung aber trotzdem nicht vermiesen, denn der Eisbär lief gemütlich am Strand entlang und wir konnten ihn bestens von unseren Zodiacs aus beobachten. Unsere Anwesenheit interessierte den Eisbären nicht im Geringsten und als wenn er uns seine Meinung zu sagen hätte, dreht er uns das Hinterteil zu und verrichtete seine Notdurft. Danach ging er einfach weiter und marschierte, als wenn nichts gewesen wäre, wenige Meter von unseren Zodiacs entfernt den Sandstrand entlang.

Da fehlten nur noch die Palmen und der Liegestuhl. Irgendwann drehte der Bär ab und marschierte eine Gletschermoräne hinauf. Perfektes Timing, denn gerade fing es ordentlich an zu regnen. Geschwind düsten wir zur Plancius zurück.
An Bord wollte Philipp uns dann vor dem Abendessen noch die Pläne für unsere Reise vorstellen, doch er kam nicht weit. Ein Blauwal stohl ihm die Show. Immer wieder tauchte er seitlich neben der Plancius auf und Philipp musste mehrmals neu ansetzen, bis er es endlich schaffte seinen Vortrag zu Ende zu bringen. Was für ein erlebnisreicher erster Tag. Was die nächsten Tage wohl noch so bringen werden.

Tag 3: Faksevågen & Lomfjorden

Faksevågen & Lomfjorden
Datum: 28.08.2019
Position: 79°38’N - 009°29’E
Wind: SE 7
Wetter: Regen
Lufttemperatur: +2

In der Nacht zum heutigen Tage hat das Schiff ordentlich geschaukelt. Uns wurde am Morgen von Windestärke 9 berichtet. Durch den Wind, den resultierenden Seegang und Eisschollen im Wasser wurde unser Plan A in der Palanderbukta anzulanden sprichwörtlich „auf Eis gelegt“. Plan B sah vor in den Lomfjord mit der Plancius zu fahren, da dieser Fjord westlich der Hinlopenstraße deutlich windgeschützter lag. Auf der Fahrt zum Lomfjord wurden uns noch interessante Kurzvorträge von Andreas über das Gletschereis und von Arjen über den Eisbären, den wir am Tag vorher gesichtet haben, angeboten.

Im Faksevågen, einem westlich gelegenen Seitenfjord des Lomfjorden, beglückte uns unerwartet heiterer Sonnenschein, wenig Wind, sowie eine atembereaubende Landschaft mit Bergen und Gletschern. Die Entscheidnung für Plan B war ausgezeichnet. Kurz darauf unternahmen wir unsere erste Zodiacfahrt inklusive Anlandung. Eine Bartrobbe begrüßte einige der Zodiacboote nahe der Anlegestelle aus dem Wasser. Sie schien sehr interessiert an unserem Wandervorhaben zu sein, bevorzugte aber doch lieber das Wasser.

Nachdem wir uns in drei Wandergruppen (eine gemütliche, eine mittelschnelle und -weite, sowie die „Bergziegen“) eingeteilt hatten, zogen wir los um die faszinierende, von Gletschern geformte Landschaft zu erkunden. Es gab jede Menge zu entdecken und wir bekamen jede Menge Informationen von unseren Expeditionsguides geliefert. Zudem begeneten uns noch einige Schneehühner, die sich mit ihrem bräunlichen Sommerfederkleid sehr gut in der steinigen Umgebung verstecken konnten.

Der Landgang war pünktlich zum Mittagessen beendet und so konnten wir uns erst einmal stärken, während die Plancius ihre Position leicht in Richtung des Lomfjorden verschob. Ziel des Nachmittags war ein Landgang auf der Nordostseite des Lomfjordens, dem sogenannten Gungnerodden. Philipp, unser Expeditionsleiter, wählte bewusste diese Entscheidung, da man in der Ferne noch immer die Wolkenwand in der Hinlopenstraße sah und es somit keinen Sinn gemacht hätte die Zeit dort im Sturm und bei schlechter Sicht zu verbringen.

Wir wurden erneut mit fantastischen Aussichten, Landschaften und einigen Vogelsichtungen (u.a. Dreizehenmöwen, Küstenseeschwalben und Grillteisten) an einem kleinen Tümpel nahe der Landungsstelle belohnt. Die drei Wandergruppen genossen die sonnige Zeit an Land und die arktische Stille, obwohl einige Bereiche sehr sumpfig oder mit Plastikmüll vernunreinigt waren. So wurde auf den Wanderungen aller Plastikmüll eingesammelt, den die Hände tragen konnten und auf die Plancius für eine sorgfältige Entsorgung mitgenommen. Da unsere Anlandestelle nicht oft von Schiffen angefahren wird, sammelte sich doch eine ganze Menge Plastikmüll an und stimmte viele unter uns nachdenklich.

Am Abend gab es noch die Vorausschau für den morgigen Tag sowie eine Recap von Karin, wie man am besten Blumen fotografieren kann, damit man sie später zuordnen kann. Ali gab uns Tipps wie man am besten einen Eisbären im Eis sichten kann, gefolgt von einer spannenden Zusammenfassung über die Beaufort-Skala von Gerard. Für den folgenden Tag stand ein „eisiger Tag“ an auf den sich alle freuten.

Tag 4: Tag im Eis

Tag im Eis
Datum: 29.08.2019
Position: 81°19’N - 018°11’E
Wind: SSE 3
Wetter: bedeckt
Lufttemperatur: 0

Um 07:45 sind wir in das Packeis hinein gefahren. Beim Frühstücksbuffet konnten wir nun alle durch die Fenster vom Speisesaal den Ausblick auf das Meereis genießen. Nach dem Frühstück hatten ein paar von uns viel Glück und haben einen schlafende Grönlandwahl an der Esikante in der Nähe des Schiffes gesehen. Kurz darauf haben wir Elfenbeinmöwen und Spatelraubmöwen, die um das Schiff herum flogen, beobachten können

Noch im Verlauf des Vormittags kam dann endlich die Durchsage auf die wir alle gewartet hatten: Ein Eisbär wurde in der Ferne gesichtet. Wir haben uns alle schnell warm angezogen und sind, so leise es ging, raus auf das Außendeck gelaufen. Nach und nach wurde der Eisbär für alle von uns sichtbar, da er sich immer weiter der Plancius näherte. Es war ein junger männlicher Eisbär, den wir ziemlich lange beobachten konnten während er auf dem Eis herum lief. Der Bär schien sehr an uns, dem Schiff oder vielleicht unserem Mittagessen (Pasta) interessiert zu sein. Es war ein einzigartiges Erlebnis einen Eisbär in seinem natürlichen Habitat zu beobachten.

Am Nachmittag hat Michelle eine Vorlesung über Eisbären gehalten und wir haben sehr viel Interessantes über diese faszinierenden Tiere gelernt. Während der Vorlesung wurde ein zweiter Grönlandwahl direkt an der Eiskante gesichtet. Wir sind alle so schnell es ging hinaus auf das Außendeck gelaufen, aber leider war der Wal direkt wieder abgetaucht und wurde nicht noch einmal gesichtet.

Wir haben den restlichen Tag im Eis verbracht und konnten dabei die mystische Atmosphäre dieser unwirklichen Welt genießen. Am Abend bei der Recap hat Arjen uns ein kurzes Video, welches er von unserem Eisbär im Eis gemacht hat, gezeigt. Johanne hat uns anschließend erklärt was Meereis wirklich ist, wie es entsteht und warum es so wichtig ist. Nach dem langen Tag im Eis haben noch einige von uns den Abend in der bar verbracht, ein paar sogar noch bis nach Mitternacht. Jene haben einen wunderschönen und schnell aufeinander folgenden Sonnenuntergang und -aufgang bestaunen können.

Tag 5: Texas Bar & Monacobreen

Texas Bar & Monacobreen
Datum: 30.08.2019
Position: 79°38’N - 013°29’E
Wind: W 2
Wetter: Regen
Lufttemperatur: +5

Noch deutlich vor unserem eigentlichen Weckruf ertönte gegen kurz nach 6 Uhr Philipp’s Stimme durch die Ansagelautsprecher und machte uns auf zwei Blauwale direkt vor dem Schiff im Eingang des Woodfjorden aufmerksam. Für jene unter uns die dieses Angebot wahrnahmen, bot sich ein atemberaubender Anblick der beiden Tiere vor und später direkt neben der Plancius. Eine Mutter mit dem Jungtier schienen sich gerade satt zu essen.

Unser Tagesprogramm startete durch die Walsichtung etwas später als geplant. Es blieb aber bei Plan A: Einem Besuch der Gegend um die sogennante „Texas Bar“ im Liefdefjorden (dem „Liebesfjord“). Obwohl es bei der Anlandung noch leicht regnete, kam die Sonne schon nach kurzer Zeit hinter den Wolken hervor und bescherte allen Landgängern ein Lächeln im Gesicht. Die üblichen drei Wandergruppen machten sich nach einer kurzfristigen Besichtigung der geöffneten „Texas Bar“ auf den Weg, die Umgebung zu erkunden. Die „Texas Bar“ wird heute nur noch als Freizeit- oder Notunterkunft genutzt und durch den Sysselmannen verwalten; sieht aber trotzdem recht urig und schick aus.

Die Landschaft in der direktem Umgebung war geprägt durch Flachebenen, vom Gletscher bearbeitetem Grundgebirge sowie den charackteristischen spitzen Bergen von Nordwest-Spitzbergen. Während die „Bergziegen“ den nahegelegenen Hügel erklommen, machten sich die anderen beiden Gruppen in unterschiedliche Richtungen auf den Weg und wir alle lernten heute wieder vieles Neues über die Pflanzen- und Tierwelt, die Geologie, sowie die Fuchsjagt.
Gestärkt durch das Mittagessen, brachen wir schon recht zeitnah zu unserer zweiten Tour des Tages auf: Einer Zodiac Cruise am Monacobreen. Dieser imposante Geltscher war bis vor einigen Jahren noch mit dem benachbarten Seligerbreen durch eine gemeinsame Gletscherfront verbunden. Mittlerweile teilt aber der Stortingspresidenten, der Berg zwischen den beiden Gletschern, die Gletscherfront. Neben der riesigen Gletscherfront, die vom Schiff noch recht klein wirkte, gab es jede Menge schwimmende Eisblöcke bzw. mystische „Eisskulpturen“ zu bewundern. Auf einigen sammelten sich vereinzelt Bartrobben, aber auch ein junges Walross war zu erspähen, welches nicht sehr schüchtern war und immer wieder interessiert zu den Zodiac Booten schaute und teilweise sogar näher heran schwamm. Zur Freude natürlich unser aller die in den Zodiacs saßen. Nach gut 2 ½ Stunden fahrt ging es dann zurück durchs Eis zur Plancius wo wir vom Hotelteam mit einem heißen Kakao begrüßt wurden.

In der Recap am Abend berichtete Arjen noch einmal über die beiden Blauwale, die wir am Morgen von der Plancius aus beobachten konnten. Chloe hielt anschließend einen Kurzvortrag über das Leben der Kleinstlebewesen im Meereis, bevor es mit der Plancius Richtung Kongsfjord für neue Abenteuer ging.

Tag 6: Ny-Ålesund & Signehamna

Ny-Ålesund & Signehamna
Datum: 31.08.2019
Position: 78°56’N - 011°55’E
Wind: Var. 1
Wetter: Regen
Lufttemperatur: +7

Es regnete und das in Strömen. Regen, Regen, Regen. Eigentlich kein wirkliches Wanderwetter, sondern eher ein Wetter um Einkäufe und Besorgungen zu erledigen. Aber in der Arktis?! Wie gut, dass es auch dafür eine Lösung gab. Wir lagen vor Ny-Ålesund vor Anker. Hierbei handelt es sich um die nördlichste permanent bewohnte Siedlung der Welt. Früher wurde hier Kohle abgebaut und Ammundsen und Nobile starteten von hier aus mit ihren Luftschiffen zum Nordpol.

Heutzutage ist die kleine Siedlung ausschließlich der Forschung gewidmet. Viele verschiedene Nationen haben hier ihre Forschungsstationen und beschäftigen sich mit den verschiedensten Themen wie zum Beispiel Glaziologie, Geologie, Atmosphärenwissenschaften und Meeresbiologie.

Mit unseren Zodiacs setzten wir zur Siedlung über und konnten diese dann, in unserem bevorzugten Schuhwerk, laufend erkunden. Da es allerdings nach wie vor in Strömen regnete, verbrachten die meisten von uns lieber viel Zeit im Museum oder im kleinen Souvenirladen, auch wenn man dort für die Dauer des Besuchs die Schuhe der Wahl ausziehen muss. Gegen Ende unseres Besuches erzählt uns Michelle noch ausgiebig von Ammundsen und seinen Eroberungen, sowohl in den Polargebieten als auch in fremden Betten. Danach liefen wir zum Luftschiffmast hinaus, wo früher die Luftschiffe angelegt haben, bevor sie zum Nordpol aufgebrochen sind. Weiter ging die Geschichte mit Nobile und den italienischen Kapitänen, welche gerne mal zuerst das Schiff verlassen. Die Zeiten haben sich anscheinend nicht wirklich geändert.

Während unsere Klamotten das Mittagessen über trockneten, fuhr die Plancius wieder ein Stück weiter in den Norden, hinein in den Krossfjorden. Wir wollten bei Signehamna an Land gehen. Eine kleine Bucht mit einem höher gelegenen See erwartete uns. Früher hat hier die deutsche Kriegsmarine während des zweiten Weltkrieges geheime Wetterstationen betrieben. Zunächst hat Operation „Knospe“ von 1941 bis 1942 hier ihre Spuren hinterlassen und im darauffolgenden Jahr folgte die Operation „Nußbaum“. Diese wurde allerdings 1943 von den Alliierten entdeckt und so war dies die letzte Operation der Kriegsmarine an dieser Stelle.

Als wir den Anker zu Wasser ließen, lagt die Landestelle noch in Nebel verborgen und das Regenwasser lief die Fensterscheiben der Plancius hinab. Viele beschlossen daher lieber einen gemütlichen und trockenen Nachmittag an Bord der Plancius zu verbringen. Damit dieser nicht ganz so langweilig wurde, hielt Andreas an Bord einen Vortrag über Gletscher, während die anderen draußen durch die Landschaft stapfen und sich den nahegelgenen See mit dessen Vogelwelt und die geschützten Überreste der Wetterstation genauer anschauten.

Als alle wieder trocken an Bord waren, folgten bei der Recap noch weitere Informationen über die Dinge, die wir im Laufe des Tages gesehen haben. Unter anderem gab Benjamin eine Einfürung in den Bergbau von damals und heute auf Spitzbergen. Arjen unterrichtete Details zum Kohlebergbau in Ny-Ålesund, während Karin über das Leben in Ny-Ålesund berichtete. Andreas zeigte noch einen kurzen Überblick über historische Wetterstationen auf Spitzbergen, bis schließlich Arjen noch seinen Film über den Eisbären, welchen wir im Eis gesichtet hatten, vorstellte und danach allen von uns zur Verfügung stellte.

Danach ging es zum Abendessen hinaus aufs Hinterdeck wo das Hotelteam ein Barbecue für uns aufgebaut hatte. Das Essen und die Getränke waren sehr lecker und die Musik kam gut an. So tanzten wir bis in den späten Abend hinein, während um uns herum die Nebelschwaden mystisch waberten.

Tag 7: Poolepynten & Alkhornet

Poolepynten & Alkhornet
Datum: 01.09.2019
Position: 78°26’N - 011°55’E
Wind: NNW 3
Wetter: nebelig
Lufttemperatur: +4

Der Tag begann wie gewohnt nach Philipp’s Weckruf mit einem reichhaltigen Frühstück zur Stärkung für die anstehenden Landgänge. Beim Blick aus dem Fenster sah man aber hauptsächlich weiß. Es war sehr nebelig und wir fragten uns schon, ob es mit dem Landgang wohl klappen würde. Doch als wir uns dem Ziel näherten, klarte es etwas auf und somit konnte Plan A in die Tat umgesetzt werden.

Am Vormittag ging es in den Forlandsundet, eine Meerenge, die die Hauptinsel von Spitzbergen von der Insel Prins Karl Forlandet abtrennt. Hier leben gewöhnlicherweise Walrösser, die wir versuchten aus sicherem Abstand (ohne die Tiere zu stören oder uns zu gefährden) anzuschauen. Und tatsächlich, wir fanden eine recht große Gruppe von etwa 25 männlichen Walrössern am sogenannten Poolepynten vor. Langsam näherten wir uns diesen imposanten Tieren und konnte eine gute halbe Stunde beobachten wie die Walrösser seelenruhig vor sich hin schlummerten, sich wälzten oder Geräusche von sich gaben. Was ein Erlebnis. Die Nähe suchen die Walrösser übrigens nicht um sich zu wärmen, sondern um die soziale Bindung in der Gruppe zu stärken.

Neben dem Besuch der Walrössern stand aber auch zusätzlich eine kleine Wanderung an für alle von uns, die sich noch die Beine vertreten wollten und weitere Eindrücke der einzigartigen Landschaft Spitzbergens sammeln wollten.
Bevor wir überhaupt zum zweiten Programpunkt des Tages schreiten konnten, bemerkten wir den Helikopter vom Sysselmannen (dem Governeur von Spitzbergen) sehr nahe beim Schiff. Es fand eine Notfallübung statt, bei der sich Personen vom Helikopter auf die Plancius und zurück in den Helikopter abseilten bzw. hinauf gezogen wurden. Was ein Spektakel und zum Glück ohne Verletzte.

Das Programm am Nachmittag sah einen Besuch am Alkhornet, einem markanten spitzen Felsen am Eingan des Isfjorden, vor. Hier hatten wir noch einmal die Möglichkeit, uns von der Arktis und Spitzbergen zu verabschieden. Zuerst erklärte uns Michelle an Land die ehemalige Nutzung der nahegelgenen, verfallenen Hütte und die Geschichte dahinter. Danach ging es in den drei gewohnten Wandergruppen auf um die Umgebung zu erkunden, Neues zu entdecken oder gelerntes Wissen anzuwenden. Uns begegneten dabei zahlreiche Rentiere, Eisfüchse, Dreizehen-möwen und Schmarotzer-raubmöwen.

Bei den Wanderungen nutzten wir die Zeit intensiv um noch einmal die Landschaft und diese einzigartige arktische Umgebung Spitzbergens auf uns wirken zu lassen. Einige besonders Mutige unter uns trauten sich noch zur Erfrischung, zumindest für einen kurzen Moment, in die arktische See. Anschließend ging es zum aufwärmen mit den Zodiacs zurück zur Plancius.

Am Abend erfolgte kurz vor dem Abendessen noch der Tost mit Kapitän Artur und dem Expeditionsteam bevor wir mit vielen Eindrücken, wundervollen Erinnerungen und auch ein wenig Wehmut den Seeweg Richtung Longyearbyen antraten.

Tag 8: Zurück in Longyearbyen

Zurück in Longyearbyen
Datum: 02.09.2019
Position: 78°13’N - 015°36’E
Wind: Var. 2
Wetter: teilw. bedeckt

Unser letzter Morgen an Bord Plancius. Einige von uns sind schon in der Nacht von Sonntag auf Montag zum Flughafen gebracht worden und wir anderen wurden gegen 9 Uhr morgens abgeholt.
Wir genossen das letzte Frühstück an Bord, bevor unsere Heimreise begann. Wir verabschiedeten uns von der Crew, dem Expeditionsteam und den neu gewonnen Freunden. Es ist traurig sich zu verabschieden, aber wir sind alle glücklich über die wunderbaren Erinnerungen und Eindrücke, die wir sammeln konnten. Bis bald Arktis!

Die nördlichste Position: 81° 24.9’N 018° 20.8‘E

Gesegelte Gesamtdistanz dieser Reise: Nautische Meilen: 943 nm | Kilometer: 1.746 km

Im Namen der gesamten Besatzung bedanken wir uns, dass Sie mit uns gereist sind und wünschen Ihnen eine gute Heimreise.

Details

Tripcode: PLA15-19
Daten: 26 Aug – 2 Sep, 2019
Dauer: 7 Nächte
Schiff: MS Plancius
Einschiffung: Longyearbyen
Ausschiffung: Longyearbyen

Aboard MS Plancius

Das eisverstärkte Schiff Plancius ist ein ideales Schiff für polare Expeditionsfahrten in die Arktis und Antarktis.

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